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sydney 2000

Die Geschichte eines Olympiahelden, der nicht schwimmen konnte

Der wahre Held von Sydney war kein gefeierter Superstar, sondern ein Schwimmer aus Afrika. Der hatte erst Wochen zuvor das Seepferdchen in zu kurzen Hotelpools gemacht.
26.3.16
Foto: Youtube

Olympische Spiele sind ein Ort sportlicher Höchstleistungen, wo die Besten der Besten unseres Planeten zusammenkommen und Momente fürs kollektive Gedächtnis geschaffen werden. Doch bei Olympia werden auch andere Geschichten geschrieben. Geschichten von Athleten, deren wahre Leistung weder in Sekunden noch Metern gemessen werden kann. Die Rede ist von den großen Underdogs, die wohl mehr als jeder andere Teilnehmer das berühmte olympische Prinzip Dabei sein ist alles verkörpern. Einer von ihnen war Eric Moussambani.

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Moussambani hatte einen Traum: Bei den Olympischen Sommerspielen als Leichtathlet teilzunehmen. Nur war das Team seiner Heimat Äquatorialguinea für Sydney 2000 schon komplett. Aber Moussambani hatte Glück. Er erhielt vom Internationalen Olympischen Komitee eine Wildcard für die 100 Meter Freistil. Der Gedanke dahinter war, Athleten aus kleineren Sportnationen eine Teilnahme an Olympia zu ermöglichen, ohne dass sie dafür die Qualifikationsnorm erfüllen mussten. Es gab nur ein klitzekleines Problem: Moussambani konnte nicht schwimmen.

Also musste schnellstens ein Trainer her. Doch schnell wurde klar, dass er das Unternehmen alleine angehen müsste. Das nächste Problem war das Trainingszentrum. Es gab keins. Es gab noch nicht mal einen Pool, der länger als 22 Meter war. Und der stand in einem Hotel. Gerüchten zufolge soll er aus Mangel an Alternativen auch in Seen und im Meer trainiert haben.

Moussambani bei der Erfüllung seines größten Traums. Foto: David Gray/Reuters

Als er schließlich in Sydney ankam und das Olympische Becken sah, bekam der arme Moussambani einen Schock. Noch nie zuvor hatte er einen so großen Pool gesehen. Sein Herz rutschte ihm dann noch mehr in die Schwimmshorts, als man ihm mitteilte, dass er im Wettkampf die Distanz zweimal—weil hin und zurück—zurücklegen müsste. Doch auch davon ließ sich Moussambani nicht unterkriegen. Er war gewillt, das Abenteuer zu Ende zu bringen.

Im Vorlauf ging es für Moussambani gegen Karim Bare aus Nigeria und Farkhod Oripov aus Tadschikistan. Beide wurden jedoch wegen Fehlstarts disqualifiziert, weswegen Moussambani am Ende alleine ins Becken musste.

Schnell war dem Publikum klar, dass der Mann mit der komischen Technik nicht nur besonders langsam schwimmen, sondern vielleicht auch gar nicht das Ziel erreichen würde. Darum taten sie das einzig Richtige und wuchsen als Publikum über sich hinaus. Sie jubelten und brüllten Moussambani bis zum Beckenende, auch wenn er die letzten 15-20 Meter kaum noch von der Stelle kam. Die Uhr blieb bei 112,72 Sekunden stehen, was mehr als doppelt so lang wie der Weltrekord über die doppelte Strecke bedeutete.

Doch all das war Moussambani komplett egal, wie er den wartenden Reportern freudestrahlend erzählte. Er war am Ziel seiner Träume angekommen. Und Olympia hatte einen Helden mehr in seinen Geschichtsbüchern.