Design

Designstudenten machen modische Handtaschen aus verrottetem Obst

Überlassen wir es den Designern, das Problem der Lebensmittelabfälle mit Mode zu bekämpfen.

von Nick Rose
17 August 2015, 3:10pm

Lebensmittelabfälle sind auf der ganzen Welt ein Problem. Köche kämpfen an vorderster Front dagegen, indem sie Nahrungsmittel verwerten, die ansonsten im Müll landen würden. Sie sind aber nicht die Einzigen, die sich dieses Themas annehmen.

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Rotterdam ist so aufgeblasen und dekadent wie jede andere moderne Stadt und jeden Tag schmeißen Markthändler etwa 3.500 Kilogramm weitestgehend essbare, aber nicht mehr für den Verkauf geeignete Erzeugnisse in die Mülltonne. Und wie es das Schicksal so will, spielt sich diese Verschwendung quasi in Sichtweite der Willem de Kooning Academie ab, wo eine Gruppe von Designstudenten beschlossen hat, sich ihre eigene Lösung für das Problem der Abfälle und des Überkonsums in ihrer Stadt einfallen zu lassen.

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Fruchtleder. Fotos via Fruitleather Rotterdams Facebook-Seite.

„Nahrungsmittel sind kein Müll, man muss einfach nur einen anderen Zweck für das Material finden. Wir haben unsere Designkenntnisse eingesetzt, um zu einer Lösung zu gelangen, die wir in der Gastronomie fanden", schreiben die Designer auf ihrer Website.

Sie arbeiteten mit einer kulinarischen Methode, bei der Früchte zu einem Püree gekocht werden, dem dann Flüssigkeit entzogen wird und das sich so zu einem haltbaren, lederartigen Material verwandelt, das sich Fruchtleder nennt.

Die niederländischen Designstudenten fanden natürlich eine weitaus modischere Verwendung für die essbaren Früchte: Sie machten eine Handtasche daraus, die sie als Prototypen für zukünftige Produkte sehen.

Laut der niederländischen Regierung landen 14 Prozent aller gekauften Produkte in den Niederlanden im Müll. Das entspricht etwa 2,5 Milliarden Euro pro Jahr—oder etwa 50 kg Essen pro Person. Zu den am häufigsten weggeworfenen Produkte zählen Milch, Brot, Obst und Gemüse.

Das ist eine enorme Verschwendung nicht nur von Essen, sondern auch von Geld und von Energie, denn all dieser Müll muss transportiert und weiterverarbeitet werden, was noch mehr CO2-Emissionen verursacht.

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Andere Früchte, anderes Leder.

Deshalb geht es für die Designstudenten an der Willem de Kooning Academie bei ihrem Projekt Fruitleather Rotterdam um mehr als nur Design oder Mode. Letztendlich hoffen sie, ein Produkt zu kreieren, das nicht nur einem praktischen Zweck dient, sondern auch die Kunden für die riesigen Mengen an Lebensmittelabfällen sensibilisiert.

„Das Ziel dieses Projektes ist es, Bewusstsein für das Problem der Lebensmittelabfälle zu schaffen", schreibt die Gruppe, „und zu zeigen, dass es eine Lösung gibt".

Ich habe Hugo de Boon, eines der Teammitglieder, kontaktiert, um mehr über die Zukunft von Fruchtleder herauszufinden.

MUNCHIES: Hey, Hugo. Erzähl mal, was ist das Ziel eures Projektes? Hugo de Boon: Das Ziel des Projektes ist es, der Welt ein neues Material vorzustellen, das zu 100 Prozent natürlich ist und das einem Problem entspringt, das auf der ganzen Welt existiert: das der Lebensmittelabfälle. Mit unserem Material möchten wir das Bewusstsein im Bezug auf dieses Problem schärfen und zeigen, dass Essen nie Müll ist. Wir möchten auf die Massen an Lebensmittelabfällen aufmerksam machen und den Leuten klar machen, wie unnötig es eigentlich ist. Wir beweisen, dass sogar die scheinbar nutzlosesten und verrottetsten Fruchtstücke auf eine positive Art und Weise verwertet werden können.

Und dabei unterstützen wir die Markthändler und die Stadt. Die Markthändler bezahlen 12 Cent pro Kilo Müll, damit er entsorgt wird, deshalb passiert das oft illegal. Indem wir ihnen den Müll abnehmen, sparen sie sich Zeit und Geld und die Stadt wird nicht mit Müll übersät.

Welche Rolle spielten Essen und Kochen bei der Entstehung eures Projektes? Wir fanden erst heraus, dass Köche eine ähnliche Methode für die Herstellung von Fruchtleder verwenden, als wir unseren eigenen Prozess schon entwickelt hatten. Das erste offizielle Stück Fruchtleder entstand, als wir anfingen, den Früchten Pigmente zu entziehen, um sie als Farbe zu verwenden. Wir sahen großes Potenzial in den Fruchtresten und beschlossen, sie über Nacht zu trocknen.

Kulinarische Aspekte hatten also keinen Einfluss auf das Projekt. Wir fingen mit einer Brainstorming-Session an und Müll war eines der immer wiederkehrenden Themen. Als wir mit den großen Mengen Müll auf Rotterdams Binnenrotte-Platz konfrontiert wurden, wussten wir, worauf wir unseren Fokus legen wollen. Wir sahen uns einfach das Problem an und versuchten, es aus Designperspektive zu lösen.

Was ist der nächste Schritt für Fruitleather Rotterdam? Wir haben vor, unser Material weiterzuentwickeln. Momentan steckt es immer noch in den Kinderschuhen, aber ihm liegt ein starkes Konzept zugrunde. Wir möchten aber so qualitativ hochwertiges Fruchtleder wie möglich produzieren, bevor wir es verkaufen. Wenn wir diesen Schritt geschafft haben, könnte das Material auf eine breite Palette an Produkten angewandt werden. Momentan sind wir damit beschäftigt zu testen, wie wasserabweisend, haltbar und widerstandsfähig das Material ist.

Vielen Dank für das Gespräch, Hugo.