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Mit Wodka und Käse gepflasterte Straßen für mehr Sicherheit

Um die Verkehrssicherheit zu erhöhen, streut die Regierung jeden Winter Millionen Tonnen von Salz auf unsere Straßen, das in das Grundwasser sickert. Andere, umweltschonendere Produkte wie Wodka und Zuckerrübe könnten aber die gleiche Wirkung haben.
Hilary Pollack
Los Angeles, US
3.12.14
Photo via Flickr user caribb

Soviel wissen wir: Alkohol ist nicht nur zum Trinken da. Er dient auch als Desinfektionsmittel von Kriegswunden und als Lockmittel, um der Schnecken- oder Fruchtfliegenplage ein Ende zu setzen. Aber jetzt, wo der Winter einbricht und wir anfangen, unser Material für den Winterschlaf einzubunkern (hauptsächlich die Zutaten für Glühwein und Punsch), könnte eine überraschende, winterspezifische Verwendung des Lieblingsgetränks der Russen, mit dem sie die eisige Wintertristheit wegtrinken, interessant werden: Wodka als Ersatz für Streusalz.

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Wenn du in einem Teil der Welt lebst, in dem die Straßen immer öfters mit Schnee bedeckt sind, hast du bestimmt schon die Lastwägen und Arbeiter gesehen, die Salz verstreuen, um die Straßen zu trocknen und die Reibung zu erhöhen. Streusalz ist exakt dasselbe wie Kochsalz, das auch als Natriumchlorid bekannt ist. Erstmals wurde in Deutschland in den 1960er-Jahren Salz auf den Straßen verteilt. Mittlerweile sind es hierzulande jeden Winter durchschnittlich 1,6 Millionen Tonnen—eine riesige Menge, die ins Grundwasser sickert und einen beunruhigenden Einfluss auf den Salzgehalt unseres Trinkwassers hat.

Aufgrund der negativen Auswirkungen auf die Umwelt, die das tonnenweise Salz auf den Straßen auf das Grundwasser hat, haben einige Gruppen von Umweltschützern wie das Cary Institute of Ecosystem Studies in den letzten Jahren Alternativen erforscht, von denen aber die meisten kostenintensiver wären und andere potentielle Nachteile haben. Sand beispielsweise ist eine billige Option, die für eine bessere Haftung für Autoreifen sorgt, aber zu Schichtenbildung führt und das Eis nicht schmelzen lässt. Chemische Lösungen hingegen können teuer und mindestens genauso gefährlich für das Ökosystem wie Salz sein.

Xianming Shi, ein Forscher an der Washington State University, arbeitet derzeit an „grüneren" Alternativen aus Gerstenüberresten von Wodkadestillerien—ein Prozess, der durch die vor Kurzem als erfolgreich verzeichnete Anwendung dieses Zeugs in Alaska inspiriert wurde. Das Nebenprodukt ist umweltfreundlicher als Salz (obwohl es immer noch mit Salz vermischt werden soll) und es wird ein Produkt verwertet, das ansonsten im Müll der Wodkaproduzenten gelandet wäre. Die Wissenschaftler der WSU erforschen derzeit auch, ob andere Alkoholproduzenten wie Weinbauern ebenfalls eine verwertbare Substanz mit ähnlichen Anwendungsmöglichkeiten produzieren.

Wissenschaftler und Straßenarbeiten in den USA experimentieren derzeit auch in einigen Bundesstaaten mit Zuckerrüben- und Tomatensaft als potentieller Enteiser. Zuckerrübensaft ist ein Nebenprodukt der Zuckerproduktion aus Zuckerrüben und ist für Autos, LKWs, Gehsteige und Schienenräumer schonender als grobkörniges Salz. Der Gefrierpunkt von Zuckerrübensaft ist außerdem niedriger als der von Salzwasser. Der Saft hat überdies anhaftende Eigenschaften und das sogar bei starkem Niederschlag. In New Jersey wird derzeit Essiggurkenwasser als Enteiser erforscht und in Wisconsin untersuchen Beamte des Straßenbaus derzeit, wie man Salzwasser aus Käse, dem Exportschlager des Bundesstaats, zur Enteisung der Straßen einsetzen könnte.

Wenn die Regierung schon jedes Jahr Millionen von Euro für die Räumung von schnee- und eisbedeckten Straßen ausgibt, könnte man sich zumindest um eine geringstmögliche Umweltbelastung bemühen.

Und wenn man dabei auch noch Gebrauch von Abfällen machen kann, umso besser. Sollen unsere Straßen mit Wodka und Käse gepflastert sein, um sie ein Stück sicherer zu machen.