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Erstmals wurde aus einem fliegenden Flugzeug ein Film auf die Wolken projiziert

Nach drei Jahren Forschung ist Künstler Dave Lynch die Weltpremiere in der Troposhäre gelungen.
Foto: Screenshot YouTube

Ein grünes Laserpferd mit Reiter könnte der Beginn einer atemberaubenden Entwicklung sein: Werden wir schon bald aus dem Flugzeug heraus Filme auf den vorbeiziehenden Wolken schauen?

Wenn es nach Künstler Dave Lynch geht, schon. Nach drei Jahren Forschung schaffte er es jetzt mit Hilfe eines umgebauten Zoopraxiskops, aus einer fliegenden Cessna 172 heraus bewegte Bilder auf den Nachthimmel über Nottingham zu projizieren.

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Laut NewScientist war das Kinospektakel in der Troposphäre eine echte Weltpremiere, die Lynch gemeinsam mit Mike Nix, Chemiker an der University of Leeds, und dessen Kollegen Ben Whittaker realisierte und am 4. Juli im Leeds Museum präsentierte.

Die projizierten Bilder eines galoppierenden Pferdes stammen dabei von Fotograf Eadweard Muybridge, dem Erfinder des Zoopraxiskops. Das Projektionsgerät aus dem 19. Jahrhundert ist ein scheibenförmiges Stroboskop, das über eine Glühbirne Sequenzen von Einzelbildern auf eine Leinwand projiziert. Lynch tauschte die Glühbirne gegen einen Laser aus, um ausreichend scharfe Bilder zu erzeugen.

Nachdem er sich zunächst für 30 Euro einen 2-Watt-Laser auf Ebay gekauft hatte, wendete er sich dann an Nix und Whitaker, um bessere Ergebnisse zu erzielen. Da das ursprünglich von Muybridge entwickelte Schlitzsystem einen Großteil des Laserlichts schluckte, mussten sie die Schlitze durch Halbkugellinsen austauschen.

Die so projizierten Bilder waren hell genug, um sie auch auf den rund 50 Meter entfernten Wolkenoberflächen sichtbar zu machen. Lynch war auf die Idee der Wolkenprojektion erstmals im Jahr 2007 gestoßen, als er ein Paper über die Methoden der US Air Force im Vietnamkrieg gelesen hatte. Unter der Kategorie „nichttödliche Waffen" hatte das US-Militär damals über feindlichem Gebiet die Bilder antiker Gottheiten in die Wolken projiziert, um die von der Außenwelt abgeschnittenen Vietcong-Guerilla in Angst und Schrecken zu versetzen.

Nachdem Lynch ursprünglich geplant hatte, die Erkenntnisse seiner Forschungen als Open-Source-Material für andere Künstler und Aktivisten verfügbar zu machen, entschied er sich letztendlich doch dagegen: „Wir haben uns entschieden, kommerzielle Anfragen zu vermeiden. Wir wollen keine Logos und Social-Media-Promotion in den Wolken sehen. Wir alle haben eine besondere Beziehung zu den Wolken, wir schauen hoch und träumen. Dieses Projekt trägt seine Wurzeln in diesen Träumen und Hoffnungen."