Auf Musikfestivals in Sydney werden jetzt tausende Drogentest-Kits verteilt, obwohl Verhaftungen drohen

Den Beginn der australischen Festivalsaison nutzen Harm Reduction Organisationen, um die Regierung zu einem Umdenken bei der Drogenpolitik zu bewegen.

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Nov. 21 2016, 1:40pm

Photo via Pixabay.

Regierungsvertreter, Gesundheitsexperten und Festivalbetreiber in Sydney haben beschlossen, gemeinsam eine Drogenpolitik zu unterstützen, die die möglichen Schäden für Konsumenten so gering wie möglich halten möchte. Dem Sydney Morning Herald zu Folge, soll es auf den Festivals in Sydney im nächsten Sommer tausende kostenlose Drogentest-Kits geben.

Der Vorstoß für Drogentest-Kits hat im Bundesstaat New South Wales, wo Sydney liegt, allerdings nicht nur Befürworter.

Bereits zu Beginn des Jahres gab es eine Initiative für kostenlose Tests von Substanzen. Initiiert wurde sie von Alex Kodak von der Australian Drug Law Reform Foundation und Dr. David Caldicott, einem Spezialisten und Berater für medizinische Notfälle am Calvary Hospital in Canberra. Sie planten, einen privat finanzierten Probelauf von Drugtesting-Kits zu starten, egal ob mit oder ohne Beteiligung der Regierung.

Einige Vertreter der offiziellen Behörden unterstützten das Vorhaben damals zwar, aber Troy Grant, der Polizei-Minister von New South Wales (NSW), kündigte an, dass jeder, der an dem Versuch teilnehme, verhaftet werden würde. Und der Premierminister des Bundesstaates,Mike Baird, sagte seinerzeit, dass jeder mit Strafverfolgung zu rechnen habe, der mit dem Projekt in Verbindung steht. Die Einfuhr von Drogentest-Kits wurde als "Protestaktion" gewertet.

Der jetzige, von der Organisation Harm Reduction Australia organisierte Vorstoß richtet sich genau gegen diese Position.

"Es gab keine Möglichkeit, die Optionen mit der Regierung zu diskutieren", sagte Gino Vumbaca, Präsident von Harm Reduction Australia. "Wir haben uns von daher entschieden, nicht mehr untätig herumzusitzen." Vumbuca war zuvor Teil des Australian National Council on Drugs, das 1998 vom damaligen australischen Premierminister John Howard ins Leben gerufen wurde. Es sollte als eine Art Beratungsgremium der Regierung in Sachen Schadensminimierung von Konsumenten fungieren.

Die Tests, die im nun beginnenden australischen Sommer (also während hierzulande Winter ist) verteilt werden, können lediglich Aufschluss darüber geben, ob eine gewisse Substanz enthalten ist. Dr. David Caldicott kritisiert daher auch, dass die Test-Kits "keine Information über den Reinheitsgrad geben". Schließlich seien "eines unserer größten Probleme in diesem Jahr (...) die hochdosierten Ecstasy-Pillen." Eine Pille, die mit den angedachten Kits getestet wurde, ist daher nicht automatisch sicher. Dennoch rät der Notfallexperte: "Wenn in einer Pille kein MDMA gefunden wird, raten wir ausdrücklich von ihrem Konsum ab."

Caldicott zeigt sich insgesamt jedoch enttäuscht von der Initiative: "Wir könnten das alles viel besser machen. Aber die Regierung hat die Hinweise und die Expertise, die ihnen gegeben wurde, ignoriert."

Wenn du mehr über dieses Thema erfahren willst, kannst du hier unseren Artikel über Drogentote auf Festivals lesen. Über die Funktionalität von Drogentest-Kits haben wir außerdem mit einem Arzt gesprochen.

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