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Pizza

Ein bewaffneter Mann stürmt eine Pizzeria, um der Pizzagate-Verschwörung auf den Grund zu gehen

Der Laden sei angeblich die Zentrale eines Kinderpornorings unter Führung von Hillary Clinton und ihrem Chefberater John Podesta, so die Verschwörungstheorie.

von Alex Swerdloff
06 Dezember 2016, 11:00am

Foto von rob_rob2001 via Flickr

Fake News und virale Verschwörungstheorien haben sich am Wochenende in einer Pizzeria in Washington D.C. auch gefährlich ins reale Leben ausgebreitet.

Gegen 15 Uhr amerikanischer Zeit hat am Sonntag ein Mann eine Waffe in der Pizzeria Comet Ping Pong abgefeuert. Der Laden war zuvor zur Zielscheibe von falschen, politisch motivierten Gerüchten und abstrusen Beschuldigungen gewesen, die ihn und die Angestellten mit einem Kinderpornoring in Verbindung brachten, in den auch Hillary Clinton und ihr Wahlkampfmanager John Podesta verwickelt sein sollten. Der Täter wollte den Gerüchten selbst nachgehen.

Der 28-jährige Edgar M. Welch aus North Carolina wurde daraufhin verhaftet, verletzt wurde bei dem Vorfall niemand. Der Besitzer der Pizzeria, James Alefantis, und seine Angestellten sowie die Geschäfte in der Umgebung sind extrem besorgt und verängstigt. Sie meinen, dass das FBI und die Polizei die Drohungen gegen sie nicht ernst genug genommen hätten.

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Der Wahnsinn begann, als WikiLeaks im Oktober und November E-Mails von John Podestas persönlichem Googlemail-Account veröffentlichte. Ein paar Tage vor der US-Wahl wiesen 4chan-User darauf hin, dass Podesta mit dem Besitzer von Comet Ping Pong in Kontakt stand, um in der Pizzeria eventuell eine Spendensammlung für Clintons Wahlkampf zu veranstalten. Und dann gab es Dutzende Artikel auf Websites wie „The New Nationalist" und „The Vigilant Citizen", in denen—ohne jegliche Beweise—behauptet wurde, dass die Pizzeria die Zentrale eines Kinderpornorings unter Führung von Clinton und Podesta war.

Ja, das hört sich lächerlich an—und ist es auch. Wie die New York Times berichtet, hat Alefantis Clinton niemals getroffen, er „verkauft oder missbraucht keine Kinder und gegen ihnen wird wegen keiner dieser Behauptungen ermittelt". Das hat die Verschwörungstheoretiker jedoch nicht aufhalten können. In den sozialen Medien und via E-Mail wurden Alefantis und seine Angestellten dutzendfach bedroht, andere Geschäfte in der Umgebung wurden ebenso zur Zielscheibe. Restaurantbesitzerin Sabrina Ousmaal sagte der Times: „Wir haben das FBI und die Polizei wiederholt über diese Bedrohungen und Anrufe informiert, nichts ist passiert. Ich bin erschüttert und entsetzt. Müssen erst Menschen sterben, damit etwas getan wird?"

Selbst Michael Flynn Jr., Sohn und Berater des zukünftigen Nationalen Sicherheitsberaters Michael Flynn, hat die Verschwörungstheorie öffentlich verbreitet und gemeint, dass ermittelt werden müsste.

Als der bewaffnete Mann am Sonntag die Pizzeria stürmte, versuchten die Menschen aus der Pizzeria zu fliehen, die Straße vor dem Restaurant wurde von der Polizei abgesperrt. Eine der ältesten und angesehensten Buchhaltungen der USA, Politics and Prose, wurde ebenso abgeriegelt. Die Polizei hat bei Welch zwei weitere Waffen gefunden, eine trug er noch bei sich, eine weitere hatte er in seinem Auto.

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Alefantis sagte: „Was heute passiert ist, zeigt, dass die Verbreitung von falschen und waghalsigen Verschwörungstheorien Konsequenzen hat. Ich hoffe, dass diejenigen, die diese Flammen weiter angefacht haben, jetzt eine Minute darüber nachdenken, was hier heute passiert ist, und ab sofort aufhören, solche Lügen zu verbreiten."

In den letzten Wochen haben viele Experten gesagt, dass solche Falschmeldungen einen große Rolle bei der Wahl Donald Trumps gespielt haben und zu einerNormalisierung einer rechten Rhetorik beigetragen haben.Parteiische Medien haben nicht nur das tiefe Misstrauen der Bürger gegenüber den Mainstream-Medien ausgenutzt, sondern sie haben sich auch zunutze gemacht, dass mehr und mehr Amerikaner sich marginalisiert und vom politischen System nicht repräsentiert fühlen. Solche Storys sind jetzt wirklich zu einer realen Gefahr für einen Pizzeriabesitzer und seine Angestellten, Kunden und Nachbarn geworden.

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