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Es gibt neue Erkenntnisse zum Drogentoten aus dem Fabric

Der Tod des 18-Jährigen führte zur Schließung des beliebten Londoner Clubs.

von Alexander Iadarola
16 November 2016, 10:10am

Photo courtesy of Duncan C/Flickr

Der Londoner Club Fabric ist seit dem 12. August geschlossen. Zwei junge Männer waren dort im Sommer innerhalb weniger Wochen ums Leben gekommen. Der zuständige Stadtrat, das Islington Council, entzog daraufhin dem Club die Betriebslizenz. Jetzt sind neue Einzelheiten über die Umstände des ersten Todesfalls bekannt geworden.

Der 18-jährige Brite Ryan B. war demnach wohl über den Umstand "frustriert", dass er die Wirkung der von ihm mitgebrachten und bereits konsumierten Drogen nicht spüren konnte. Deshalb kaufte er sich im Club eine weitere Pille. So berichtete zumindest der Guardian über die Anhörung zu dem Todesfall.

Ryan war an diesem Abend mit sechs Freunden unterwegs, die sich im Vorfeld Drogen besorgt und in den Club geschmuggelt hatten. Seine Freunde gaben an, dass sie nach der Ankunft im Club auf Toilette gingen, um die erste Runde zu konsumieren. Etwa 15 Minuten später spürte einer aus der Gruppe bereits die "ziemlich überwältigende" Wirkung der Drogen und musste sich übergeben. Als er danach wieder zu seinen Freunden auf die Tanzfläche kam, fragte er: "Fühlt ihr es? Fühlt ihr es?"

Ryan sei daraufhin zunehmend frustriert geworden, "also entschied er sich, noch eine (Pille) zu nehmen." Der Freundeskreis beobachtete ihn, wie er sich weitere Drogen im Club beschaffte, die er wohl ebenfalls konsumierte. Aufgrund ihres eigenen Zustands fiel der Gruppe allerdings erst relativ spät die zunehmend schlechte Verfassung ihres Freundes auf. Freunde, die mit ihm im Ruhebereich saßen, sagten, dass er immer wieder "gezuckt" und wohl halluziniert hätte.

Als einer aus der Gruppe mit ihm nach draußen wollte, um etwas frische Luft zu schnappen, schickte ein Türsteher sie in den medizinischen Versorgungsbereich des Clubs. Die Sanitäterin vor Ort maß bei Ryan, dessen Lippen mittlerweile blau angelaufen waren und der nur noch "inkohärentes Zeug murmelte" eine Körpertemperatur von fast 41,6 Grad und rief einen Krankenwagen. Kurz vor 2 Uhr morgens trat der Herzstillstand ein. Ryan starb wenige Stunden später im Krankenhaus.

Bei der Obduktion stellten Experten eine tödliche Menge MDMA im Blut des jungen Mannes fest. Die leitende Gerichtsmedizinerin, Mary Hassel, bestimmte dementsprechend Drogenkonsum als Todesursache. Sie weigerte sich allerdings, von einer Überdosierung zu sprechen. Illegale Drogen würden schließlich nicht mit einer Dosierungsanleitung daher kommen, schreibt der Guardian weiter.

"Er war ein naiver Drogenkonsument", sagte sie. "Die Menge an Drogen in seinem Körper hätte ausgereicht, einen sehr erfahrenen Konsumenten [mit entsprechend hoher Toleranz] umzubringen. Er war weit davon entfernt, erfahren zu sein."

Die Konzentration von MDMA in Ryans Blut lag bei 2,48mg/ml und damit weit über der von Drogenberatungsstellen im Sinne der Schadensminimierung empfohlenen Grenze, die bei 0,35mg/ml liegt.

Als Reaktion auf die Anhörung veröffentlichte das Fabric auf seiner Website ein Statement. "Die Gedanken aller Fabric-Mitarbeiter sind in dieser unfassbar schwierigen Zeit bei Ryans Familie", heißt es dort. "Die Sicherheit unserer Kunden war immer von höchster Priorität für uns—neben eine Nulltoleranzpolitik gegenüber Drogen. Wir haben uns immer stark gegen den Konsum illegaler Substanzen ausgesprochen und möchten noch einmal klarstellen, dass es keine sichere Art gibt, Drogen zu konsumieren."

Mitchell Gomez von der Harm-Reduction-Organisation Dancesafe sagte gegenüber THUMP per E-Mail, dass dieser tragische Tod noch einmal zeigt, wie wichtig Aufklärung und wie gefährlich Kriminalisierung seien. "Diese Tode sind immer tragisch, aber es ist besonders frustrierend zu wissen, dass fast alle Fälle mit vernünftiger Aufklärung oder einem legalisierten und regulierten Markt hätten verhindert werden können", schreibt er. Gomez vermutet, dass Ryan eine der ungewöhnlich hoch dosierten Pillen konsumiert hatte, die dieses Jahr in Umlauf sind. Das niederländische Trimbos Institut hatte vor den extra starken Ecstasy-Pillen gewarnt. Auf Ibiza waren im Sommer sogar Teile mit einem Wirkstoffgehalt von 400mg aufgetaucht.

Gomez: "Die Wirkstoffkonzentration im Autopsiebericht zu diesem Fall deuten auf eine extrem hohe Dosierung hin, die weit das übersteigt, was wir normalerweise von Freizeitkonsumenten gewohnt sind."

Harm-Reduction-Organisationen wie The Loop in Großbritannien, die auch in den letzten Jahren mit dem Fabric zusammengearbeitet hat, rät MDMA-Konsumenten, bei der Dosierung vorsichtig zu sein. Man solle besser mit einer kleinen Menge anfangen (einer viertel Pille etwa) und dann ein bis zwei Stunden die Wirkung abwarten, bevor man weiter konsumiert. Mit sogenannten Testkits ließen sich außerdem grobe und potentiell gefährliche Verunreinigungen der Substanzen feststellen.

Das Fabric möchte am 28. November gegen die Entscheidung des Islington Councils in Berufung gehen, um seine Betriebslizenz zurückzuerlangen. Der Club veröffentlichte Anfang November eine 111-Track-Compilation, um damit einen Teil der bevorstehenden Gerichtskosten bezahlen zu können. Zuvor hatte der Club bereits detailliert aufgelistet, wofür das Geld der Fundraising-Kampagne genau eingesetzt werden würde.

In Berlin findet am 24. November eine Soli-Party mit u.a. Ellen Allien und Ricardo Villalobos statt.

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