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US-Waffenfans feiern einen Mann, der sich selbst in die Eier geschossen hat

In den USA ist es gerade anscheinend angesagt, sich eine geladene Pistole in den Schritt zu halten.
19 August 2020, 3:30am
Drei Fotos von Männern, die mit ihren geladenen Waffen auf ihren Penis zielen. Damit wollen die Macher Leute ärgern, die einen verantwortungsvollen Ugang mit Waffen propagieren
Screenshots von Userbeiträgen in Facebook-Gruppen

Unter einigen US-amerikanischen Waffenfans ist es gerade total in, mit einer geladenen Waffe auf den eigenen Schwanz zu zielen und ein Foto davon im Internet zu posten. Es war nur eine Frage der Zeit, bis das in die Hose geht.

Ein Mitglied der Facebook-Gruppe "Loaded Guns Pointed at [B]enis”, in der es ausschließlich um solche Bilder geht, hat sich am 11. August bei der bescheuerten Aktion in die Eier geschossen. Das bestätigen blutige Fotos und Videos des Vorfalls sowie das Büro des zuständigen Sheriffs. Anstatt den Vorfall zum Anlass zu nehmen, kurz in sich zu gehen und den Trend zu überdenken, machte die Gruppe den Unglücklichen zum Admin und feiert ihn in Memes.

In dem Video filmt der Mann, wie er erst die Waffe entriegelt und sich dann die geladene Pistole in den Schritt hält. Einen Moment später löst sich ein Schuss.

Das Video und der zugehörige Thread wurden in der Gruppe gelöscht – allerdings nicht bevor mehrere Mitglieder den Beitrag speicherten und auf anderen Seiten hochluden.


VICE-Video: DIY-Waffen


"Hey [b]ois, ich hab's möglicherweise verkackt", schrieb der Mann, der sich selbst in die Eier geschossen hatte. Dazu postete er ein Foto mit einem weißen Handtuch zwischen seinen Beinen und Blutspritzern auf dem Teppich. In der Ecke liegt ein verknitterter Ausdruck der Verfassung der Vereinigten Staaten.

Das Malheur hielt den Mann jedenfalls nicht davon ab, weiter zu posten. "Kein Witz. Ich habe mich gerade selbst angeschossen", kommentierte er sein eigenes Foto. "Gottes Kaliber [.45] ist durch meinen Hodensack, Matratze, Boxspringbett und Boden gegangen", schrieb er. Erst war er noch von einem Streifschuss ausgegangen, ein Krankenhausbesuch belehrte ihn eines Besseren.

In seinem letzten öffentlichen Post liegt der Mann in grüner Krankenhauskleidung auf einer Liege. Er trägt eine pinke Gesichtsmaske und er zeigt mit dem Finger wie mit einer Pistole auf seinen Schritt. "Wie sich herausstellte, war es nicht nur ein Streifschuss. Die Kugel ist richtig durch mich durch", schrieb er. "Was ich für zwei Streifwunden hielt, waren die Ein- und eine Austrittswunde."

Der Betroffene reagierte nicht auf eine Interviewanfrage, aber ein Admin der Gruppe schrieb, dass es ihm gut gehe. "Er ist zu 100 Prozent OK. Er ist sogar am nächsten Tag wieder arbeiten gegangen", schrieb ein Admin von Loaded Guns Pointed at [B]enis in einer Facebooknachricht. "Wir bezeichnen ihn jetzt als König, weil der arme Kerl sich schon selbst angeschossen hat. Ich finde nicht, dass er dafür noch weiter bestraft werden muss. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er seine Lektion gelernt hat, ohne von der ganzen Welt als Idiot bezeichnet zu werden."

Das San Diego Police Department, in dessen Zuständigkeitsbereich der Mann laut Facebook lebt, sagte VICE, dass es am 11. August um 20:30 Uhr wegen einer selbst zugefügten Schussverletzung in ein Krankenhaus gerufen worden war. Als die Beamten eintrafen, sei der Mann aber bereits wieder weg gewesen. Der Betroffene selbst postete das Foto aus dem Krankenhaus um 20:24 Uhr.

Um den idiotischen Zwischenfall überhaupt zu verstehen, beziehungsweise warum so viele Typen Fotos von sich posten, in denen sie sich Waffen an den Schniedel halten, muss man den Streit verstehen, der in den USA die Community von Waffennarren spaltet.

Die sogenannte "Trigger Discipline", also der disziplinierte Umgang mit dem Abzug, ist eins der grundlegenden Sicherheitskonzepte, das Menschen beim Umgang mit Feuerwaffen eingeprügelt bekommen. Will heißen: Du lässt die Finger vom Abzug, bis du schussbereit bist; du richtest die Waffe niemals auf dich oder andere, wenn du die Person nicht erschießen willst. Um verantwortungsbewussteren Waffenbesitzern ans Bein zu pissen, haben sich Online-Trolle einen Spaß daraus gemacht, eine geladene Pistole mit dem Finger am Abzug auf ihren Schritt zu richten.

Loaded Guns Pointed at [B]enis hat den Schützen inzwischen zu einem Admin gemacht. In Memes wird er als ihr König gefeiert. Ein Screenshot vom vermeidbaren Unfall dient jetzt als Gruppenbild.

"Wir sind es leid, als Waffenbesitzer verteufelt und mit Rechten in einen Topf geworfen zu werden", schrieb einer der Admins zu VICE. "Wir haben die Schnauze voll, dass Republikaner, zum Beispiel die NRA, uns sagen, was wir mit unserem Eigentum machen sollen. Und wir haben die Schnauze voll, dass man uns sagt, wir seien gegen Frauen, Abtreibungen und pro Trump, nur weil wir Waffen mögen."

Der Vorfall machte im Internet natürlich schnell die Runde. Viele bezeichneten die Aktion als dumm. "Loaded Guns Pointed at [B]enis" ist bei Facebook inzwischen nicht mehr über die Suche zu finden.

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