Man sagt ja, dass Werkzeuge nicht grundsätzlich gut oder schlecht sind, es kommt nur darauf an, wie man sie nutzt. Und nirgendwo trifft das mehr zu als in Afghanistan. Nachdem die Taliban jahrelang im ganzen Land den Internetzugang streng verboten hatten, nutzen Aufständische nun Twitter und Facebook für ihre eigene Agenda und um neue Mitglieder zu rekrutieren. Vor einigen Wochen prahlten sie zunächst per Twitter mit der Ermordung eines Wahlleiters. Auf der anderen Seite gibt es eine brauende Bewegung von Afghanischen Internetnutzern für die soziala Netzwerke als ein Instrument des Fortschritts in einem vom Krieg zerrissenen Land nutzen.
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Am vergangenen Wochenende haben sich rund 200 Aktivisten, Unternehmer, NGOs und Regierungsvertreter in Kabul für den ersten nationalen Social-Media-Gipfel versammelt, um ihre gemeinsame Überzeugung zu teilen, dass Twitter und Facebook den gesellschaftlichen Wandel unterstützen werden.Der Gipfel wird Paiwand genannt, was „Verbindung“ bedeutet, ein Bezug auf die Zusammenführung der verstreuten Technik-Enthusiasten im ganzen Land. Das Wort kann auch anders verstanden werden: Afghanistan mit dem Rest der Welt verbinden. Der große Social-Media-Bash, der am 22. September begann (der Tag nach dem Internationalen Tag des Friedens) war auch ein Schritt zur Verbesserung des globalen Bildes des Landes und sollte helfen Afghanistan in ein positiveres Licht zu rücken.
Seit dem Sturz der Taliban konnten in Afghanistan nur langsam neue technologische Entwicklungen adaptiert werden. Internet-Zugang ist immer noch teuer nach wie vor eine Sache für wenige Privilegierte. Und die Analphatismusrate der Bewohner in den ländlichen Provinzen ist nach wie vor sehr hoch. Gleichzeitig erstellen immer mehr Künstler und Aktivisten Facebook-Seiten und versuchen so ihre Arbeit durch soziale Netzwerke zu fördern. Es gibt auch eine Art ,sneakernet' das sich kreuz und quer über das Land verteilt, worüber die Leute, die einen Internetzugang haben die Neuigkeiten aus den sozialen Netzwerken verbal an jene weitergeben, die keinen Zugang zum Internet haben.
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Der Paiwand Gipfel stellte nun jene Kreativen, Unternehmer und Vordenker vor, die sich zu den wenigen Über-Glücklichen Internetnutzern zählen dürfen. Mit der Veranstaltung „Skype-Diplomatie“ wurde ein Start-Up unterstützt, dass Afghanen und Menschen aus anderen Ländern mit ähnlichen Hintergründen für eine virtuelle Mahlzeit und Diskussion über globale Themen zusammenbringt.In einem weiteren Panel sprach ein renommierter Künstler wie man die afghanische Street Art Szene verwenden kann, um das Land mit dem Rest der Welt zu verbinden. „KabulStreet" ist eine Friedensinitiative, die hofft durch Kunst Toleranz und Mitgefühl in ganz Afghanistan zu verbreiten. So soll versucht werrden auch außerhalb des Landes ein Bewusstsein zu fördern, dass es eine gewisse nationale Friedensbewegungen gibt. Ein Gründer der Initiative schreibt auf der Facebook-Seite des Projektes: „Kabul ist dunkel, es ist also egal wie klein das Licht ist, es wird leuchten."
Natürlich hatte auch die NATO-gestützte Regierung eine starke Präsenz auf dem Gipfel und meinte gleich im vorauszusehen, dass Twitter und Facebook eine Rolle in den kommenden Wahlen im April spielen werden. Ein Sprecher von Präsident Hamid Karzai sprach mit anderen Repräsentanten des Staates über die Rolle von sozialen Netzwerken für der Regierung und den Vormarsch von Startups wie Baztab, ein neues soziales Netzwerk für die Berichterstattung über Wahlen.Die Staats-und Regierungschefs hinter der Veranstaltung, die das soziale Startup-Unternehmen ,Impassion Afghanistan' organisiert hat, hoffen junge Leute für ihre Bewegung zu rekrutieren, um sie dafür zu begeistern einen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten. Zu diesem Zweck gab es noch weitere Diskussionen darüber, wie das Internet dazu genutzt werden kann, um Regierungsbeamte und Verbrecher in Schach zu halten und die Transparenz im Land zu steigern, wie die Herausforderungen von Frauen in der Technik gelöst weredn können, wie man Social Media als Katastrophenhilfe nutzt und dazu wie das Internet Bürger-Journalismus ermöglicht.Die Organisatoren planen jetzt nach der Veranstaltung in den Provinzen des Landes Workshops abzuhalten, und den Leuten so beizubringen, wie man Social Media-Tools verwendet, in der Hoffnung, dass die Community wächst.
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