wodka

Wodka aus den Tiefen des Ozeans

Aus arktischem Tiefseewasser wird in einer kleinen Familiendestille auf Maui, Hawaii ein einzigartiger Wodka gebrannt. Der Brennmeister der Destille, Bill Scott, erklärt uns den Herstellungsprozess genau.

von Matthew Zuras
29 Januar 2016, 5:00pm

Photo by Jessica Pearl, courtesy of Hawaiian Sea Spirits Distillery.

Die sieben Weltmeere sind voll mit Geschenken der Natur und unzähligen Kostbarkeiten: Myriaden an köstlichen Fischen, Krustentieren und Mollusken, Meersalz, sagenumwobene halbnackte Fischschwanzfrauen, mystische Unterwassergötter und versunkene Schätze.

Und jetzt auch Wodka.

Wir sind auf der hawaiianischen Insel Maui in der fruchtbaren Landwirtschaftsregion Kula. An der Westseite des Vulkans Haleakalā versteckt liegt die Hawaiian Sea Spirits Distillery and Organic Farm. Hier werden Wunder vollbracht: Aus Tiefseewasser wird hochwertiger Alkohol.

Die Destille wird von den Smiths geleitet, die seit drei Generationen auf der Pazifikinsel leben. Für sie ist Meerwasser eine umweltfreundliche und nachhaltige Basis für Wodka, der dadurch einzigartig in Geschmack und Herstellung ist. Seit 2005 brennen einen eigenen Wodka mit Meerwasser, der gleichzeitig auch eine Hommage an die Natur und die wichtigste Ressource der Insel ist, den Ozean. Ihr Wodka, „Ocean", ist—wie sie selbst sagen—ein Familienprodukt, das mit viel Liebe hergestellt wird. Dabei wird nachhaltiger Zuckerrohr kombiniert mit mineralhaltigem Meerwasser, das aus fast 100 Metern Tiefe an der Westküste der Hauptinsel Hawaii gewonnen wird.

The Point at Ocean Vodka Aerial Credit Blue Sky Aerials

Blick über das Gelände der Hawaiian Sea Spirits Distillery. Foto von Blue Sky Aerials

Wodka kann natürlich aus allen möglichen bizarren Dingen hergestellt werden, zum Beispiel Reis oder auch Quinoa. Aber durch das Meerwasser—und auch den destillierten Zuckerrohr, der eigentlich eher bei Rum als bei Wodka verwendet wird—wird Ocean fein und einzigartig im Geschmack und zu einer der innovativsten Wodkakreationen der modernen Zeit.

Um den Herstellungsprozess dieses einzigartigen Getränks besser zu verstehen, habe ich mich mit dem Brennmeister der Destille, Bill Scott, unterhalten.

MUNCHIES: Hey Bill. Warum machst du deinen Wodka aus Meerwasser? Bill Scott: [Das] war die kreative Eingebung unseres Gründers, Shay Smith. Wir wollen den Geist von Maui und Hawaii in unsere Produkte einfließen lassen. Wir leben auf einem kleinen Flecken Erde inmitten eines riesigen Teiches und deshalb hat man auf Hawaii auch eine enge Bindung zum Ozean. Für uns ist er der Quell des Lebens, gleichzeitig bedienen wir uns an seinen Früchten. Unser Wodka heißt daher auch Ocean. Das Meer gehört auch zu uns als Firma. Indem wir den Ozean in Flaschen abfüllen, drücken wir unsere Liebe zum Meer aus—es gibt keinen besseren Weg, oder?

Master Distiller Bill Scott Credit Jessica Pearl

Brennmeister Bill Scott. Foto von Jessica Pearl

Wie entsalzt ihr das Wasser? In Kona auf Hawaii haben wir eine Firma gefunden, Koyo USA, die Wasser aus über 100 Metern Meerestiefe über eine staatliche Pipeline an die Oberfläche befördern darf. Dieses Wasser ist eigentlich geschmolzenes Eis aus dem Nordatlantik. Durch Meeresströmungen, über das sogenannte große marine Förderband, kommt es bis hierher, das dauert schätzungsweise 2.000 Jahre. Koyo befördert dieses kristallklare, 5° C kalte Wasser ohne Verunreinigungen dann nach oben und filtert es mit einer besonderen Methode, der sogenannten Umkehrosmose, um jegliches Meersalz zu entfernen. Wichtige Mineralstoffe—Calcium, Magnesium und Kalium—bleiben erhalten und zwar in Mengen, die unser übliches Mineralwasser alt aussehen lassen.

Wir nennen es gerne Tiefsee-Mineralwasser. Es schmeckt unglaublich reichhaltig und rund. Einige meinen sogar, [es ist] leicht salzig. Ich weiß ja nicht, aber es hat auf jeden Fall viele Mineralstoffe.

Inwieweit beeinflusst die Qualität des Wassers auch die Qualität des Wodkas? Ocean besteht zu 60 Prozent aus Wasser, es ist also sehr wichtig. Das Wasser, was beim Herabsetzen auf Trinkstärke verwendet wird, ist am wichtigsten bei gebranntem Alkohol. Schon die kleinste Veränderung kann das Endprodukt total verändern.

Sugar Cane 2 Credit Jessica Pearl

Zuckerrohr. Foto von Jessica Pearl

Und welche Rolle spielt der Zuckerrohr? Die reifen Rohrewerden zerstoßen, damit der Saft austreten kann. Der wird dann gesammelt, gefiltert und kommt in einen Gärtank. Dann geben wir Hefe hinzu, verschließen alles gut und warten drei bis vier Tage. Währenddessen wandelt die Hefe den Zucker in Alkohol um, das nennt man Fermentation. Wenn die Hefe nicht mehr aktiv ist, bleibt ein „Bier" übrig, das wir erhitzen, bis der Alkohol verdampft ist. Die Alkoholdämpfe werden gesammelt und dann wieder kondensiert, sodass eine unreine Wasser-Alkohol-Lösung entsteht mit circa 40 Prozent Alkoholanteil. Dieser „Rohbrand" wird dann noch einmal in der Destillationskolonne destilliert. So entsteht ein Feinbrand mit 96,5 Volumenprozent Alkohol. Der wird anschließend mit Tiefseewasser auf 40 Volumenprozent herabgesetztdann wird der Ocean Wodka abgefüllt.

Distillation Column Credit Jessica Pearl

Eine Destillationskolonne der Hawaiian Sea Spirits Distillery. Foto von Jessica Pearl

Warum ist es kein Rum, sondern ein Wodka, obwohl er mit Zuckerrohr hergestellt wird? Wodka ist eine Spirituose, die auf mindestens 95 Volumenprozent gebrannt wird und dann herabgesetzt wird, bis die Trinkstärke fürs Abfüllenerreicht ist. Jede Zutat, die Zucker produziert, kann auch als Grundlage zur Wodkaherstellung verwendet werden. Auf dem Markt gibt es Wodka aus Obst, Getreide, Mais, Kartoffeln, Reis, Maniok, Zuckerrohr—sogar aus Laktose, also Milchzucker. Rum, wie zum Beispiel unser Deep Island Hawaiian Rum, muss aus Zuckerrohr oder Nebenprodukten von Zuckerrohr gemacht werden und wird nicht stärker gebrannt als maximal 94,9 Volumenprozent. Dieser schwächere Brand ist für den Geschmack von Rum entscheidend.

Bottling Room 1 Credit Jessica Pearl

Die Abfüllanlage. Foto von Jessica Pearl

Nachhaltigkeit ist für euch als Firma sehr wichtig. Wie erntet ihr den Zuckerrohr im Vergleich zu anderen Produzenten? Die Zuckerrohrernte ist auf Hawaii, insbesondere auf Maui, ein extrem umstrittenes Thema. Es gibt über 140 km² Zuckerrohrplantagen. Viele brennen die reifen Pflanzen ab, damit sie nicht so viele Blätter ernten müssen und die Rohre schon vorgetrocknet sind, wodurch die Verarbeitung natürlich einfacher wird. Während der Erntezeit sieht man hier überall riesige Rauchwolken, was zu Aschestaub, verqualmter Luft und den ganzen anderen Nebenwirkungen führt. Wir ernten den Zuckerrohr anders:Wir brennen unsere Felder nicht nieder, sondern wir schneiden den Zuckerrohr, wenn er am meisten Zucker enthält und pressen die Rohre sofort. Die grünen Blätter mulchen oder kompostieren wir, sodass der Boden seine Nährstoffe wieder zurückerhält.

Vielen Dank für das Gespräch!