Migranten schneiden sich in Aubervilliers bei Paris die Haare
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Politik

Fotos: So leben Geflüchtete in einem besetzten Haus in Paris

Fotograf William Keo hat das Leben im Migrantencamp in einem Pariser Banlieue dokumentiert.
22 Januar 2020, 11:45am

Aubervilliers ist ein Pariser Vorort im nördlichen Département Seine-Saint-Denis. Ein paar hundert Migrantinnen und Migranten halten dort ein verlassenes Gebäude an einem Kanalufer besetzt. Laut der Menschenrechtsorganisation France Terre d'Asile, die sich für Asylsuchende einsetzt, leben momentan etwa 2.500 Migrantinnen und Migranten im Gebiet der französischen Hauptstadt auf der Straße. Die Zahl ist damit so hoch wie lange nicht mehr. Ich wollte mir selbst einen Eindruck davon machen und bin nach Aubervilliers gefahren. Was ich dort sah, war viel schlimmer, als ich mir vorgestellt hatte.

Hunderte Männer, Frauen und ein paar Kinder lebten unter furchtbaren und unhygienischen Umständen. Das besetzte Gebäude war dunkel und überbelegt. Als ich dort ankam, beteten ein paar Menschen in einer Ecke, andere kochten Fisch oder lagen auf Matratzen und schauten auf ihre Handys. Die meisten stammten aus Westafrika und fast alle sprachen Französisch. Einige arbeiteten für Deliveroo und hatten nicht viel über ihre Familien oder ihre alarmierende Lage zu erzählen. Andere hatten große Träume, sie wollten zum Beispiel Profifußballer werden. Von ihrem neuen Zuhause aus konnten sie das Dach des Stade de France sehen, dem Nationalstadion.


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Viele hatten alles zurückgelassen und große Strapazen auf sich genommen, um in Europa ein besseres Leben zu finden. Hier angekommen merkten sie allerdings, dass die Situation in Frankreich für sie kaum besser ist. "Ich bereue es, hergekommen zu sein", sagte ein Mann während meines Besuchs. "Mein Bruder ist für das hier gestorben. In der Wüste bin ich fast ums Leben gekommen, bin durch Kriegsgebiete gezogen nach Libyen. Ich bin fast ertrunken."

Mit der Hilfe von Ummannity, einer Hilfsorganisation, die sie seit einiger Zeit unterstützt, versuchen diese Menschen, ein normales Leben zu führen und Asylanträge zu stellen. Ich habe ihr Leben in dem Haus für das Projekt Lost Paradise dokumentiert.

Im Innenhof des Squats

Wäsche trocknet im Inneren des Gebäudes und macht die Luft schwül

Einige schlafen neben dem Eingang. Eine Heizung gibt es nicht

Während des Ramadans, einige beten nach dem Fastenbrechen

Ein Geflüchteter schaut vor dem Schlafen noch einmal auf sein Handy.

Menschen vor dem Squat

Die Bewohner schauen ein Fußballspiel

Ein Abend im Squat

Einige arbeiten als Lieferanten für Deliveroo

Mehr Arbeiten von William findest du auf seiner Website oder bei Instagram.

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