Weinkauf

Jeder kauft Wein eigentlich nur nach Etikett

Bekommst du vor dem Weinregal auch regelmäßig Panikattacken und Schweißausbrüche, weil du einfach nicht weißt, welchen Wein du nehmen sollst? Gehst du in deiner Verzweiflung einfach nur nach dem Aussehen der Flasche oder des Etiketts? Keine Angst, du...
Hilary Pollack
Los Angeles, United States
18.4.16

Fühlst du dich vor dem Weinregal auch immer so beschissen, wenn du dich zwischen einem Sauvignon Blanc für 10 Euro, einem Chablis für 20 Euro und einem Vouvray für 15 Euro entscheiden musst? Panikattacken? Schweißausbrüche?Schämst du dich auch dafür, dass du in deiner verzweifelten Lage einfach nach dem Etikett gehst? Hauptsache es sieht edel aus, auch wenn du keinen blassen Schimmer hast, wie der Wein eigentlich schmeckt.

Du fühlst dich allein, niedergeschlagen, wie ein Versager. Aber keine Sorge, wir alle machen das.

Immerhin bist du gerade bei MUNCHIES, du hältst dich also zumindest für ein bisschen versierter in Sachen Wein als der durchschnittliche Konsument, der sich auch mit Billigwein zufrieden gibt.Vielleicht stimmt das, vielleicht auch nicht. Wie allerdings Wine.net berichtet, verlassen sich die meisten von uns bei ihrer Weinauswahl eh nur auf das Etikett.

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Die Website hat 2.000 Weintrinker zu ihren Kauf- und Trinkgewohnheiten befragt. Teilnehmer sollten zwischen drei verschiedenen Flaschen Weiß- bzw. Rotwein wählen. Außer einem Bild jeder Flasche hatten sie keine weiteren Informationen.

Das hier waren die Rotweine:

Und das hier die Weißweine:

Die Befragten sollten also einen Wein auswählen und wurden nach den Faktoren gefragt, die für sie bei der Auswahl eines Weines am wichtigsten waren: War es das Etikett, die Form der Flasche oder wie teuer der Wein aussah? Ging es darum, ob man den Wein schon kannte, also die Sorte oder das Anbaugebiet?

In 82 Prozent der Fälle gaben die Teilnehmer an, dass sie bei ihrer Entscheidung nach dem Etikett gingen. Der Lieblingswein war übrigens bei beiden Sorten die Nummer 2. Scheint so, als würden die Menschen doch wohl vom Schein angezogen werden, wie Motten bevorzugt ins Licht fliegen—oder eben in diesem Fall von knalligen Farben oder Schmetterlingen.

65 Prozent der Befragten wählten den Wein nach dem „vermuteten Preis" aus—oder anders gesagt, sie wählten den Wein, der am teuersten aussah. Die zur Auswahl stehenden Sorten bewegten sich zwischen 10 und 150 Dollar [umgerechnet zwischen rund 8,80 und 130 Euro], aber die meisten Käufer beziehen sich bei ihrer Entscheidung auf bestimmte visuelle Signale mit Bling-Bling-Effekt.

„Egal wie viel ein Wein tatsächlich kostet, Flaschen mit bestimmten Merkmalen—zum Beispiel Etiketten mit besonderer Prägung, Gold, tollen Grafiken oder einer ausgefallene Schriftart—scheinen teurer auszusehen", heißt es bei wine.net. „Und wenn man schnell auf den letzten Drücker für seine Dinner-Party oder als Geschenk einen Wein braucht, greift man gern eine elegant und teuer aussehende Flasche."

Hinter Etikett und der vermuteten Preisklasse kam das Weinanbaugebiet als dritter Aspekt, immerhin in 58 Prozent der Fälle, sowie Form und Farbe der Flasche, die für 53 Prozent der Befragten wichtig waren.

Aber im Weinladen selbst kommt auch noch das Geschlecht als entscheidender Faktor hinzu. Bei Frauen gibt es keine klare Präferenz für Rot- oder Weißwein, 67 Prozent der Männer hingegen entscheiden sich für einen Roten. Rotweintrinker betrachten sich zudem als die besseren Weinkenner und hauen schon mal mehr Kohle für eine Flasche auf den Kopf.

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Du musst dich also nicht schlecht dafür fühlen, dass du dir die Flasche mit dem coolen Etikett ausgesucht hast. Dein Date hätte es wahrscheinlich genauso gemacht. Allerdings: Wenn du im Restaurant vor der Weinkarte sitzt, hast du damit quasi die Arschkarte.