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Immer mehr gefälschte Spirituosen sind im Umlauf—die sind zwar billig aber lebensgefährlich

In Großbritannien steigt die Zahl gefälschter Spirituosen besorgniserregend schnell an. Vielleicht ist dein nächster Martini in London aus Farbverdünner oder Nagellackentferner gemixt, wer weiß.
Hilary Pollack
Los Angeles, United States
31.10.14
Photo via Flickr user Alisa Cooper

Schwarzgebrannter Alkohol ist nichts Neues. Moonshine gab es immer schon, in der jüngeren Geschichte Hamossy, Johns Daphne und Johnnie Worker Red Labial. Genau wie Uhren, Handtaschen und Schmuck haben teure Spirituosen dafür gesorgt, dass ein paar Betrüger mit einem minderwertigen Produkt in einer schnieken (allerdings ungeheuerlich falsch etikettierten) Flasche sich ein bisschen was dazuverdienen.

Gefälschte Spirituosen sind aber nicht nur ein Problem für den Markt—für den Konsumenten können sie mit dem Tod enden. 2007 verbot Russland sogar den Online-Verkauf von Alkohol, weil laut Securing Industry im Jahr zuvor 42 000 Russen an den Folgen des Konsums von gefälschten Spirituosen gestorben waren. (Russische Beamte haben vor wenigen Wochen das Verbot gelockert und mittlerweile ist der Verkauf von Alkohol über das Internet erlaubt, aber nur über zugelassene Shops und mit einigen anderen Einschränkungen.) Gerade vergangenen März wurden 14 Russen bei einem einzigen Vorfall mit gefälschtem Alkohol, den sie aus dem nahegelegen China gekauft hatten, tödlich vergiftet. Im Jahr 2012 starben in der Tschechischen Republik 26 Leute, nachdem sie gefälschten Rum und Wodka konsumiert hatten, der Methanol enthielt. Mindestens ein Dutzend weitere Personen erkrankten, erblindeten und erlitten Gehirnschäden. Die gefälschten Spirituosen werden oft mit Methanol (Holzgeist), Isopropylalkohol (wie im industriellen Zeug, das man verwendet, um Wunden zu desinfizieren oder medizinische Instrumente zu reinigen), Putzflüssigkeiten oder sogar Nagellackentferner und Frostschutzmittel gestreckt. Und weil diese Flüssigkeiten nicht reguliert sind, können sie weit über 50 Prozent Alkohol enthalten.

In letzter Zeit scheint Großbritannien von einer besonders schlimmen Epidemie dieses Zeugs befallen zu sein. Ein Bericht lieferte besorgniserregende Zahlen: Zwischen 2010 und 2012 wurden um 500 Prozent mehr gefälschte Spirituosen beschlagnahmt. Das liegt nicht nur an der allgemein regen Schwarzmarktaktivität—im gleichen Zeitraum sind die Zahlen im Bereich der Unterhaltungselektronik und der gefälschten Luxusgüter (wie Handtaschen und Kleidung) beträchtlich zurückgegangen. In den letzten zwei Jahren seit der Veröffentlichung dieses Berichts gab es zahlreiche weitere öffentliche Fälle von hunderten oder gar tausenden Flaschen von gefälschtem Alkohol, die in Geschäften in ganz Großbritannien verkauft worden waren.

Gerade letzte Woche kam es zu einigen nennenswerten Zwischenfällen. In Leicestershire wurden mehr als 400 Geschäfte gewarnt, nachdem eine Frau aus der Umgebung eine Flasche Glen's Wodka gekauft hatte und bemerkte, dass er stark nach Nagellackentferner schmeckte. Sie informierte die Behörden und der „Wodka" wurde daraufhin untersucht. Bei diesen Tests stellte sich heraus, dass das Getränk tert-Butanol enthält, eine häufiger Inhaltsstoff in Farbverdünnern und anderen Lösungsmitteln. Eigentlich hätte man das Etikett der Flasche schon als warnenden Hinweis betrachten sollen, das mit zahlreichen Rechtschreibfehlern gespickt war. Man hätte wahrscheinlich davon ausgehen können (oder sollen), dass es sich wohl nicht nur um ein paar faule Tippfehler handelt, die eben den Fabriksarbeitern unterlaufen waren. (Manche gefälschte Spirituosen werden jedoch in leere Flaschen gefüllt, die rechtmäßig von Marken produziert wurden, was es noch schwieriger macht, die Fälschungen zu erkennen und somit ein noch größeres Risiko für die Öffentlichkeit darstellt.)

Nur ungefähr 160 km entfernt in Walthamstow, London wurden in einem Shop names Pat's Mini Mart 164 Flaschen Wein, 15 Flaschen Whiskey und sechs Flaschen Wodka sichergestellt, die entweder gefälscht oder illegal eingekauft worden waren. Jetzt wurde ein Lizenzierungskommitee eingeschaltet, dass dem Laden das Recht, Alkohol zu verkaufen, entziehen könnte. In den Fällen von Walthamstow und Leicestershire gaben die Ladenbesitzer an, den gefälschten Alkohol von Männern erworben zu haben, die von Tür zu Tür gingen und ihre Waren verkauften.

Die Website Drink Aware hat zum Ziel, Konsumenten vor dem immer größer werdenden Problem gefälschter Spirituosen zu warnen. Es wird empfohlen, auf vier Faktoren zu achten, um gefälschte Produkte zu identifizieren und sich vor den gefährlichen Folgen zu schützen: der Ort, der Preis, die Verpackung das Produkt. Der Ort bezieht sich darauf, in einem richtigen Supermarkt einkaufen zu gehen, anstatt im heruntergekommenen Laden um die Ecke, der immer sehr verdächtige Angebote hat und wo die Dosen Wienerwürstchen auf dem Regal schon verstauben. Im Hinblick auf den Preis eines Produkts, sollte man sich eingestehen, dass es Angebote gibt, die einfach zu gut sind, um wahr zu sein. Außerdem ist eine vernünftige Wahrnehmung der Umgebung wichtig, damit ein gewisser Zweifel entsteht, wenn die Verpackung voller Rechtschreibfehler ist, keine Stempelgebühr, einen aufgebrochenen Verschluss oder einen zweifelhaften Strichcode hat. Produkte mit unkenntlichen Namen, verdächtigem Bodensatz oder mit einem eigenartigen Geschmack oder Geruch sollten vermieden werden.

Obwohl das für dich vielleicht nach gesundem Hausverstand klingen mag, hat wahrscheinlich fast jeder von uns irgendwann schon einmal russischen Wodka aus einer Plastikflasche getrunken. Wenn du also ein Schnäppchen landen willst, solltest du trotzdem sicher gehen, dass du dir nicht mit Farbverdünner die Kante gibst.