Reden wir über das Wetter

Sonderbarer Sommer: Grillen macht Giraffen verrückt

Dass für die deutschen Griller die Tropen abgeholzt werden, ist bekannt. Dass sie Giraffen traumatisieren, ist ein weitgehend unbekanntes Problem.
15.8.17
Ja. Das ist wie es aussieht | Foto: imago | Imagebroker 

Makena, Bahati und Taziyah mögen es nicht, wenn es in ihrer Nähe brennt. Und in der Nähe brennt es häufig, das denken sie zumindest. Die drei sind Giraffen und stehen im Tierpark Hellabrunn in München, nahe der Isar. Da wird viel gegrillt, sagt Frau Reininger vom Tierpark, das Grillen habe sogar noch zugenommen. Und wenn Wind und Wetter ungünstig sind, dann zieht der Rauch in den Tierpark und die Giraffen denken: Die Steppe brennt. Sie bekommen Panik.

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Dafür geben die Deutschen also in jedem Jahr 1,3 Milliarden Euro aus, für Fleisch und Holzkohle. Dafür werden die Tropen abgeholzt und am Ende verschrecken Griller sogar noch die (mehr oder weniger) heimischen Giraffen. Giraffen sind Fluchttiere, wenn es brennt, wollen sie weg, sie stehen nicht darauf, am Feuer zu stehen und sich die Hände zu wärmen. Sie mögen auch kein Tankstellenfleisch, keine Einweggrills oder zu warmes Bier.


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Tankstellenfleisch ist eng befreundet mit Plastik, jeder weiß das, sie kommen ohne einander nicht aus. Der Dritte im Bunde ist die Marinade. Sie ist entweder rot oder grün, als gäbe es nur diese beiden Farben. Das Plastik bleibt dann am Isarstrand liegen. Wenn es windet, dann weht der Müll manchmal in den Park und da fressen ihn die Tiere – es ist ja immer noch ein bisschen Marinade dran.

Im Tierpark Hellabrunn sind viele Tiere, die gerne das Weite suchen, wenn sie denken, dass ihnen die Hütte abbrennt: Antilopen, Hirsche, Elche, Muntjaks, Takine und eben Giraffen. Und da MUNCHIES bekanntermaßen ein Zoologie-Magazin ist, hier zwei Bilder von süßen Tieren, die ihr noch gar nicht kanntet.

Hier, Takine | Bild: imago | Olaf Wagner

Guck mal, Muntjaks | Bild: imago | blickwinkel

Gern geschehen. Weiter im Text.

Dabei wird die Isar doch schon regelmäßig patrouilliert, auch private Sicherheitsdienste verdienen so an der Grillsaison. Sie weisen die Griller an, doch bitte in eigens ausgewiesenen Zonen zu grillen, in denen das alles weniger schlimm ist. Außer für die Regenwürmer direkt unter dem Einweggrill, aber daran denkt wieder niemand. Der Oberbürgermeister Dieter Reiter ist auch schon wütend geworden, er nannte die Griller "Saubären". Sauber. Geht es auch eine Nummer größer? Geht: "Das ist momentan ein rechtsfreier Raum", so der Münchner SPD-Landtagsabgeordnete und Umweltexperte Florian von Brunn. Die Welt hat viele Probleme und das ist eines davon. Und davor können die drei Giraffen nicht davon laufen, wegen der Gitter und der Gräben in den Tierparks.