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Videospiele

Die neuen Videospiel-Dads leiden unter denselben väterlichen Ängsten wie wir alle

Der weiche Kern der Figuren aus Kampf- und Fantasy-Games.

von Holly Nielsen
23 Juni 2016, 11:32am

Sony eröffnete seine Konferenz auf der E3 mit dem Trailer für den neuen Teil von God of War. Bild mit freundlicher Genehmigung von Sony.

Wir sehen ein Kind beim Spielen, das lernt, zu jagen und angesichts eines toten Tieres traurig ist. Es sind überraschende Szenen im neuesten Trailer für God of War. Die Spielserie ist eher für’s Blutvergießen, Rumschreien und Schlachten gewaltigen Ausmaßes bekannt. Doch auf der diesjährigen E3 hatte sich Sony entschieden, mit der seltsam anrührenden Darstellung der aufgewühlten Vaterfigur zu eröffnen.

Kratos ist ein Mann, der so gut wie alle griechischen Götter der Geschichte getötet hat, und doch fällt es ihm schwer, seinen eigenen Sohn zu trösten. Es ist eine sehr menschliche Verletzlichkeit in einer fantastischen Geschichte, und ein Blickwinkel, der viel Aufmerksamkeit bekommen hat. Kratos steht mit seiner alles andere als idyllischen Vaterschaft aber nicht alleine da. Hideo Kojimas Trailer für sein bevorstehendes Game Death Stranding zeigt Norman Reedus (der aus der Serie The Walking Dead bekannt ist) nackt an einem Strand, durch eine Nabelschnur mit einem kleinen Kind verbunden. Reedus hält das Kind in seinen Armen und weint über dem verletzlichen kleinen Körper, bis dieser sich zu schwarzem Öl verflüssigt. Es ist definitiv eine ungewöhnlichere und modernere Darstellung väterlicher Ängste, doch die Symbolik ist ganz klar; Die Hilflosigkeit und Entfremdung, die ein Vater verspüren kann, kommen in beiden Trailern ziemlich authentisch rüber. 

 

Kratos and son.jpg

Kratos und sein Sohn betrachten den toten Hirsch. Bild mit freundlicher Genehmigung von Sony.

Spiele, die sich reiferen und emotionaleren Themen annehmen, sind mittlerweile nichts sonderlich neues mehr auf dem Games-Markt. Doch auf der diesjährigen E3 haben uns Trailer wie die zu God of War, Death Stranding und Detroit deutlich vor Augen geführt, dass es anscheinend eine ungebrochen große Nachfrage nach Spielen gibt, die durch Ecken und Kanten aus dem Mainstream hervorstechen. Natürlich liegt der Fokus der meisten Spiele, die auf der E3 präsentiert wurden, weiterhin auf den Gameplay-Mechaniken, der Grafik und Kampfsystemen statt auf der Verletzlichkeit der Protagonisten. Es bleibt abzuwarten, wie God of War-Fans die Geschichte über Kratos und seinen Kratos Junior aufnehmen werden.

Doch warum gibt es scheinbar immer mehr emotionale Erzählstränge in sonst so brutalen Spielen? Denkbar ist eine ganze Reihe von Gründen. Für alle Fans von Videospielen ist klar, dass The Last of Us ein Meilenstein der Game-Geschichte war und seitdem nichts mehr ist, wie es vorher war. Naughty Dogs gefeiertes und wunderschön geschriebenes Action-Adventure Survival Horror Game ist das Paradebeispiel für Spiele mit einer ansprechenden Erzählung und emotionaler Reife. Die Szene, in der Kratos’ Sohn auf die Jagd geht, ist einer Szene aus The Last of Us so auffallend ähnlich, dass sie niemandem, der den Trailer gesehen hat, entgangen ist. Die Reaktionen auf das Spiel haben den Entwicklern damals zu verstehen gegeben, dass Games mit Erwachsenen-Geschichten und -Themen großes kommerzielles Potenzial haben. Außerdem hat The Last of Us mit Sicherheit auch ein neues Marketing-Zeitalter eingeläutet. Und auch Games folgen immer Trends. Auf genre-prägende, kommerzielle Riesenerfolge wie beispielsweise Call of Duty oder Grand Theft Auto folgte immer eine Reihe von sehr ähnlich aufgebauten Spielen. 

 

Ellie und Joel aus ‚The Last of Us.' Bild mit freundlicher Genehmigung von Naughty Dog 

Auf Veranstaltungen wie der E3 hat man oft das Gefühl, die Spielbranche sei völlig übersättigt. Games sind jedoch ein teures Hobby, und die meisten Leute werden daher nur ab und zu ein, zwei Spiele kaufen. Bei so viel Auswahl braucht es aber etwas Besonderes, um aus der Menge hervorzustechen. Dinge, die wir uns einst in Spielen gewünscht haben, wie zum Beispiel das Open World Feature, werden sehr schnell zu ausgelutschten Begriffen. Es gibt mittlerweile so viele Spiele, die das Feature haben—und gleichzeitig so viele, die es nicht hinbekommen, ihre riesigen Welten zu besiedeln oder sie interessant zu gestalten—, dass man den neuen Trend auch als pure Marketingstrategie abtun könnte. Ein Trailer mit einer emotionalen Note? Nur ein guter Versuch, sich bei potenziellen Käufern im Gedächtnis einzuprägen. Vielleicht werden sich aber tatsächlich viele mit der Vater-Sohn-Beziehung identifizieren können. Denn sobald in einem Spiel eine junge Figur zu sehen ist, die sich in Gefahr befindet, zieht sich unser Herz instinktiv zusammen und unser natürlicher Beschützerinstinkt bringt uns dazu, eine emotionale Verbindung zu den Figuren aufzubauen. Vorausgesetzt natürlich, dass sie gut und glaubhaft dargestellt sind.

Die Wahrheit ist aber auch, dass wir erwachsen werden. Der Durchschnitts-Gamer ist heute 31 Jahre alt. Es ist also nicht weiter verwunderlich, dass Entwickler immer mehr Spiele rausbringen, die sowohl die Lebenserfahrungen der Gamer als auch ihre eigenen widerspiegeln. Es wird immer Spiele geben, die einfach nur Spaß machen und unterhalten sollen; nicht jedes Spiel wird ab jetzt eine herzzerreißendes Abenteuer sein. Games verändern sich nicht von heute auf morgen grundlegend, doch es gibt einfach eine größere Vielfalt. Macht euch also keine Sorgen—nachdem ihr nun mit so vielen väterlichen Ängsten konfrontiert wurdet, auf die ihr nicht vorbereitet wart, werden Super Mario Galaxy und Overwatch immer noch da sein, um euch wieder auf schönere Gedanken zu bringen. 

 

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