Dann kommt Kai Motzkus. Norddeutsche Nettigkeit in seinem Gesicht und seiner Stimme, nicht unbedingt der Typ Türsteher. Der 52-jährige ist der Chef des Werkschutzes, wie all seine Kollegen trägt er eine geladene Heckler & Koch am Hosenbund. Und eröffnet uns gleich zu Beginn, dass wir doch keine Fotos innerhalb der Anlage machen dürfen. Auch mein Telefon darf nicht mit auf das Gelände. Also gehe ich allein durch die Sicherheitskontrolle, die härter ist als an einem Flughafen. Durch den Metalldetektor, Abtasten im Nebenzimmer. Sogar die Post wird hier geröntgt.„Kaum einer will uns haben, aber viele wollen uns besichtigen"
Eine ältere Luftaufnahme des Bundesamt für Strahlenschutz zeigt im Vordergrund den Salzstock und das Erkundungsbergwerk, in dem eines Tages Atommüll lagern könnte, und im Hintergrund das Gelände des Zwischenlagers. Bild: Bundesamt für Strahlenschutz
Auf dem Schreibtisch liegt eine Risikomatrix, an der Wand hängt ein alter Sponti-Spruch: „Gestern standen wir noch vor einem Abgrund, heute sind wir schon einen großen Schritt weiter."
Ein Blick in das Innere der riesigen Lagerhale, in der die Castor-Behälter aufbewahrt werden. Bild: GNS
Eine Studie fand mal heraus, dass rund um Gorleben mehr Jungen geboren werden als Mädchen, warum das so ist, weiß man bis heute nicht. Und, hat Kai Motzkus Angst vor der unsichtbaren Strahlung?—„Nein." Piloten und Flugbegleiter seien höheren Werten ausgesetzt, gibt er die Infos aus der Sicherheitsbroschüre der GNS wieder. Klar ist: Wohl kein anderer Ort in Deutschland wird so regelmäßig auf seine Strahlenbelastung überprüft.Auch Motzkus findet, „man sollte bald ein geeignetes Endlager finden, wo auch immer dieses dann ist."
Auf dem höchsten Turm auf dem Gelände ist die Kamera installiert, die von der Polizei aktiviert werden kann, wenn es zu einer Straftat in dem Zwischenlager kommen sollte. Bild: Carolin Saage
Neben der TBL befinden sich andere Hallen: Im Abfalllager werden auf 4.500 Quadratmeter weniger stark belastete Abfälle aus Forschung oder Medizin aufbewahrt, und in der Pilot-Konditionierungshalle werden Verpackungsverfahren für die Endlagerung entwickelt. In Laufweite—auf einem seperaten Grundstück—befindet sich übrigens auch das Erkundungsbergwerk, der Salzstock Gorleben.Ob im Gorlebener Salzstock unter der Erde jemals wirklich Atommüll eingelagert wird, ist nicht abzusehen. Längst diskutiert die Politik auch, ob nicht andere Endlagerstandorte in Deutschland sicherer sein könnten und geprüft werden sollen. Was denkt jemand, der täglich hier arbeitet, über die Endlagerdebatte? Kai Motzkus hat eine klare Meinung: Er findet, „wir dürfen die Entsorgungspolitik nicht unseren Kindern und Enkelkindern überlassen. Man sollte bald ein geeignetes Endlager finden, wo auch immer dieses dann ist."„Ob man auf einen Angreifer wirklich schießen kann, lässt sich erst in dem Moment sagen."
Das Stopschild an der Ausfahrt des Zwischenlagers in Gorleben haben Atomkraft-Gegner zum Protest genutzt. Bild: Carolin Saage
Den Eingang zum Zwischenlager weist ein großes Schild. Im Rückspiegel der Zaun zum Gelände. Bild: Carolin Saage