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Ein Klick auf diese Website wird euren Suchverlauf für immer ruinieren

Redditors flippen gerade wegen einer Seite aus, die euren Browser automatisch nach Begriffen suchen lässt, nach denen sonst wohl nur Terroristen suchen.

Sofern ihr den Suchverlauf bei Google nicht deaktiviert habt, erinnert sich der Suchmaschinen-Gigant an jeden einzelnen Begriff, nach dem ihr jemals gesucht habt—ein Feature vom dem sowohl Googles Umsätze als auch die ein oder andere Ermittlungsbehörde schon profitiert haben dürfte.

Die Website „Ruin My Search History" verspricht nun, „euren Google-Suchverlauf mit nur einem einzigen Klick zu ruinieren", und genau das tut sie auch. Sobald ihr auf die Lupe klickt, übernimmt das Programm die Kontrolle über euren Browser und füttert ihn mit Suchbegriffen, die zwischen peinlich („warum schwimmt meine Kacke nicht?", „Penis müffelt, schnelle Lösung"), potenziell Beziehungs-gefährdend („Vaterschaftstest online kaufen", „ich fühle mich zu meiner Mutter hingezogen. Warum?") und der Art von Anfragen variieren, die rein theoretisch dazu führen könnten, dass euer Name auf irgendeiner obskuren Liste landet („Bewerbungsbogen IS", „günstige Flüge nach Syrien", „wie kann man jemanden hypothetisch umbringen?").

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Der Webentwickler, der hinter dem Programm steckt und nur mit seinem Vornamen in der Öffentlichkeit auftritt, gibt an, dass an nur einem Tag mehr als 500.000 Leute ihren Suchverlauf auf diese Weise ruiniert haben. Laut ihm seien aber rund ein Viertel der Besucher seiner Seite zu ängstlich, um tatsächlich den Klick auf die Lupe zu wagen.

Ursprünglich wollte er auf der Seite eine Übersicht der schrecklichsten Bilder und Videos aus 15 Jahren Internetgeschichte präsentieren, teilte Jon gegenüber Motherboard per Mail mit. „Dann überlegte ich es mir aber anders und dachte an all die Dinge, die man in seinem eigenen Suchverlauf lieber vor fremden Blicken fernhalten will", sagte er. „Ich habe versucht, eine kurze Geschichte aus den Suchbegriffen zu machen, um es noch lustiger zu machen. Außerdem habe ich die Standorte der jeweiligen Personen in die Anfragen eingefügt (wobei das den meisten anscheinend gar nicht aufgefallen ist)." Das Ergebnis des veränderten Suchverlaufs ist ziemlich witzig und eigentlich harmlos.

„Ich weiß gar nicht mehr genau, wie ich auf die Idee gekommen bin", erklärte Jon gegenüber Motherboard. „Wahrscheinlich durch die anhaltenden Überwachungsskandale: Snowden, die NSA, das Abhören von Telefonen, Metadaten, wer nach was sucht."

Nachdem der Link gepostet wurde, landete die Website schnell ganz oben im Subreddit /r/internetisbeautiful. Und die

Redditors begannen natürlich sofort, sich extrem über die Suchbegriffe, die etwas mit dem IS zu tun haben, aufzuregen

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. Die Reaktionen waren so irrational und übertrieben, dass der Moderator des Subreddits /r/internetisbeautiful, K_Lobstah, einschreiten und rechtfertigen musste, warum man den Link—der aktuell mit einer unübersehbaren Content-Warnung eingeleitet wird—nicht von der Seite entferne. In einem ziemlich langen Post erklärte er: „Wir haben die notwendigen Vorkehrungen getroffen, um die Redditors davor zu warnen, dass der Link nicht einfach ohne Weiteres angeklickt werden sollte. Ich versichere euch, dass die NSA euch nicht in einer Nacht und Nebel-Aktion abholen wird (außer ihr seid tatsächlich Terroristen). Und ich versichere euch auch, dass die Polizei mit Sicherheit keinen Richter von seinem Pokerspiel abziehen wird, um auf die Schnelle noch einen Durchsuchungsbefehl für eure Wohnung zu erhalten."

Auch Jon gibt zu, dass die ganze Sache total ausgeufert sei.

„Die Reaktionen auf Reddit waren echt krank, manche Leute scheinen deswegen ernsthaft auszuflippen", sagte er. „Es ist traurig, aber so ist das wohl heutzutage. Wir nehmen an, dass die Behörden vor unserer Tür auftauchen und dass wir wirklich schuldig sind, nur weil wir gewisse Wörter im Internet eingegeben haben."

Abschließend fragte ich Jon noch, ob er sich darüber Gedanken gemacht habe, ob wir die NSA aus dem Konzept bringen, wenn alle nach Wörtern googlen, die wahrscheinlich irgendwo auf einer schwarzen Liste stehen, und damit einen Kommentar zur Massenüberwachung abgeben könnten:

„An etwas ähnliches hatte ich auch gedacht. Der beste Weg, die Überwachung durch den Staat nutzlos zu machen wäre, wenn alle auf ‚der Liste' stünden", antwortete er. „Vielleicht kann man damit ein kleines Zeichen setzen, aber andererseits wäre das Überwachungssystem wohl ziemlich schwach, wenn es sich schon durch so eine Aktion aus der Bahn werfen ließe."