Auch bei VICE: Die Welt der Sexualassistenz

Im Reich von Dawina bin ich die Assistentin. Mit diesem Titel gewährt sie mir Einlass in ihre Welt als Prinzessin Zuleika. Bevor der erste Gast kommt, sitzen wir in einem Zimmer mit Bett und Spiegel an der Decke. Die Fenster sind abgedeckt. Ihr Koffer liegt aufgeklappt auf einem Sideboard und sie entschuldigt sich für ihr Chaos.
"Ich bin keine klassische Domina. Ich würde mich selbst eher als Bizarrlady bezeichnen. Ich verstelle mich nicht. Meine Gäste merken, wenn ich auf etwas keine Lust habe. Oft habe ich zum Beispiel keine Lust, hohe Schuhe zu tragen, und mache es mir stattdessen bequem."Als wir das Desinfektionsmittel auf unseren Fingern verteilen, fragt Dawina, ob ich Angst habe.
Dawinas Studio ist eine Mischung aus Folterkammer und Stolz und Vorurteil
"Welche Peitsche mochtest du das letzte Mal so gerne?"Zuleika bittet mich, vier Peitschen auszusuchen, und nimmt auch vier von den Haken. Als sie meine Auswahl sieht, verkündet sie: "Die Assistentin ist ein sadistisches Miststück."Wir spannen die Hände des Ritters in Lederarmbänder und befestigen sie an einem Haken, der von der Decke hängt. Zuleika bittet ihn, eine Zahl zu sagen."39", sagt er."39?", sagt sie entgeistert."Ja, wegen der 39 römischen Strafen.""Da kenne ich mich nicht aus. Ich müsste mehr Filme über das alte Rom schauen.""Das ist aus Nymphomaniac von Lars von Trier.""Wir machen zehn."Je lauter das Pfeifen in der Luft, desto schmerzhafter ist vermutlich der Schlag.
Dawina peitscht den Ritter aus
Der Ritter wird mit Krokodilklemmen gefoltert
Wir wechseln in den Raum auf der linken Seite des Flurs und der Ritter macht es sich auf einer Liege bequem, einer Art Himmelbett aus Metall. Prinzessin Zuleika zieht ihm eine Sturmmaske über das Gesicht. Mit Ledergurten fixiere ich sein linkes Bein und seinen linken Arm auf der Liege. Zuleika kümmert sich um die andere Seite.Hast du gemerkt, dass er seinen Körper gar nicht richtig spürt? Nur dieser starke Schmerz holt ihn mal aus seinem Kopf raus.
Die Zofe darf Dawinas Kleider ausfräumen
Wir wechseln in einen Raum, der eingerichtet ist wie eine Arztpraxis. Die Zofe liegt mit gespreizten Beinen auf dem gynäkologischen Stuhl. Epische Filmmusik dröhnt aus den Boxen. Zuleika drückt mir ihr Handy in die Hand. Auf dem Screen sehe ich einen Kreis, den ich auf einer Skala in alle Richtungen bewegen kann. "Diese App ist mit dem Buttplug verbunden. Die Wellen, die du hier zeichnest, kontrollieren die Vibration." Die Musik verleiht meiner Aufgabe mehr Nachdruck. Als würde ich mit erhobenem Schwert in die Schlacht ziehen, führe ich den Kreis über den Screen.Als Nächstes zeigt mir Prinzessin Zuleika eine Praktik, die sich Heavy Rubber nennt. Sie schließt einen Schlauch an das Ventil an der Jacke der Zofe an. Surrend wird die Jacke aufgepumpt. Die aufgerissenen Augen scheinen weit weg zwischen den glänzenden Bergen Gummi. Zuleika fragt, ob alles in Ordnung ist, ich höre ein Zittern in der Stimme der Zofe: "Nein, ich glaube nicht." Ich wende meinen Blick ab und denke an Dinge, die ich sagen könnte, die mich möglichst wenig bedrohlich scheinen lassen.Als würde ich mit erhobenem Schwert in die Schlacht ziehen, führe ich den Kreis über den Screen.
Dawinas Werkzeugschrank
Er sagt, dass es einfacher gewesen wäre, hätte er mich schon kennengelernt, bevor er die Maske angezogen hat. Aber auch die Hitze sei unerträglich gewesen.Zuleika grinst und fragt, ob er sich noch an seine erste Session erinnere. Zitternd habe er vor der Tür gestanden. Seitdem hat sich einiges verändert. Endlich ist er zu Hause ausgezogen. Mit Zuleika war er schon im Kino, in Restaurants, im Baumarkt. Mit ihr überwindet er seine Ängste. Auch bei der Arbeit traut er sich endlich, öfter Nein zu sagen.Wahrscheinlich ist das Warten auf den Schmerz schlimmer als der Schmerz selbst.
"Die Assistentin ist ein sadistisches Miststück"
Dawina und ihr Kunde probieren den Heavy Rubber
