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Der unergründliche Fress-Flash: die Wissenschaft hinter dem Kiffer-Heißhunger

Dass der Cannabiskonsum Fressmaschinen züchten kann, ist eine unabwendbare Realität. Doch auch Neurologen wissen nicht warum.
19.2.15

Jeder anständige Kiffer weiß Bescheid. Nach einem ordentlichen Zug am Joint ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch die Keksdose zum gemeinsamen Abhängen eingeladen wird. Doch, was steckt eigentlich hinter dem Heißhunger? Die exakten Abläufe in deinem Gehirn, die dich nach dem Cannabiskonsum in eine willenlose Fressmaschine verwandeln sind immer noch ein Mysterium.

Zahlreiche Wissenschaftler haben schon versucht zu erklären, warum dich die Aktivierung von Cannabinoid-1 (CB1)-Rezeptoren im Gehirn durch THC auf einen Futterfeldzug schicken. Der jüngste Versuch wurde von Forschern der University of Yale School of Medicine unternommen, die herausfanden, dass die Stimulation von CB1-Rezeptoren in Mäusen Neuronen aktivierten, die normalerweise hungerstillende Chemikalien freisetzen und sie nun Hunger spüren ließen.

„Die Frage war: Wie kann ein Neuron, das eine Minute zuvor noch deinen Appetit unterdrückt hat, plötzlich zu einem Hungerauslöser werden?", sagte Tamas Horvath, einer der Autoren des ​Paper, welches gestern in Nature veröffentlich wurde. „Wir fanden heraus, dass die Neuronen, die normalerweise ein Sättigungsgefühl hervorrufen nach dem Cannabiskonsum jedoch ein Opioid-Peptid freisetzen, welches ein Hungergefühl unterstützt. So einfach ist das."

Das klingt ehrlicherweise, nach einer etwas seltsamen und zu einfachen Erkenntnis, angesichts der unergründlichen Unendlichkeit eines amtlichen Fress-Flashs. Und so stellen die neuesten Erläuterungen auch nicht den einzigen Ansatz dar, den die geballte Wissenschaft über die Jahre zu dem Phänomen entwickelte.

Eine andere aktuelle Studie nimmt beispielsweise an, dass CB1-Rezeptoren die sensorische Wahrnehmung steigern und dem Essen ​einen unwiderstehlichen Geruch verleihen. Eine ​Studie aus dem Jahr 2005 legt nahe, dass die CB1-Rezeptoren den Appetithemmer Leptin blockieren. Und der Fressflash soll nun ernsthaft eine Auswirkung dieser Effekte sein? Oder eine Kombination aus ihnen? Was in aller Welt geht in deinem drogenbeeinflussten Gehirn eigentlich vor sich?

„Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung", sagte Horvath und lachte. „Vielleicht sind wir auf einen Aktivator für cannabisinduzierten Hunger gestoßen, der bisher noch nicht untersucht wurde, aber für weitere Bestätigungen müssen wir noch etwas warten. Es könnte noch viel komplizierter sein, doch wenn es um Essen geht, ist es manchmal auch wesentlich einfacher als die meisten Menschen annehmen. Es gibt eine Menge Literatur und tausende von Untersuchungen, die sich mit solchen Themen beschäftigen."

Die Arbeit von Horvath und seinen Kollegen könnten durchaus ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einer Erleuchtung bezüglich der neurologischen Effekte des Haschkonsums sein. Doch ohne weitere Bestätigungen, können die aktuellen Ergebnisse noch nicht als vollkommen überzeugend gelten. Das Gehirn ist voller Geheimnisse und Wissenschaftler wie Kiffer können gleichermaßen bezeugen: Die Realität ist durch Marihuanakonsum nicht unbedingt einfacher zu begreifen.