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Paleo Diät

Neue Erkenntnisse stellen die Paleo-Ernährung erneut infrage

Die Paleo-Anhänger haben es nicht leicht: Die erneute Untersuchung einer 32.000 Jahre alten Substanz aus Haferflocken aus dem Mittel- bis Jungpaläolithikum aus einer italienischen Höhle stellt wieder einmal die Prinzipen der Paleo-Ernährung infrage.
Phoebe Hurst
London, GB
11.9.15
Foto von paige_eliz via Flickr

Wo sind meine Paleo-Brüder?

Es muss irgendwo noch ein paar von euch geben, die verstohlen ihre Knochenbrühe schlürfen, ihren Babys rohe Leber ins Fläschchen mischen und dabei auf jegliche Ernährungsratschläge und archäologische Forschungsergebnisse scheißen, die besagen, dass eine Ernährung ohne Kidney-Bohnen nicht unbedingt so gesund ist und dass die Menschen früher mehr als nur Innereien und rohe Riegel aßen.

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Zuerst sorgte die Entdeckung des ältesten menschlichen Scheißhaufens und all die prähistorische Gerste und das Getreide, das man darin nachweisen konnte, für Aufruhr. Vergangenen Monat fand eine Studie, die im Quarterly Review of Biology veröffentlicht wurde, heraus, dass die Entwicklung des menschlichen Gehirns möglicherweise von der Zufuhr von Kohlenhydraten abhängig war.

ARTIKEL: Die ursprüngliche Paleo-Ernährung war voller Kohlenhydrate

Diese Woche untergräbt ein weiterer archäologischer Fund die kontroverse Kein-Getreide-Regel der Paleo-Diät.

Angespornt vom anhaltenden Wahn, sich wie ein Höhlenmensch zu ernähren, untersuchten Forscher der University of Florence erneut Getreideüberreste, die ursprünglich bei einer Ausgrabung in den 80er-Jahren in der Grotta Paglicci im Süden Italiens entdeckt wurden.

Bei der Analyse der von Gestein gekratzten Proben fand das Forscherteam heraus, dass die Substanz aus einer Mischung aus Haferflocken bestand, die mit Wasser behandelt und zu Haferschleim gemahlen wurden. Nicht so viel Unterschied zu der 6-Euro-Müslischüssel, die du letztes Wochenende zum Brunch bestellt hast.

Das 32.000 Jahre alte Getreide stammt aus dem Mittel- bis Jungpaläolithikum, als die Menschheit die Landwirtschaft noch nicht erfunden hatte—das soll erst vor 10.000 Jahren passiert sein—, sondern von Wurzelgemüse und Früchten von Bäumen lebte. Die haferbreiartige Substanz aus der Grotta Paglicci zeigt jedoch, dass die Menschen schon früher „Rezepte" erfanden, als bisher angenommen wurde.

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Die Ergebnisse des Teams werden in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht. Die leitende Forscherin Marta Mariotti Lippi fügte hinzu, dass die gemahlenen Haferflocken möglicherweise zu Fladenbrot gebacken oder zu Haferschleim verarbeitet wurden.

ARTIKEL: Rohe Rinderleber fürs Paleo-Baby–ist das denn in Ordnung?

Hält man sich streng an die Paleo-Diät, sind Getreide und Müsli verboten, da die Anhänger dieser Ernährungsweise davon ausgehen, dass das menschliche Verdauungssystem nicht dafür gemacht ist, solche „nährstofftechnisch unnötigen" Substanzen zu verarbeiten. Haferflocken und alles, was daraus gemacht wird, stehen auf der Liste der verbotenen Nahrungsmittel ganz oben.

Fairerweise muss man sagen, dass es grundsätzlich natürlich nicht falsch ist, sich von viel frischem Obst, hochwertigem Fleisch und Gemüse zu ernähren. Wie mit jedem Lifestyle kann das Ganze natürlich aus dem Ruder laufen, wenn man es übertreibt—siehe das Paleo-Baby-Kochbuch des australischen Kochs Pete Evans oder damals, als deine Mitbewohnerin dich dazu gezwungen hat, diesen Cashew-„Käse" endlich zu probieren.

Also fassen wir das Ganze noch einmal in einer Sprache zusammen, die vielleicht auch die Vorbilder der Paleo-Anhänger verstehen: Haferflocken, Vollkorn, frische Früchte, Gemüse und Bio-Fleisch: GUT. Einer ernährungsphysiologisch fehlerhaften Diät zu folgen, um ein paar Kilos zu verlieren: SCHLECHT.