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Wie es sich anfühlt, das Coronavirus zu haben – und wieder gesund zu werden

Park Hyun sagt, er sei "bescheuert selbstsicher" gewesen, dass er das Virus nicht bekommt.

von Lia Savillo und Junhyup Kwon
18 März 2020, 10:00am

Fotos mit freundlicher Genehmigung von Park Hyun

Das Coronavirus breitet sich zunehmend aus. Bislang wurden weltweit 198.193 Menschen infiziert, 7.954 sind daran gestorben. Wenn du diesen Artikel liest, werden diese Zahlen wieder veraltet sein.

Südkorea ist besonders stark betroffen. Die Krankheit hat dort für große Verunsicherung gesorgt. Und das, obwohl die Regierung es geschafft hat, die Sterberate auf einem Minimum zu halten und die allermeisten Infizierten wieder genesen.

Auch Park Hyun ist wieder gesund. Um andere zu größerer Achtsamkeit im Umgang mit dem Coronavirus anzuhalten, hat der 48-jährige Südkoreaner mehrere Facebook-Posts über seine Erfahrung mit der Krankheit verfasst.

"Das wird für einige Zeit vielleicht mein letzter Post sein, weil ich mich weiter darauf konzentrieren muss, meinen Körper von den Schäden des Virus und den Nebenwirkungen der Medikamente zu erholen", schrieb er in seinem bisher letzten Post am 8. März, in dem er seine Erfahrungen als Corona-Patient schildert.

In seinem Beitrag schrieb Park, dass er sich mit dem Coronavirus angesteckt hatte, obwohl er ein gesundes Leben führte. Fünfmal die Woche sei er ins Fitnessstudio gegangen, habe sich regelmäßig die Hände gewaschen und sogar übermäßig Hand-Desinfektionsmittel benutzt. Außerdem habe er in einer Virus-freien Gegend gelebt. Das Alles brachte den Südkoreaner nach eigenen Angaben dazu, eher nachlässig mit den Vorkehrungsmaßnahmen umzugehen. Park beschreibt sein Verhalten vor der Erkrankung als "bescheuert selbstsicher". Das Folgende hat er über den Ablauf seiner Erkrankung geschrieben.

Die Symptome

Es begann am Freitag, dem 21. Februar, mit leichten Halsschmerzen und trockenem Husten, schreibt Park. "Das ist normal, wenn mir das trockene Winterwetter zusetzt."

Er dachte, mit reichlich Wasser wäre die Sache schnell wieder erledigt. Am gleichen Tag wurde in seiner Heimatstadt Busan der erste Corona-Fall bestätigt. Bald spürte Park Druck auf seiner Brust, der tagelang anhielt. Drei Tage nach dem Einsetzen der ersten Symptome konnte er nicht mehr richtig atmen.

Park rief den Coronavirus-Notruf an, aber kam nicht durch. Also versuchte er es beim örtlichen Gesundheitsamt. Dort teilte man ihm mit, dass die Wahrscheinlichkeit, das Virus zu haben, äußerst gering sei. Erst nach dem dritten Anruf wurde er zum Test zugelassen.


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Der Test

Als Park im Krankenhaus ankam, warteten dort schon viele Menschen. "Es gab eine lange Schlange, obwohl es früh am Morgen war", schreibt er.

Man sagte ihm, er müsse sich auf vier Stunden Warten einstellen. Nach 30 Minuten in der Schlange hatte Park allerdings wieder Atemprobleme, fiel in Ohnmacht und schlug hart mit dem Kopf auf dem Boden auf. Als die Ärzte seine Wunde behandelten, testeten sie ihn auch auf das Virus.

Danach begab sich Park in sein Zimmer in Selbstquarantäne, wartete auf die Ergebnisse und informierte alle, mit denen er in den vorigen Tagen Kontakt hatte, über die mögliche Infektion.

Die Diagnose

Am Dienstag, dem 25. Februar, erhielt Park eine Nachricht, dass der Test negativ sei. Doch gerade, als er sich in Sicherheit wähnte, bekam er einen Anruf vom Gesundheitsamt. Man habe ihm die falsche Nachricht geschickt, er sei tatsächlich mit dem Coronavirus infiziert. Park müsse jedoch 24 Stunden warten, bis er ins Krankenhaus kann, weil alle Zimmer in der Quarantäne-Abteilung belegt seien.

Ein paar Stunden später rief eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung an und fragte Park, wo er sich an den vergangenen Tagen aufgehalten habe und mit welchen Personen er Kontakt gehabt habe. Als die Frau erkannte, wie schlecht Parks Zustand war, bewirkte sie eine schnelle Einweisung ins Krankenhaus.

Gegen Mitternacht am gleichen Tag wurde Park in einen Unterdruckraum auf der Quarantänestation der Notaufnahme gebracht. Dort wurde er untersucht, bekam Medizin und Sauerstoff.

Wie es sich anfühlte

"Ich konnte ein bisschen besser atmen, aber es fühlte sich an, als würde eine schwere Metallplatte auf meiner Brust liegen", erinnert sich Park. "Meine Brust und mein Magen brannten von der Medizin."

Sein Zustand schwankte, aber verbesserte sich allmählich. Die Nebenwirkungen der Medikamente waren die ersten beiden Tage noch sehr schlimm, aber sein Körper gewöhnte sich an sie. Er hatte auch keine Wahl, denn bislang gibt es kein spezielles Mittel gegen das Coronavirus. Neben den körperlichen Beschwerden machte die Isolation auch seiner Psyche zu schaffen.

Die Genesung

An seinem achten Tag im Krankenhaus konnte das Virus bei Park nicht mehr nachgewiesen werden und seine Medikamente wurden abgesetzt. Auch am Tag darauf war der Coronatest negativ – Park schien wieder gesund zu sein.

An Tag neun wurde er aus dem Krankenhaus entlassen. Dennoch sollte er weitere 14 Tage zu Hause in Quarantäne verbringen, weil einige Patienten rückfällig geworden waren.

Park geht es laut eigenen Angaben inzwischen viel besser, aber er sagte VICE, dass seine Erholung von der Krankheit immer noch im Mittelpunkt stehe. Auch wenn manche Menschen ihn und seine Familie beschuldigt hätten, ihre Gemeinschaft in Gefahr gebracht zu haben, habe Park vor allem gute Erfahrungen gemacht. Krisenzeiten brächten das Beste in vielen Menschen hervor, sagt er.

"Als die Nachbarn meiner Mutter davon hörten, dass ich nach meiner Entlassung aus dem Krankenhaus in einem Zimmer in Quarantäne war, haben sie Essen an die Türklinke gehängt. Ich habe das wirklich zu schätzen gewusst", sagt Park.

Er rät Menschen, ihre Körper nicht zu sehr zu beanspruchen und Menschenansammlungen zu meiden. An diejenigen, die bereits mit dem Virus infiziert sind, hat er folgende Nachricht:

"Bleib so positiv wie möglich. Iss, trink und schlaf gut. Lies keine verwirrenden Artikel oder Posts. Vertrau deinen Ärztinnen und Ärzten und erhole dich. Mache dir nicht zu viele Sorgen um deine Freunde und Familie, die in deinem Umfeld waren. Sie sind stark."

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