Gazza

Die „Sun" zeigt verstörende Bilder von Gascoigne und löst wütende Proteste aus

Die alkoholkranke Fußball-Legende Gascoigne wurde halbnackt von Sun-Reportern fotografiert. Im Internet solidarisieren sich Fans.
12.7.16
PA Images

Im Internet macht gerade ein schreckliches Foto die Runde, das die englische Fußballlegende Paul Gascoigne schwerst gezeichnet vom Alkohol zeigt.

Wie die ganze Welt weiß, kämpft Gazza seit vielen Jahren, ja Jahrzehnten, mit dem Teufel Alkohol, Tabletten und anderen Drogen, hat schon unzählige Entziehungskuren durchlaufen und sich öffentlich zu seiner Sucht bekannt. Die von der Sun veröffentlichten Fotos machen deutlich, dass es ihm auch im Jahr 2016 verheerend gehen muss. Es ist ein eingefallener Paul Gascoigne zu sehen, der im Bademantel mit nichts drunter und einer zerknickten Kippe im Mund aus einem Taxi steigt. Auf seiner Stirn prangt eine große Wunde.

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Doch neben Mitleid mischt sich vor allem auch Wut in der öffentlichen Meinung. Wut gegenüber dem britischen Tabloid, ein Foto abgedruckt zu haben, das einen eh schon schwerkranken Menschen in einem Augenblick größter Verwundbarkeit zur Schau stellt. Auf Twitter bekam Gascoigne viel Zuspruch, es scheint fast so, als würden sich Fans weltweit nichts lieber wünschen, als dass der frühere Zauberfuß endlich mit dem Saufen aufhört. Dass ihm das gelingen wird, erscheint fast so unwahrscheinlich wie ein Titel der englischen Nationalmannschaft, die er 1990 bis ins Halbfinale der WM in Italien führte.

This is how I remember Paul Gascoigne,a great talent full passion who would cry for his country if they lost.He is — Selahattin Baki (@PATRIOTS1899)July 12, 2016

It is time The Sun was boycotted, this is the Paul Gascoigne that Football Fans will always love and remember — alex moir (@riomxela)July 11, 2016

This is the Paul Gascoigne Rangers fans will, and the world, should remember. The true genius — The Exuberator (@Gersfan_78)July 11, 2016

1990, das war das Jahr, in dem Gascoigne wohl auf dem Zenit seines Schaffens war. Schaffen deswegen, weil er den Ball wie ein Künstler behandelte, seine Kreativität, sein Genius machten ihn zu einer echten Ikone. Doch wer schon so jung so gut ist, von dem wird auch viel erwartet—vor allem in einem Land, dessen letzter Titel schon 1990 fast ein Vierteljahrhundert zurücklag. 1990 war Gascoigne 23 Jahre alt, zwei Jahre zuvor war er zum Nachwuchsfußballer des Jahres gewählt worden. Vor dem Halbfinalduell gegen Deutschland war Gascoigne so aufgewühlt, dass er nicht schlafen konnte. Um runterzukommen, spielte er nachts im Teamhotel einfach gegen zwei US-Amerikaner Tennis.

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Später griff er immer häufiger zu Alkohol, Koks, Schlaftabletten, um sich zu beruhigen. Sein Umfeld war ihm auch keine Stütze, ganz im Gegenteil: Gazza, der schon als Kind ein Klassenclown war, wurde genau für diese Exzesse von den Menschen geliebt, er war einer von ihnen, hatte Probleme und bewältigte trotzdem seinen Alltag. Das sollte jedoch immer weniger gelingen. Er wechselte nach Italien, später nach Schottland, seine Leistungen schwankten noch stärker als sein Pegel. Psychologische Hilfe, wie Profis sie heutzutage bei ihren Vereinen erhalten können, war damals noch Zukunftsmusik.

Nur ein Jahr nach der WM—wo England gegen Deutschland im Elfmeterschießen ausgeschieden war, Gascoigne im Finale aber eh gelbgesperrt gewesen wäre—stand er mit seinem Team Tottenham Hotspurs im FA-Cup-Finale. Gascoigne wollte so vieles wiedergutmachen, endlich seinen ersten Titel gewinnen. Entsprechend übermotiviert ging er in das Endspiel, angepeitscht von Fans und Medien. Auch dank seines wunderschönen Treffers im Halbfinale gegen Arsenal.

Schon nach wenigen Minuten hätte der wie von einer Tarantel gebissen aufspielende Gazza vom Platz fliegen müssen, nachdem er Garry Parker seine Stollen in die Brust gebohrt hatte. Und in der 15. Minute kam die nächste Blutgrätsche gegen Gary Charles. Ein Foul, das seine weitere Karriere beeinflussen sollte. Charles blieb wie durch ein Wunder unverletzt, Gazza hatte sich hingegen das rechte Kreuzband gerissen. Es folgte eine 16 Monate lange Zwangspause. Ein Gascoigne, der sich nicht beim Sport verausgaben konnte, war eine Gefahr vor allem für sich selbst. In dieser Zeit griff er aus purer Langeweile und innerer Unruhe immer häufiger zur Flasche.

Nach dem Finale, das seine Mannschaft auch ohne ihren Star gewinnen sollte, begann der schleichende, aber stetige Abstieg des Paul Gascoigne. Ein Abstieg, der mit den jüngsten Bildern der Sun einen weiteren Tiefpunkt erreicht hat. Möge ihn der Teufel endlich in Frieden lassen.