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Words

Munk will dafür sorgen, dass ihr Liebe macht

Munk ist ein viel beschäftigter Mann. Vor allem beschäftigt ihn die Frage, wie er euch glücklich machen kann.

von Jan Wehn
24 Oktober 2014, 4:00pm

Mathias Modica ist ein viel beschäftigter Mann. Und im Gegensatz zu den Leuten, die immer gerne davon erzählen, dass sie so unglaublich viel zu tun haben und am Ende dann doch eigentlich ungefähr gar nichts machen, stimmt das im Falle des gebürtigen Münchners sogar. Als Munk macht er seit Jahren Disco-Sound, der sich locker und leichtfüßig am Konsensklang vorbeitanzt und betreibt außerdem die Labels Gomma und Toy Tonics, sowie mit Freunden das Münchner Pop-Up-Lokal RUBYBAR. Und wenn Mathias Modica nicht gerade die Hintergrundbeschallung für Modeschauen von Chanel, Margiela oder Givenchy produziert, legt er auf dem ganzen Globus auf oder bringt zur Abwechslung auch Soloalben wie das neue Chanson 3000 heraus. Im Interview erzählt der mittlerweile in Berlin lebende Tausendsassa von Danksagungen seiner Fans, dem Auflegen in Mexiko und der Ukraine, sowie von seinem Nebenjob als Locationscout.

THUMP: Ich würde gerne mit einem Zitat von dir beginnen.

Munk: Oh, ich quatsche immer so viel Zeug...

Du hast mal im Interview mit der ZEIT gesagt: „Alle lächeln und wollen am Ende Liebe machen. Darum geht's." Geht's da immer noch drum? Oder worum geht's gerade?

(lacht) Ich will, dass du lächelst und ich will Liebe machen—aber nicht mit dir! (lacht)

Ich fand den Satz total schön. Weil: Darum geht's ja am Ende des Tages wirklich immer irgendwie.

Ganz genau. Egal ob Party, Konzert oder Event muss das Ziel immer sein, das alle mit größter Freude den Abend verlassen. Und was kann es Schöneres geben, als wenn sich da welche finden, lächeln, nach Hause gehen und ein Kind zeugen oder es zumindest versuchen. Ich mache seit 15 Jahren Clubs und Partys und reise durch die Welt. Und es ist mir schon oft passiert, dass Leute Jahre später zu mir kommen und sagen: „Hey, wir wollten uns nur bedanken—denn wir haben uns bei einem DJ-Set von dir kennengelernt." Neulich hat mir ein Pärchen auch erzählt, und das ist nicht gelogen, dass sie ein Kind bekommen, dass nach einem Abend in der RUBYBAR, die ich ja auch mitbetreibe, entstanden ist.

Das ist doch toll! Gibt's noch andere, ganz besondere Sachen die du Dank der Musik erlebt hast?

Natürlich die Bekanntschaften, die ich gemacht habe. Aber, und das ist auch sehr schön: Ich habe jetzt drei Alben veröffentlicht und mit dem Gomma-Label über vierzig Singles herausgebracht und ich werde immer wieder auf der ganzen Welt eingeladen, aufzulegen. Und im Gegensatz zu anderen DJs, die acht Wochen am Stück touren, einen Gig spielen, dann ins Hotel, dann in den Flieger springen und gleich wieder nachlegen, mache ich es eher so, dass ich dort bleibe, wo es mir gefällt. Und dann bleibe ich nicht drei Tage, sondern gleich drei Wochen da. Andere Musiker touren mir zu anonym und haben gar keinen Bezug zu den Orten an die sie da kommen. Ich habe zum Beispiel mal vier Jahre in Marseille gelebt—aus genau diesem Grund.

Der da wäre?

Ich habe da gespielt, hatte dort Freunde und habe schließlich zwei meiner Ex-Freundinnen dort kennengelernt. Das wäre ohne die Musik und das Album, das mich dort hingeführt hat, gar nicht passiert.

Das muss man aber auch können. Ich wäre, glaube ich, zu feige dafür.

Ach, das muss man gar nicht werten. Schau mal, ich habe das Label Gomma mit meinem ehemaligen Schulfreund Jonas gegründet und der ist im Gegensatz zu mir in München total sesshaft geworden. Das hat genau so seine Vor- und Nachteile. 

Wo hat es dir denn bis jetzt am besten gefallen? Japan vielleicht?

Japan ist anders. Da war ich meist ein oder zwei Wochen am Stück. Die Leute sind total perfekt in ihrem ästhetischen und trendbezogenen Denken. Die kennen sich aus und wissen genau, welche Sockenmarke ich getragen habe, als ich 2001 das erste Mal dort aufgelegt habe. (lacht) Das ist ein sensationelles, aber auch wenig überraschendes Land. Auflegen in Osteuropa ist dagegen immer spannend, weil man nie so genau weiß, was passiert.

Was kann denn da passieren?

(schmunzelt) Ich habe neulich in der Ukraine aufgelegt. Am Flughafen wurde ich von einem Mädchen abgeholt, das vermutlich nicht mal volljährig war. Und dann saß ich da in diesem nach Neuwagen riechenden Neuwagen und wurde auf eine Party gefahren, bei der die Kids literweise Schampus getrunken haben. Man hört ja immer diese Mafiageschichten und deshalb fragte ich meine Fahrerin ob es riskant wäre, hier aufzulegen. Sie hat dann verneint aber meinte: „Neulich gab es in einem Kellerclub einen kleinen Zwischenfall. Der Türsteher wollte ein paar Leute nicht reinlassen und hat die Stahltür von innen zugeschlossen. Dann sind diese Typen weggefahren, mit einem Brennschneider wiedergekommen und haben sich Zutritt zum Club verschafft." Das fand ich dann schon krass. (lacht) In Monterrey in Mexiko gibt es einen Club mit dem Namen Topazdeluxe, der von Rebolledo von den Pachanga Boys, mit dem ich neulich eine Platte gemacht habe, betrieben wird. Monterrey ist eine Stadt im Norden in die die DJs oft nicht fahren wollen, weil dort öfter mal etwas passiert. Aber das hat einen ganz speziellen Vibe. Die Leute, das Essen und der Club sind einfach super. Die Mexikaner haben eine ganz eigene Vorstellung von Farben, Devotionalien, Hokus Pokus und Gestaltungssinn—alles wirkt wie das Kater Holzig und die wilde Renate—nur eben betrieben von Mexikanern. 

Ich nehme an, deine Arbeit wird da auch anders aufgenommen als in europäischen Städten.

Auf jeden Fall. Was ich als Munk mache und was auf dem Gomma-Label von anderen Künstlern erscheint, versucht ja immer in eine ganz eigene Richtung zu laufen. Ob der Sound für sich bleibt oder sich etabliert und langfristig kopiert wird ist dann zweitrangig. Aber es soll nicht wie die Top 20 der Beatport-Charts klingen. Das hat dazu geführt, dass wir in Deutschland nie so abgegangen sind wie in anderen Ländern. In Frankreich gibt es ein riesiges Netzwerk aus Studentenradiosendern, wo unsere Tracks überall laufen. Und andere Ländern wie Mexiko sind nicht auf so einem geradlinigen und sich wiederholenden Sound eingependelt wie man ihn in Deutschland oder eben Berlin hört. Bei mir weiß man eben um 23 Uhr nicht, was um 2 Uhr läuft.

Gesetzt den Fall, du hast aufgelegt und ausgeschlafen. Was passiert denn dann noch so?

Das Schöne an meiner Musik ist ja, dass ich nicht das klassische Umfeld aus verdrogten Anfangzwanzigjährigen habe, sondern eher ein künstlerisches. So lerne ich oft interessante Menschen kennen und kann mir von diesen interessanten Menschen interessante Galerien, Restaurants, Surfspots oder was auch immer zeigen zu lassen. Ich kann mich wirklich glücklich schätzen, so viele schöne Länder und Städte bereisen zu dürfen. Das spricht sich tatsächlich auch schon rum. Ich habe zum Beispiel Fotografenfreunde, die mich immer anrufen, wenn sie mal wieder eine Location brauchen. „Mathias, wir brauchen ein kleines Städtchen mit südeuropäischem Flair. Hast du da was für uns?" (lacht)

Hier könnt ihr das neue Munk-Album „Chanson 3000" als Vinyl oder Download bestellen.

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