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Industriell verarbeitete Lebensmittel sind Crack für unser Gehirn

Immer mehr Studien zeigen: Raffinierter Zucker und Fett haben eine ähnliche Wirkung auf unser Gehirn wie Drogen, Alkohol oder Rauchen.
27.10.15

Genau wie Crack, der kleine synthetische Bruder von Kokain, können verarbeitete Lebensmittel wie raffinierter Zucker und Fettzusätze einen Schub in unserem Belohnungssystem des Gehirns verursachen, zu dem nichts in der natürlichen Welt in der Lage ist. Und genau wie bei Crack haben auch viele Leute ein Verlangen nach diesen Nahrungsmitteln, das mit dem eines Junkies vergleichbar ist.

Tief drinnen weiß jeder irgendwie, dass es eine leicht angsteinflößende, aber durchaus auch angenehme Verbindung zwischen Essen und Sucht gibt, besonders wenn es um Gerichte und Produkte geht, die voll mit Zucker, Fett und Salz sind.

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Köche wissen es schon lang und die Wissenschaft bestätigt langsam, dass Zucker und Fett tatsächlich süchtig machen. Psychologen der University of Michigan haben diese Verbindung mit einer neuen Studie mit dem Titel „Which foods may be addictive? The roles of processing, fat content, and glycemic load" bekräftigt. Die Autoren haben die Übeltäter auf Nahrungsmittel wie „Schokolade, Pizza und Pommes frites" eingeschränkt.

„Personen mit Symptomen der Nahrungsmittelabhängigkeit oder mit einem erhöhten Body-Mass-Index berichteten von größeren Problemen mit hochindustriell verarbeiteten Nahrungsmitteln, was darauf hindeutet, dass einige besonders empfänglich für die potentiellen ‚belohnenden' Eigenschaften dieser Nahrungsmittel sind", sagte Erica Schulte, eine Doktorandin in Psychologie an der University of Michigan und die leitende Autorin der Studie, in einer Pressemitteilung.

Zwischen unverarbeiteten Nahrungsmitteln „ohne Fettzusatz oder raffinierte Kohlenhydrate wie brauner Reis oder Lachs" konnte hingegen kein Zusammenhang zu „suchtartigem Essverhalten" hergestellt werden.

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Aus der Studie ergab sich, dass Nahrungsmittel die gleichen biologischen Mechanismen aktivieren wie Drogen. „Nicht alle Nahrungsmittel führen zu suchtartigem Essverhalten und hochindustriell verarbeitete Nahrungsmittel, die die gleichen Eigenschaft wie beim Drogenmissbrauch aufweisen (z. B. hohe Dosen, schnelle Resorptionsgeschwindigkeit) scheinen besonders mit ‚Nahrungsmittelabhängigkeit' assoziiert zu werden.

Anders als Crack braucht man Nahrung, um zu überleben. Diese Tatsache macht es für selbstdiagnostizierte Esssüchtige oder nach bestimmten Nahrungsmitteln Süchtige zu erkennen, ob es sich bei ihrem Verlangen um Hunger oder um die Sucht handelt. Deshalb sind laut des Teams der University of Michigan neurologische Daten die nächste Barriere in der Erforschung von der Sucht nach bestimmten Nahrungsmitteln und ihrem Zusammenhang mit Adipositas.

„Wenn wir bestimmte Nahrungsmittel und Eigenschaften von Nahrungsmitteln, die diese Suchtreaktion auslösen können, identifizieren, ist das ein erster Schritt", sagte sie. „Das könnte nützlich sein, um die Art und Weise, wie wir die Behandlung von Adipositas angehen, zu verändern. Möglicherweise reicht es nicht, den Konsum bestimmter Nahrungsmittel zu reduzieren, sondern es müssen bestimmte Methoden angewandt werden, die normalerweise bei Rauchen, Alkohol oder Drogenkonsum eingesetzt werden."