Whisky

Dieser Psychologe hilft dir dabei, den Whisky zu finden, der zu dir passt

Für diejenigen, denen durchprobieren zu langweilig ist.
1.9.16
Dr. Adam Moore. Photo courtesy of The Scotch Malt Whisky Society.

Die Scotch Malt Whisky Society will, dass du endlich einen Whisky findest, der einfach zu dir passt, der deine Persönlichkeit perfekt widerspiegelt. Dafür haben sie sich mit Psychologe und Forscher Dr. Adam Moore von der University of Edinburgh zusammengetan und einen Persönlichkeitstest entwickelt, mit dem du endlich den Whisky deiner Träume findest.

Der psychometrische Persönlichkeitstest—online verfügbar bei Flavour Behaviourbeinhaltet 35 Fragen, die dir dabei helfen, die zur passende Whiskykategorie zu finden. Magst du es eher „leicht torfig"? Oder passen zu deiner Persönlichkeit eher „würzige und trockene" Whiskys? Warum solltest du dein Glück mit irgendeinem Whisky probieren, wenn es doch da draußen einen Whisky gibt, der genau zu deinen Ecken und Kanten passt?

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Wir wollten natürlich mehr darüber erfahren und haben uns bei Dr. Moore erkundigt, wie der Test entwickelt wurde und was er uns verrät.

MUNCHIES: Herr Dr. Moore, wie ist die Zusammenarbeit mit der Scotch Malt Whisky Society (SMWS) und Flavour Behaviour zustandegekommen? Dr. Moore: Sie sind an mich herangetreten und wollten wissen, ob man mit psychologischen Methoden die Whiskyvorlieben eines Menschen voraussagen kann. Ich habe viel zum Urteilen und Entscheiden geforscht, aber bisher noch nicht in Bezug auf bestimmte Nahrungsmittel oder Getränke. Die SMWS schlug einen Persönlichkeitstests vor. Ich meinte zu ihnen, dass ich ehrlich gesagt noch nie darüber nachgedacht hatte und nach einer kurzen Recherche musste ich feststellen, dass das bisher noch niemand versucht hat. Ich fand das also wirklich interessant.

Sie nutzen in Ihrem Projekt das Big-Five-Modell. Können Sie dieses Modell in einfachen Worten erklären? Seit mehreren Jahrzehnten beschäftigen sich Forscher mit verschiedenen Wegen, um die grundlegenden Persönlichkeitsmerkmale zu messen. Eines der führenden Modelle besagt, dass wir fünf Persönlichkeitsfaktoren haben: Offenheit für neue Erfahrungen, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus. Das sind die fünf grundlegenden Merkmale unserer Persönlichkeit, natürlich gibt es auch noch zahlreiche andere Aspekte, aber diese fünf stehen im Zentrum der Persönlichkeit.

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Wie haben Sie die Fragen für den Test ausgewählt? Wir haben mit den Fragen angefangen, die sich in anderen psychometrischen Testszur Messung der Faktoren bewährt haben. Damit der Online-Test natürlich wissenschaftlich fundiert, aber auch kurz und unterhaltsam ist, sodass die Teilnehmer Spaß haben, haben wir den kompletten Persönlichkeitstest auf einige kürzere Fragen verkürzt, die aber immer noch die Ausprägung jedes Faktors bestimmen können. Wir haben sie ein bisschen abgewandelt, damit sie etwas lustiger sind.

Woher wissen Sie, dass die Menschen auch ehrlich antworten? Das ist immer ein Risiko bei solchen Tests. Bei einem kompletten Persönlichkeitstest stellen wir Fragen in abgewandelter Form mehrmals, sodass wir überprüfen können, ob die Teilnehmer immer gleich antworten. Bei diesem speziellen Test wollten wir nicht, dass man eine Stunde lang vor dem Computer sitzen muss—das macht einfach keinen Spaß—, also müssen wir einfach darauf vertrauen, dass die Teilnehmer das Thema so sehr interessiert, dass sie auch ehrlich antworten.

SMWS Dr Adam Moore 3

Dr. Adam Moore. Foto mit freundlicher Genehmigung der Scotch Malt Whisky Society

Wie viele verschiedene Whiskys gibt es in dem Test und wie passen sie zu den Persönlichkeitsfaktoren? Wir haben dafür zuerst die Geschmacksprofile der Whiskys bestimmt. Dann haben wir geschaut, welche Parallelen es zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und der Vorliebe für bestimmte Geschmacksprofile gibt. Darauf aufbauend konnten wir dann einen Algorithmus entwickeln, der diese Verbindungen berücksichtigt. Basierend darauf, welche Merkmale bei den Teilnehmern am ausgeprägtesten sind, empfehlen wir dann einen Whisky.

Haben Sie den Test gemacht? Hat Sie das Ergebnis überrascht? Der Algorithmus hat mir ein Geschmacksprofil empfohlen, dass ich noch nie probiert hatte. Dadurch habe ich neue Whiskys entdeckt, die mich überrascht haben—und die mir auch gefallen haben.

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Ich habe gelesen, dass geschmackliche Vorlieben bisher am wenigsten erforscht sind. Warum? Verglichen mit dem, was wir über das Sehen und das Hören wissen, wissen wir nur wenig darüber, warum Menschen ein bestimmter Geschmack gefällt. Deshalb fand ich es auch eine interessante Möglichkeit, um herauszufinden, ob bestimmte Persönlichkeitsmerkmale in Verbindung zu geschmacklichen Vorlieben stehen. Bisher wurden diese Merkmale noch nicht genutzt, um den Geschmack, sondern eher um das Verhalten in sozialen Situationen vorauszusagen. Und es scheint, als gäbe es diese Verbindung.

Gab es bei den Ergebnissen des Tests große Überraschungen? Ja, ich habe für mich ein paar Annahmen getroffen, basierend auf meiner Intuition, denn genau da muss man anfangen, wenn es keine wissenschaftlichen Beweise gibt. Und sie haben sich fast alle als falsch herausgestellt. Ich will nicht spoilern, aber es hat mich schon überrascht, dass, je stärker ein bestimmtes Persönlichkeitsmerkmal ausgeprägt ist, desto weniger bevorzugen sie bestimmte Whisky-Typen. Das habe ich nicht erwartet, aber das ist auch das Schöne an der Wissenschaft: Es gibt immer Überraschungen.

Ich habe gelesen, dass die CIA Persönlichkeitstests zur Personalgewinnung nutzt: Sie suchen Bewerber, die extrovertiert, intuitiv und urteilsfähig sind. Können Sie mir darauf basierend sagen, welcher Whisky einem CIA-Spion gefallen würde? Ich weiß zwar nicht, wie sie beispielsweise intuitiv beurteilen, das ist streng genommen kein Persönlichkeitsmerkmal, aber grob würde ich sagen, dass so eine Person, wenn man nach dem Algorithmus geht, einen süßen, fruchtigen und milden Whisky bevorzugt. Das hängt allerdings davon ab, ob die Extraversion am stärksten ausgeprägt oder gleichauf mit den anderen ist. Je nachdem, wie stark die Merkmale ausgeprägt sind, berechnet der Algorithmus anders.

Dr. Moore, vielen Dank für das Gespräch.