Übung macht den Häftling – Wie ich siebenmal hinter Gittern landete
Illustrationen von Deshi Deng
DIE SIE KOMMEN NACHTS RAUS AUSGABE

Übung macht den Häftling – Wie ich siebenmal hinter Gittern landete

Clancy Martin ist Familienvater und Philosophiedozent. Allerdings ist er auch trockener Alkoholiker und hat sich in diesem Zusammenhang schon recht häufig Zellen mit Mördern geteilt.
15.12.16

Aus der They Come Out at Night Issue

Niemand wollte mir sagen, warum sie mich verhaftet hatten. Aber so richtig Angst bekam ich erst im Aufzug, auf dem Weg zu Zelle 5C. Ich trug den orangen Overall und die blauen Gummi-Flipflops. Ich hatte meine Matratze unterm Arm. Es war etwa 10 Uhr morgens. Sie hatten mich bei Sonnenaufgang aus meiner Wohnung geholt.

"Was haben Sie gemacht?", fragte der Wärter. Sein Blick schwebte irgendwo zwischen Skepsis und vorsichtigem Respekt. Er war vielleicht Mitte 50, etwas dicklich, gutaussehend, mit kurzgeschnittenem, grau-braunem Haar. "Ich bin mir nicht sicher", sagte ich. "Ich glaube, es hat vielleicht was mit meinem alten Juweliergeschäft zu tun." Ein Cop hatte öfter aus Arlington, Texas, angerufen, wo ich mit meinen zwei Brüdern mehrere Juwelierläden gehabt hatte. Einer davon war bankrott gegangen, und viele Auftragsstücke hingen im behördlichen Prozess fest—so auch ein protziger Verlobungsring mit Diamanten, der einem Strafverteidiger aus Arlington gehörte. Ich wusste es damals noch nicht, aber der wütende Strafverteidiger hatte einen Kumpel bei der Polizei sowie den Staatsanwalt überzeugt, mich wegen Diebstahls anzuzeigen und einen Haftbefehl auszustellen. Im Aufzug mit dem Wärter wusste ich nur, dass irgendein Cop aus Arlington mir Nachrichten aufs Band gesprochen und ich ihn nicht zurückgerufen hatte. Ich hatte gehofft—wie ich es so oft mit Ende 20, Anfang 30 hoffte—dass sich das Problem einfach irgendwie in Luft auflösen würde. Aber dann tauchten zwei Männer auf, die angeblich "ein Gasleck untersuchen" wollten, drängten sich an meiner Freundin* vorbei, stürmten ins Schlafzimmer, zerrten mich aus dem Bett und legten mich in Handschellen, während ich um meine Brille bat und meine Freundin verlangte, die Dienstmarken der Undercover-Cops zu sehen. "Tja, was auch immer Sie angestellt haben, es wird was Schlimmes gewesen sein. Ich bringe Sie nach 5C. In 5C halten Sie's keine Nacht aus."


* Diese Freundin war keine der beiden Frauen, mit denen Clancy Kinder bekommen hat.

Er sah auf sein Klemmbrett, während er das sagte. Dann sah er auf und bedachte mich mit dem seltsamen, unterdrückten Lächeln, das Leute tragen, die dir schlechte Nachrichten überbringen, die für sie selbst nicht schlecht sind. Ich würde es nicht als Arschlochlächeln bezeichnen, denn ihm stand auch echte Sorge um mich ins Gesicht geschrieben. Meine missliche Lage amüsierte ihn nicht. Aber er konnte nicht anders. Ich kenne das. Ich habe schon oft Leute so angelächelt.

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"Dann bringen Sie mich nicht nach 5C. Bringen Sie mich woanders hin. Bitte."

Es war meine dritte Inhaftierung—zuvor hatte ich in Austin (mit 23) und in Dallas (mit 29) gesessen—und ich wusste eigentlich schon, dass es sinnlos ist, mit Wärtern zu diskutieren. "Ein Gefangener (…) erkennt die Unmöglichkeit seiner Flucht, sowohl wenn er den Widerstand seines Wächters bedenkt, als wenn er die Mauern und Einfassungen betrachtet", schrieb David Hume 1748, und so "arbeitet er noch eher gegen Stein und Eisen der letztern, als gegen die unbeugsame Natur des ersteren." Hume wusste Bescheid. Ich war überzeugt, leichter einen Tunnel aus diesem Gefängnis in Wilmington, North Carolina, graben zu können, als diesen Wärter zu einer Verlegung zu überreden. Doch vielleicht würde er sich als außergewöhnlich gutherzig herausstellen. Ich konnte nicht anders, als es zu versuchen.

"Ich mach' die Regeln nicht", sagte er. "Ich führe nur Befehle aus. Aber ich sehe mal, was ich machen kann."

Er war wirklich einer von den Guten. An meinem dritten Tag in 5C tauchte er mit seinem Klemmbrett vor der Zelle auf und sagte, er habe meine Verlegung in eine Zelle im zweiten Stock genehmigt bekommen.

"Dort werden Sie sich wohler fühlen", sagte er. "Dort kommen … andere Häftlinge hin."

Doch da hatte ich mich schon mit Bewohnern von 5C angefreundet, hatte einen Beschützer namens "Eel" und ein Fenster mit einer guten Aussicht. Ich konnte meine Freundin draußen auf der Straße sehen, wenn sie zu Besuch kam und ich hochkletterte.

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"Sie meinen, Sie wollen wirklich in 5C bleiben? Ich kann das hier kein zweites Mal machen. In der neuen Zelle haben Sie ein Bett."

Er runzelte misstrauisch die Stirn, als stünde ich vielleicht unter Zwang. Er schaute an mir vorbei, um zu sehen, ob jemand zuhörte.

"Tut mir Leid", sagte ich. "Ich weiß das zu schätzen. Aber es macht mir nichts aus, auf dem Boden zu schlafen. Ich glaube, hier ist es besser."

"Na gut", sagte er und klopfte an das Fenster, um durch die Sicherheitsschleuse gelassen zu werden. "Ich übernehme keine Verantwortung."

Bevor ich auf meine Erfahrungen in 5C eingehe, und meine vier Inhaftierungen, die noch darauf folgten, sollte ich erzählen, wie meine ersten Gefängnisaufenthalte abliefen und wie ich dort die Knastetikette erlernte.

Ich spreche hier vom US-Gefängnistyp Jail, in den Leute wandern, die noch auf ihr Urteil warten oder Haftstrafen unter einem Jahr bekommen haben. Ich habe mit vielen Ex-Häftlingen gesprochen, und alle waren sich einig, dass ein Jail viel schlimmer ist als ein "richtiges" Gefängnis, ein Prison. Grundsätzlich darf man im Prison auch mal aus der Zelle; im Jail geht das nicht. Im Prison gibt es Hofgang und sogar Arbeitsfreigang, im Jail natürlich nicht. Im Prison gibt es hin und wieder Privatsphäre, im Jail lebt man im Gestank des Nebenmannes. Nur in der Isolationszelle gibt es dort Privatsphäre, und die ist die Hölle. Oder beim Duschen—aber ein 73-Kilo-Schwächling wie ich macht das lieber ganz schnell, bevor die anderen aufstehen.

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Im Prison weiß man, wann man rauskommt; wenn man denn je rauskommt. Es gibt ein Datum, das Freiheit verspricht. Nicht so im Jail. Viele Jail-Häftlinge leben mit der quälenden Ungewissheit, wann oder ob sie tatsächlich freikommen.

Austin, Texas, 1990. Ich lief betrunken nach Hause, mit ausgestreckten Armen auf dem Randstein balancierend. Ein Streifenwagen hielt neben mir. Das Fenster ging runter.

"Sollen wir Sie nach Hause bringen, mein Sohn?" "Das gibt es auch nur im liberalen Austin, dass die Cops einen heimfahren", dachte ich. Ich hatte noch drei Kilometer vor mir und kletterte dankbar in den Rücksitz.

Sie fuhren mich direkt zum Travis County Jail. Ich beschwerte mich und schrie etwas über meine Rechte, während sie meine Personalien aufnahmen. Es gab eine lange Schlange; die Cops fuhren einmal im Monat herum und nahmen alle offensichtlich Betrunkenen mit, um vielleicht ausstehende Haftbefehle zu erwischen. Ich beschwerte mich und schrie weiter, als sie uns in die Zellen packten, und beschwerte mich und schrie, als sie mich in eine fensterlose, anderthalb mal drei Meter große Isolationszelle warfen, und beschwerte mich und schrie, als sie mir Hand- und Fußschellen anlegten, und beschwerte mich und schrie weiter, als sie die Schellen hinter meinem Rücken verbanden und an dem Piss-Gitter im Boden festmachten. Sie hatten mir keinen Anruf erlaubt und verrieten mir nicht, wie die Anzeige lautete. Ich war 23, betrunken und verstand meine Lage nicht. Dann kamen zwei Cops ohne sichtbare Dienstmarke und sagten, ich könne jetzt die Klappe halten oder im Krankenhaus weiterschreien.

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Einer von ihnen stampfte auf meine Hand, der andere trat mir mehrmals in den Bauch. Ein dritter kam dazu und drohte, mir den Mund mit Klebeband zu verschließen. Ich schrie weiter leere Drohungen, und als die mir ausgingen, schrie ich Das wüste Land von T. S. Eliot, viele kürzere Gedichte und lange Abschnitte aus Macbeth. Irgendwann war Schichtwechsel und bevor die Kollegen kamen, machten sie mich vom Piss-Gitter los und hoben mich auf die Betonbank. "Manche hier wollen schlafen", sagten sie. Das hatte ich noch gar nicht bedacht.

Am nächsten Morgen mussten wir dem Richter gegenübertreten, alle in eine Reihe gekettet. Die Wärter beschwerten sich über mich und einer nannte meinen Namen.

"Du bist Clancy Martin?", fragte der Typ, an den ich gekettet war. Er war etwa doppelt so groß wie ich.

"Ja", sagte ich, voller Angst, dass ich ihn vom Schlafen abgehalten hatte.

"Weiter so", sagte er und hob unsere verketteten Hände, um mir den Daumen hoch zu zeigen.

Dann sahen wir wieder konzentriert aneinander vorbei—ein wichtiges Knasttalent—und eine Stunde später ordnete der Richter meine Freilassung an, ohne Anzeige. Sie erlaubten mir meinen Anruf und verlegten mich in eine Zwei-Mann-Zelle. Unglücklich erklärte mir der Zellengenosse: "Wenn du sie sauer gemacht hast, wandern deine Papiere jetzt immer wieder an den Boden des Stapels." Er kam an jenem Tag nicht frei, mich ließen sie erst am Spätnachmittag raus. Ich lag auf dem Stockbett und zählte die Kakerlaken. Es war die dreckigste Gefängniszelle, die ich je betreten sollte. Es war auch das einzige Mal, dass Cops oder Wärter mich körperlich misshandelten, was ich leicht hätte vermeiden können. Ich lernte die erste Regel des Gefängnislebens: Niemals mit den Cops oder Wärtern streiten, denn du hast nicht einmal schlechte Karten, sondern gar keine.

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Sechs Jahre vergingen ohne Haft. Dann hatte ich einen Riesenstreit mit meiner Freundin. Ich lebte in Dallas und ging aus, um mich aus Rache zu betrinken. (Ja, da gibt es ein Muster: Vier meiner sieben Haftstrafen resultierten direkt aus meiner Trunkenheit. Ich bin genesender Alkoholiker.*) Ich weiß noch, dass mir der Zutritt zu einer Bar verwehrt wurde, und ich dann in einem Hauseingang schlief. Ein Cop fragte mich nach meiner Adresse und sagte, ich dürfte heute zu Hause schlafen, wenn ich es schaffte, selbst heimzugehen. Ich erinnere mich, wie er mir in den Rücksitz seines Streifenwagens half, und an die Ausnüchterungszelle: Sie war etwa halb so groß wie eine Turnhalle, wir waren mindestens 50 Mann, die alle nah bei den Wänden blieben, und einen großen, leeren Bereich in der Mitte frei ließen. Es gab Gruppen: die Latinos, die Schwarzen, die Weißen. Die meisten schliefen mit den Füßen Richtung Raummitte. Ich nahm mir eine blaue Vinyl-Matratze vom Stapel in der Ecke und wollte mich neben einen alten Latino legen, der im Grenzgebiet zwischen Latinos und Weißen lag.


* Da die meisten Festnahmen des Autors im Zusammenhang mit Trunkenheit standen, und in einigen Fällen Jahre oder sogar Jahrzehnte her sind, lassen sich einige Details und Gespräche in dieser Geschichte nicht unabhängig verifizieren. Namen und andere persönliche Informationen einiger Personen wurden geändert, um ihre Identität zu schützen.

"Geh besser woanders hin", sagte er.

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"Ich hab keine Angst vor irgendwem hier", sagte ich, was stimmte, weil ich noch sehr betrunken war. Um das zu beweisen, stellte ich mich mitten in den Raum und machte ein bisschen Schattenboxen. Ich erinnerte mich dumpf an eine Bukowski-Geschichte, in der ihm das im Gefängnis Ärger erspart.

Mehrere Männer riefen etwas auf Spanisch, ein paar auch auf Englisch. "Du kämpfst gern? Willst du boxen?" Der Alte zischte: "Leg dich hin!" Ich schaute zu den zwei Kerlen, die aufgestanden waren, und folgte seinem Rat. Ein Typ, jünger und kleiner als ich, drahtig und tätowiert, in Trägerhemd und farbbespritzten Arbeitshosen, kam herüber und stellte sich über mich.

"Hey, Kämpfer", sagte er. "Hey, Mr. Boxer? Willst du kämpfen?" Er lachte. Ich drehte mich auf meiner Matte um und ignorierte ihn. Er stellte sich in die Mitte und imitierte mich, machte ein paar Boxbewegungen und rief etwas auf Spanisch. Männer lachten. Er machte ein paar Minuten so weiter.

"Was sagt er da?", fragte ich den Alten.

"Willst du nicht wissen", sagte er.

Das dritte Mal im Jail landete ich in der berüchtigten Zelle 5C, zu der ich gleich zurückkomme. Das vierte Mal war ich am Dallas/Fort Worth International Airport im Jail. Ich hatte mit meiner Familie—meiner schwangeren Frau, ihrer Mutter, meiner Mutter und meinen zwei Töchtern—einen Monat in Italien verbracht, und nun flogen wir zurück nach Kansas City, wo ich inzwischen als Philosophieprofessor an der University of Missouri arbeitete.

"Sie sind Clancy Martin?", fragte der Zollbeamte.

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"Äh, ja", sagte ich. Er war ohnehin schon misstrauisch, weil man meiner Mutter in Pisa den Pass geklaut hatte und ihre Papiere von der Botschaft sehr kompliziert aussahen.

Es war der Sommer 2006. 9/11 war noch keine fünf Jahre her, ich bin kein US-Bürger (sondern Kanadier), und der Zoll war damals noch unfreundlicher.

"Treten Sie zur Seite", sagte er. Er winkte einen weiteren Beamten herbei. Sie tauschten sich kurz aus und der zweite Beamte führte mich am Arm in ein kleines Zimmer, während meine Familie in stiller Verwirrung zusah. In dem Zimmer saßen 20 Leute auf einer Reihe Plastikstühle. Vorn standen zwei Zollbeamte, die einen Stapel Pässe durchsahen und uns nacheinander aufriefen. Nach einer Stunde war ich dran.

"Mr. Martin. Wurden Sie schon einmal verhaftet?"

Ich erzählte meine Vorgeschichte. "Sie müssen mit dem Kollegen mit, bitte." Ein weiterer Beamter führte mich einen Korridor entlang und in ein sehr normal aussehendes Zimmer mit einem Klapptisch, an dem zwei Stühle einem einzelnen gegenüberstanden. Fenster mit Jalousien. Sie mussten es eilig gebaut haben, dachte ich, denn die Jalousien befanden sich auf der Innenseite—Kordeln, mit denen man sich oder andere strangulieren könnte. Ich zog die Jalousien hoch; sie sollten wissen, dass ich nichts zu verbergen hatte. Dann dachte ich, das könnte verdächtig wirken, und ließ sie wieder herunter. Eine blieb stecken und hing schräg.

Zwei, drei Stunden vergingen. Jemand kam mit einer Flasche Wasser und ging wieder. Endlich kam eine Polizeibeamtin.

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"Sie sind verhaftet", sagte sie. "Verhaftet? Wofür?" "Fürs Ausstellen ungedeckter Schecks." "Das habe ich noch nie gemacht." "Mir liegt da etwas anderes vor."

Sie legte mich in Handschellen und führte mich durch den Flughafen zum Vordereingang, wo ihr Streifenwagen stand. Nie werde ich vergessen, wie ängstlich, ehrfürchtig und wütend die Leute mir nachschauten, als ich durch den Flughafen lief. Normalerweise erntet man eher mitleidige oder verächtliche Blicke, wenn man in Handschellen abgeführt wird.

Die Beamtin steckte mich in den Streifenwagen und wir fuhren die kurze Strecke durch sonnenversengte Felder zum kleinen Flughafen-Jail samt Polizeirevier, das an eine besonders nichtssagende Vorstadtbibliothek erinnerte. Sie parkte und ging hinein.

Vier meiner sieben Haftstrafen resultierten direkt aus meiner Trunkenheit. Ich bin genesender Alkoholiker.

Ich saß still auf der harten Plastikrückbank, die Hände hinterm Rücken gefesselt. Ich schob meine Arme unter den Beinen durch, damit sie vorne waren. Und wartete. Das Auto war aus und die Fenster geschlossen. Es wurde heiß. Es war gegen 15 Uhr, und innerhalb von Minuten hatte ich die klimaoptimierte Luft im Auto verbraucht. Es hatte mindestens 32 Grad im Auto. Ich konnte weit und breit niemanden sehen. Ich schrie; ohne Erfolg. Ich konnte mich nicht auf den Rücken legen—zwischen den Sitzen war eine Erhöhung—doch ich tat mein Bestes, Hebelkraft aufzubauen, und fing an, gegen die Fenster zu treten. Ich geriet langsam in Panik. Die heiße Luft schloss sich um mich wie eine Plastiktüte um den Kopf. Ich trat fester. Ich versuchte, beide Fersen gleichzeitig durch die Scheibe zu stoßen. Nichts passierte. Ich schrie weiter. Dann lag ich hechelnd da und erkannte: "Das ist also mein Tod. Ich sterbe auf dem Rücksitz eines Streifenwagens."

Dann kam sie zurück. Ich hörte auf zu schreien. Sie öffnete die Tür auf meiner Seite.

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"Bisschen heiß da drin", sagte ich beim Rausklettern. Ich war schweißgebadet.

"Komisch", sagte sie. "Ich dachte, ich hätte es angelassen."

Es gab, soweit ich sehen konnte, drei Zellen in diesem Jail, und da ich in Austin die Isolationszelle kennengelernt hatte, bat ich darum, in eine mit Gitter gesteckt zu werden.

"Es hilft, wenn ich rausschauen kann", sagte ich.

"Es interessiert uns nicht, was Sie angenehm finden", sagte einer der dortigen Cops. "Sie kommen in die Zelle, die wir Ihnen zuteilen. Und da bleiben Sie, bis man Sie nach Austin transportieren kann."

"Runter nach Austin?"

"Travis County. Dort sind Ihre Schecks geplatzt. Dorther stammt der Haftbefehl", sagte mir die Beamtin. "Wenn sie tatsächlich Klaustrophobie haben, können wir Sie in die größere Zelle stecken." Sie hatte offensichtlich ein schlechtes Gewissen wegen der Autosache. "Haben Sie Klaustrophobie?"

Aus irgendeinem Grund zögerte ich mit der Lüge. "Ähm, ich habe keine Diagnose bekommen. Aber in engen Räumen werde ich verrückt."

Nach etwas Hin und Her steckten sie mich in die größere Zelle mit den Gitterstäben. In solchen Zellen gibt es oft ein Telefon. Ich machte meinen Anruf. Inzwischen war es spät und meine Frau und Töchter hatten den Rückflug nach Kansas City ausfallen lassen und sich bei Verwandten in Fort Worth einquartiert. Nun suchten sie einen geeigneten Kautionsagenten. Beim Schichtwechsel mussten die diensthabenden Beamten ihren Nachfolgern alles über die neuen Häftlinge mitteilen, und so konnte ich lauschen.

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"Geplatzte Schecks? Das ist eine geringfügige Sache. Dafür können wir ihn nicht hierbehalten." "Ich weiß nicht. Der kommt vom Flughafen. Bei der Einreise erwischt."

"Sie wollen ihn nach Travis County schicken. Wir sollen ihn hierbehalten, bis der Bus nach Dallas kommt."

"Wir ordnen für geplatzte Schecks keinen Transport an. Wir verhaften dafür keinen. Hey, Clancy Martin! Haben Sie außer geplatzten Schecks noch etwas angestellt? Gab es am Flughafen Probleme? Wo wohnen Sie?"

"Nein! Ich meine, ich weiß es nicht mal. Ich wohne in Kansas City."

"Wir müssen ihn entlassen. Hey, Martin. Haben Sie jemanden, der Sie abholen kann?"

"Ja! Meine Frau! Sie kann sofort hier sein! Sie ist ganz in der Nähe!"

"OK, rufen wir mal Ihre Frau an, dann können Sie so lange in der Zelle warten. Falls Sie nicht lieber draußen warten wollen."

"Ich warte draußen."

Sie ließen mich raus und ich saß auf dem vertrockneten Gras vor dem Polizeirevier und sah in der texanischen Hitze zu den Sternen auf, bis die Scheinwerfer des kleinen VWs meiner Mutter sich näherten. Meine Rettung.

Die fünfte und sechste Haftstrafe war jeweils in Kansas, wo es sich im Jail sehr viel besser aushalten lässt als in Texas.

Nummer fünf war allerdings auch die für mich verstörendste Haft, denn ich erinnerte mich nur noch, wie der Barkeeper meiner Lieblingsbar in Campusnähe mir das Glas so voll mit Scotch machte, als sei es Bier. Als ich wieder zu mir kam, hörte ich die Geräusche um mich und wusste sofort, wo ich war. Also ließ ich die Augen zu. Ich konnte schon spüren, wie der Kater sich anpirschte, und verstand verschwommen, was wohl passiert war, doch meine Erinnerung blieb leer. Da war nur dieser Drink und eine geschäftige Bar voller Freunde. Ich wusste, dass meine Frau unfassbar wütend sein würde; ich hatte offiziell mit dem Trinken aufgehört. Ich öffnete die Augen. Ich lag unten in einem Stockbett. Ich sah mich um: Die Zelle lag direkt an einem großen Gemeinschaftsbereich und die Tür war offen. Ich ging hindurch und sah zwei Stockwerke mit Zellen, die den großen Raum im Zentrum umschlossen. Dort waren Picknicktische am Boden festgenietet. Es gab vielleicht zwei Dutzend Zellen mit etwa 30 Häftlingen. Ein Wärter saß an einem Schreibtisch vor der Sicherheitsschleuse, neben ihm an der Wand eine Reihe Telefone. Der Schreibtisch stand auf einem Ein-Meter-Podest, sodass man das Kinn auf Tischhöhe hatte, wenn man mit dem Beamten reden wollte. Ich ging zu ihm rüber. Aufgrund dessen, was dann geschah, erinnere ich mich perfekt an ihn. Er hatte blaue Augen, war in seinen 40ern, hatte braunes, hinter die Ohren gekämmtes Haar, und sein Gesicht sah irgendwie teigig und aufeinandergeklatscht aus, wie ein Stapel Pfannkuchen. Er hatte dicke, violett-bläuliche Lippen. Er war ein unattraktiver Mann, aber ich hoffte, er könne mir helfen. "Ich heiße Clancy Martin", sagte ich. "Mh-hm." "Können Sie mir sagen, warum ich hier bin?" "Wie heißen Sie noch mal? Seit wann sind Sie hier? Das hier ist kein Infoschalter."

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So ging es eine Weile. Irgendwann fand er mich in seinem Computer.

"Hier steht: ‚Alkohol am Steuer'."

"Steht da mehr? Gab es eine Kollision? Steht da, ob ich jemanden verletzt habe?"

"Es war schlimm. So viel steht da", sagte er. "Mehr nicht; nur, dass es schlimm war."

"Woher wissen Sie das? Was steht da?" "Mehr kann ich Ihnen nicht sagen. Fragen Sie Ihren Anwalt." Ich versuchte, mich an das Auto zu erinnern, oder die Leute, die ich angefahren hatte. Ich musste mir die Tränen verkneifen. Das ist noch eine seltsame Sache an diesen Situationen: Meist weinst du erst, wenn du mit einem lieben Menschen telefonierst. Die Sorge in der Stimme des anderen erfüllt dich mit Selbstmitleid, und dann kommen die Tränen. Ich habe schon Männer im Gefängnis weinen sehen, ohne dass man sie verspottet hätte. Aber die Filme haben doch Recht; es ist besser, die Tränen runterzuschlucken. So habe ich es immer gemacht, mit ein oder zwei Ausnahmen, als ich mein Gesicht gut verbergen konnte.

"Aber ich bin nicht gefahren. Ich war nur müde." "Sie sind betrunken. Wie sind Sie dorthin gelangt, wenn Sie nicht gefahren sind?"

Ich wusste meine Nummer zum Glück noch. Meine Frau ging ran. "Was ist passiert? Wo bist du? Im Gefängnis?" "Du musst rausfinden, was passiert ist. Ich weiß nicht, ob ich jemanden verletzt habe. Ruf im Jail von Kansas City an. Was, wenn ich jemanden umgebracht habe?" Ich fing an zu weinen, riss mich aber zusammen, bevor es jemand merken konnte. Wie sich rausstellte, hatte der Wärter am Schreibtisch mich angelogen. Ein paar Tage später war ich bei meinem Anwalt in Lawrence, Kansas, und er sagte mir, ich sei im zähfließenden Verkehr auf dem Highway leicht auf das Auto vor mir aufgefahren, ohne auch nur eine Delle zu verursachen. Dann war ich auf den Seitenstreifen gefahren, wobei mir rechts beide Reifen platzten. Als das Auto zum Stillstand kam, war ich rausgesprungen und losgerannt. "Sie haben das meiste davon gefilmt", sagte mein Anwalt. Er hatte Kinder im selben Alter wie meine Töchter. Meine Frau studierte in Lawrence Jura, also hatten wir viel Gesprächsstoff. "Ich habe die Videoaufnahme da. Wollen Sie sie sehen? Es ist eigentlich ziemlich lustig. Vielleicht können Sie so das Ganze mit ein bisschen Humor sehen."

"Nein, danke." "Kann ich verstehen", sagte er. Derselbe Anwalt vertrat mich etwa ein Jahr später, als ich mich nach einem Vortrag an einer Universität im Norden Missouris betrank und auf dem Heimweg verfuhr. Diesmal wachte ich schon im Streifenwagen auf und flehte unter Tränen, nicht ins Gefängnis gebracht zu werden. Als sie mich fanden, war ich 130 Kilometer südlich von meinem Wohnort.

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"Guter Mann, Sie wären fast gestorben. Sie standen in einem Schneesturm am Rand des Highways. Wir mussten sie verhaften."

"Aber ich bin nicht gefahren. Ich war nur müde." "Sie sind trotzdem betrunken. Wie sind Sie dorthin gelangt, wenn Sie nicht gefahren sind?"

Mein letzter Gefängnisaufenthalt war vor fünf Jahren. Die Kinder waren spät dran für die Schule und meine Jüngste wollte sich partout nicht in den Kindersitz setzen. Also sagte ich ihrer großen Schwester, die vorn saß, sie solle die Kleine auf den Schoß nehmen und mit ihrem Gurt mitanschnallen. (Ich weiß, ich war in dieser Situation ein sehr schlechter Vater. Ich hatte 20 Minuten gebraucht, nur um ihr die Schuhe anzuziehen.) Ich hatte es so eilig, dass ich am Stoppschild an der Ecke einfach langsam durchrollte. Da fing es an, Blau-Rot hinter mir zu blitzen. Es war ein großer weißer Undercover-Van. Warum sie jemanden für einen Stoppschild-Roller anhielten, weiß ich bis heute nicht. Ich bin ein Polizistenmagnet.

Der stämmige Cop war entsetzt über die chaotische Situation in meinem Auto. Drei Kinder im Alter von 17, 7 und 5, von denen keines wirklich angemessen angeschnallt war. Ich weiß nicht mehr, wahrscheinlich hatte ich mich noch nicht einmal selbst angeschnallt.

"Mr. Martin, ich muss Sie bitten, aus dem Auto zu steigen."

"Ich versuche, meine Kinder in die Schule zu bringen. Ich setze sie jetzt in den Kindersitz. Es tut mir leid. Ich war in Eile." "Es tut mir leid, Sir. Ein Kind nicht in den Kindersitz zu setzen und es dafür vorne sitzen zu lassen, ist sehr gefährlich. Das ist ein ernstes Vergehen. Mädchen, seht zu, dass ihr euch immer anschnallt, OK? Ihr müsst in euren Sitzen sein. Mr. Martin, steigen Sie jetzt bitte aus."

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Ich wollte immer noch nicht wahrhaben, dass sie mich verhafteten, als sie mich schon zur Rückseite ihres Transporters brachten. Meine 17-jährige Tochter lief zurück zum Haus, ihre jüngste Schwester in den Armen. Die Siebenjährige folgte ihr. Gott sei Dank waren wir nur einen halben Block von zu Hause entfernt.

Jenes Mal, das letzte Mal, verbrachte ich den Großteil des Nachmittags mit Handschellen an eine Bank gefesselt, die in einem sehr geschäftigen Korridor stand, gleich am Polizei- und Häftlingseingang des großen Jails in der Innenstadt von Kansas City. Dann war ich kurz mit drei oder vier anderen Typen in einer Zelle, von wo aus ich meine Frau anrief. "Ich ertrage das hier nicht mehr", sagte sie. "Das muss das letzte Mal bleiben, dass ich dich aus dem Gefängnis hole." Danach steckten sie mich in eine andere Zelle mit zwei Männern Anfang 20, von denen einer psychisch gestört wirkte. Er stand von der Bank auf und setzte sich dann wieder hin, schloss die Augen und schüttelte den Kopf, sprang mit zugehaltenen Ohren umher und schrie uns aus nächster Nähe Dinge ins Gesicht. "Schlechte Medizin, schätze ich", sagte ich zu dem anderen Insassen. Irgendwann, als der verstörte Mann unserem Zellengenossen wieder direkt ins Gesicht brüllte, verpasste der ihm einen harten Faustschlag auf die Nase. Er zog sich zurück und saß dann in einer Ecke, wo er sich mit beiden Händen die blutige Nase hielt. "Ich hab' nichts gesehen. Du etwa?", fragte mich der Schläger. "Nein", sagte ich. Wir saßen mehrere Stunden dort, bis meine Kaution bezahlt wurde und ich wieder frei war. Diesmal hatten sie beim Einchecken meinen Ehering kassiert (den Schmuck und das Portemonnaie nehmen sie einem bei der Ankunft ab; wenn sie einem die Kleidung lassen, ist das meist ein gutes Zeichen). Als ich wieder auscheckte, war der Ring verschwunden.

Nach fast jeder meiner Verhaftungen wurden die Anklagen entweder fallengelassen oder stark reduziert, und das meist ohne anwaltliche Hilfe. Damit wären wir wieder bei Zelle 5C, denn damals waren vier Anwälte involviert: die zwei Anwälte, die für meine Festnahme gesorgt hatten; mein inkompetenter Anwalt in North Carolina, der mir sagte, ich müsse vermutlich mindestens einen Monat im Jail aushalten, "ganz zu schweigen von dem, was in den Kleinstadt-Jails auf dem Weg nach Texas mit Ihnen passieren wird" (es handelte sich ja um einen Haftbefehl aus Arlington, Texas); und Irene, eine Strafverteidigerin aus Arlington und Freundin von mir. Irene rief den dortigen Polizeichef an und drohte damit, ihn zu verklagen, wenn er nicht sofort meine Freilassung anordnete, die Anzeige zurücknahm und sich entschuldigte. Das tat er auch, aber erst nachdem ich eine Woche in 5C verbracht hatte.

Als ich durch die Sicherheitsschleuse in die Zelle geführt wurde, sah sie fast leer aus. Ich erblickte zuerst nur einen Typen in einer improvisierten Hängematte, die etwa zwei Meter über dem Boden an den Gitterstäben befestigt war. Auf der anderen Seite des Gitters gab es ein Fenster, das den Häftlingen nur Licht spenden sollte, doch sie kletterten die Stäbe hinauf, banden sich aus einer Decke einen Sitz und blickten hinaus.

Der Fensterschauer starrte von seinem Aussichtspunkt auf mich herunter. Ich erwiderte seinen Blick. "Lass mich raten", sagte er. "Computerbetrug." Bald erfuhr ich, dass 5C die Jail-Zelle in Wilmington war, in die sie Mörder sperrten, bevor diese ins Prison gebracht wurden, oder wenn sie gerade von einem Prison in ein anderes verlegt wurden. Ich verstehe bis heute nicht, welche Logik gebietet, dass alle Mörder zusammengepfercht werden—oder warum sie es für eine gute Idee hielten, einen schmächtigen Weißen zu ihnen zu stecken, der wegen eines gewaltlosen Vergehens nach Texas gebracht werden sollte.

"Ich wollte sie nicht umbringen. Sie hat mich angegriffen. Normalerweise sterben Leute nicht von einer Kugel."

Ich machte ein Projekt daraus, die Mordgeschichten aller Insassen von 5C herauszufinden. Das war eine heikle Angelegenheit, denn viele sind nicht geneigt, ihr Verbrechen zu gestehen, während sie in einer Jail-Zelle warten. Aber letztendlich bekam ich es aus den meisten heraus. T hatte seine Frau bei einem Streit erschossen. "Ich wollte sie nicht umbringen. Ich wollte sie nur ein bisschen aufhalten. Sie hat mich angegriffen. Es war Selbstverteidigung. Normalerweise sterben Leute nicht von einer Kugel." Ein weiterer Typ, an dessen Namen ich mich nicht erinnere, hatte seine Freundin und ihre zwei Kinder mit einem Staubsauger erschlagen. Er gab damit an. Das war der Typ, der neben mir auf meiner Matratze saß—sehr zu meinem Unglück wurde meine Matratze auf dem Boden zum Versammlungsort der Insassen am unteren Ende der Hackordnung von 5C. Vor allem zum Kartenspielen setzten sie sich zu mir. Einmal beschuldigten sie mich, betrogen zu haben, dabei hatte ich einfach nur eine Karte in meiner Hand übersehen, die ich eigentlich hätte hinlegen müssen. All diese übelriechenden, ungewaschenen Typen saßen, schwitzten und furzten den ganzen Tag auf der Matratze, auf der ich nachts schlief. Das war nicht nur eklig, sondern auch erniedrigend. Aber ich verhielt mich in 5C umgänglich, denn ich brauchte alle Freunde, die ich finden konnte. Ich war der einzige Weiße in der Zelle.

Am meisten faszinierte mich Mirror. Sie nannten ihn Mirror, weil er sich sehr lange und gründlich die Zähne putzte und dabei seine Arbeit in einem Edelstahlspiegel begutachtete. Am ersten Tag in der Zelle blieb ich für mich und Mirror ließ mich in Ruhe. Doch er beobachtete mich. Am zweiten Tag fand ich den Mut, mich zum Mittagessen an einen der Picknicktische zu setzen. Ich aß sehr schnell und räumte eilig das Feld; danach spielte ich ein paar Runden Schach mit ein paar verschiedenen Typen. Nach dem Abendessen des zweiten Tags kam Mirror auf mich zu. Ich wusste, dass irgendwas passieren würde, denn er hatte drei oder vier von seinen Kollegen dabei. Ich saß am Picknicktisch und wollte gerade einen Schachzug machen.

"Was zur Hölle machst du da, Mann?", fragte er mich. "Steh auf! Steh auf, wenn ich mit dir rede!"

Seine Freunde machten mit; es hagelte Sprüche und Beleidigungen. Es wurde geschrien und mit dem Finger gezeigt. Alles ging sehr schnell. Er drängte mich immer weiter rückwärts, in Richtung der Gitterstäbe. Mir blieben nicht viele Optionen, das wusste ich. Also wählte ich die einzige, von der ich mir auch nur ein bisschen Erfolg versprach: Ich stieß mit der Brust gegen ihn. Er stieß zurück. Ich weiß noch, dass mir durch den Kopf ging, dass ich das noch nie gemacht hatte, und überlegte, ob ich es schaffen würde, ihn in den Schwitzkasten zu nehmen. Der Mann war sicher 20, 25 Kilo schwerer als ich, und viel, viel stärker. Außerdem hatte er keine Angst vor mir. Ich machte mir schon fast in die Hose und versuchte, es mir nicht anmerken zu lassen.

Und dann war es vorbei. "Du bist meine Zeit nicht wert", sagte er und seine Gruppe zog sich in ihre Hälfte der Zelle zurück—die gute Hälfte, wo das Telefon, die Dusche und die Essensluke waren. Ich kehrte zu meiner Matratze zurück. Ein paar Leute klopften mir auf die Schulter. Am nächsten Tag, ich spielte gerade vor dem Mittagessen eine Runde Schach, setzte Mirror sich hin, schubste den Kerl, mit dem ich spielte, zur Seite und stellte die Figuren neu auf.

"Ich würde mal sagen, du nimmst Weiß", sagte er und lachte. Nachdem ich ihn ein paar Mal hintereinander besiegt hatte—es zahlt sich aus, als Kind schon im Schachclub gewesen zu sein—sagte er, schön laut und deutlich, damit alle es hörten: "Krass. Ab sofort nennen wir dich Chessmaster." Noch am selben Tag stellten sich mir etwa die Hälfte meiner Zellengenossen vor und ich hatte während meines ganzen restlichen Aufenthalts in 5C keine Angst.

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