Mit diesen Psychotricks stählen FBI-Agenten ihren Willen
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Mit diesen Psychotricks stählen FBI-Agenten ihren Willen

Von Zielsetzung bis Lernspaß: gute Ratschläge aus dem FBI-Selbsthilfebuch.
17.9.15

Bild: Wikimedia , FBI Photos | Public Domain

Na, heute morgen schon wieder nicht aus dem Bett gekommen? Das wäre einem disziplinierten FBI-Agenten garantiert nicht passiert. Er wäre jetzt schon in geheimer Mission unterwegs und würde selbst im strömenden Regen an einer Hausecke ausharren, bis eine verdächtige Person um die Ecke biegt. Doch der eiserne Wille ist auch dem Staatsbeamten nicht zwingend in die Wiege gelegt worden. Viel mehr profitiert seine Belastbarkeit und Standfestigkeit von der richtigen Auswahl förderlicher psychologischer Trainingsmaßnahmen.

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LaRae Quy hat sich nach erfolgreicher 23-jähriger FBI-Undercover-Karriere der Vermittlung dieser Fertigkeiten verschrieben. Wer sie nicht gleich persönlich buchen möchte und eh schon genug Bücher im Regal stehen hat, bekommt hier einen kleinen gratis Motherboard-Lehrgang in FBI-Psychotricks. Wenn ihr diese Methoden auf euer eigenes Leben anwendet, dann könntet ihr euren Alltag schon bald besser auf die Reihe bekommen und vielleicht sogar die Karriereleiter ein paar Stufen hochklettern (think big!).

Das Schlimmste zuerst

Leute, die sich die Sahne auf dem Wackelpudding oder die Marzipanverzierung des Kuchens bis zum Schluss aufbewahren, haben möglicherweise auch im Alltag den stärkeren Willen. Im Psychotraining der Supercops heißt das allerdings, nimm dir die unangenehmste oder schwierigste Aufgabe, die du für dein Ziel erledigen musst, bereits am Morgen vor. Denn in der Frühe ist deine mentale Kraft am stärksten. Nach dem Mittagessen kannst du dir dann also die etwas netteren Dinge vornehmen.

Vergiss nie das „Warum"

FBI-Agenten stehen nicht drei Stunden im Regen und ärgern sich schwarz, weil sie schon wieder den blödesten Job des Tages bekommen haben. Das würde lediglich zu Frustration und schlechter Laune führen.

Der erfolgreiche Ermittler weiß genau, was er tut und vor allem warum. Bevor du also eine Sache in Angriff nimmst, überlege erst einmal, aus welchem Grund du das tust und warum es wichtig für dich ist. Sobald du den Sinn und damit auch den Wert hinter den Dingen erkennst, kann dich nämlich nichts mehr aufhalten.

Konzentration, Baby!

Nachdem du jetzt also weißt, was dich antreibt, halte dir dein Ziel vor Augen und lasse es nicht mehr los. Vergiss die Sorgen und alles, was dich von deinem Weg abhalten könnte. Je stärker du dich auf das Ergebnis konzentrierst, desto klarer wird sich auch der Weg dorthin gestalten.

Um das Ziel auf dem Weg dorthin jedoch nicht zu einer vagen Größe verschwimmen zu lassen, die irgendwann am Sanktnimmerleinstag erreicht wird, formuliere konkret: Unklarheit minimiert deine Erfolge. Anstelle von „Ich stehe morgen etwas eher auf" ist ein „Ich stehe um 7:20 Uhr auf" wesentlich einfacher umzusetzen (vielleicht nicht im Verhalten, aber strategisch auf jeden Fall).

Bild: imago/ UPI Photo

Sensibilisierung—nicht nur für Weicheier

Ein FBI-Ermittler darf kein narzisstischer Schönling sein, sonst würde er es nicht weit bringen als kühner Hund mit eisernem Willen und einer stahlharten Belastbarkeit. Der erfolgreiche Ermittler verfügt über die perfekte Mischung aus den einfühlenden Skills eines Psychologen mit Schauspielausbildung. Was herrscht hier gerade für eine Stimmung im Raum, was mag die Dame im grauen Kostüm wohl in ihrer Freizeit machen und wo kommt der gelackte 1,90m-Typ in weißen Slippern gerade her? Das sind Fragen, die du dir von nun an stellen solltest.

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Doch natürlich geht es nicht nur darum, andere einzuschätzen, sondern auch, sich selbst gut zu kennen. Niemand, der sich nicht über seine eigenen Handlungen im Klaren ist und sich in Extremsituationen nicht von seinen Gefühlen übermannen lässt, wird sich auf Dauer erfolgreich in gesellschaftlichen Kreisen bewegen und behaupten können. (Es sei denn, er ist ein Choleriker vor dem aus Angst gebuckelt wird. Aber wer träumt schon von sowas?!)

Lässt du dich also auf dich selbst ein, erkennst deine innersten Verhaltensweisen und entwickelst gleichzeitig eine sensible Wahrnehmung für dein Umfeld, steht deinem strategischen Vorgehen in Bezug auf dein Traumziel kaum noch etwas im Weg. Besonders erfolgreich zeigt sich dieses empfindsame Vorgehen im Kontakt mit Einzelpersonen.

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LaRae Quy selbst schreibt auf ihrer Website, sie kenne ihre Gesprächspartner nach einem einmaligen Treffen oft besser als diese sich selbst.

Durchbreche deine Grenzen

Eines der vielen Mottos von Ex-Agent Quy lautet: Gewöhne dich an unbequeme Situationen. Eine durchschlagende Willenskraft entsteht schließlich nicht auf dem weichen Sofa, sondern aus dem Überwinden der immer wieder bis zum Erbrechen zitierten Komfortzone. 1000 mal gehört, 1000 mal ist nicht passiert? Dann solltet ihr endlich dem aggressiven Hundefreund von nebenan sagen, dass er seinen unerzogenen haarigen Kumpel bitte in die Tierschule bringen soll.

Und genauso sind auch Veränderungen mit einem freundlichen Handschlag zu begrüßen, anstatt sich ängstlich zu verkriechen. Ein Umzug, ein neuer Job, selbst das Ende einer Beziehung sehen FBI-Ermittler als Herausforderung und handeln frei nach der Maxime „was dich nicht umbringt, macht dich nur stärker".

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Auch wenn die Floskeln an dieser Stelle kein Ende zu nehmen scheinen, steckt selbst in dem scheinbar dümmsten Lebenshilfe-Klischee ein bisschen Wahrheit und die Agenten sind viel zu klug, diese nicht zu erkennen. Das bedeutet aber auch, anstatt wunderheilende Postkarten und Posts zu verschicken, einfach mal das eigene Leben in Bezug auf den schlauen Spruch zu überdenken.

Hab Spaß am Lernen

Diese Erkenntnis schließt sich direkt an die vorherige an und ist ein weiterer zentraler Punkt in der Erarbeitung eines starken Willens. Wenn etwas nicht geklappt hat, dann funktioniert es vielleicht beim nächsten Mal. Lass dich nicht entmutigen, kein Agent setzt sich schmollend in die Ecke, wenn das kriminelle Subjekt ihm zum zehnten Mal haarscharf durch die Lappen gegangen ist.

Wahre Stärke entsteht, wenn du dich nicht bremsen lässt, sondern dich beim 20. Mal endlich freuen kannst, den Täter geschnappt zu haben. Fehler sind dazu da, um aus ihnen zu lernen—auch das FBI profitiert von solchen scheinbar billigen Psychomotiven.