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Eurobasket 2015

Nowitzkis letztes Hurra und ganz viele hungrige Talente: Die Basketball-EM beginnt

Heute beginnt die Basketball-EM und es wird wohl das letzte Turnier für Dirk Nowitzki sein. Doch Dennis Schröder und Co. sind bereit als Team das Erbe des alternden Stars anzutreten.
4.9.15
Foto: imago

Um 15 Uhr beginnt mit dem Tip-Off der Partie Deutschland gegen Island die erste Runde der Basketball-EM. Und Basketball-Deutschland ist begeistert von einer EM im eigenen Land. Zurecht, denn das letzte internationale Basketballturnier auf deutschem Boden fand vor 22 Jahren statt. Das Resultat von 1993: Deutschland wurde Europameister und eine Basketball-Euphorie war losgetreten.

Doch für den deutschen Basketball bietet das diesjährige Turnier neben einem kleinen Wermutstropfen auch eine Menge Potenzial für junge Spieler und das Ansehen des Sports. Die Eurobasket 2015 wird der letzte Auftritt von Deutschlands scheidenden Star Dirk Nowitzki sein. Er selbst freut sich auf Berlin. „Es wäre ein super Abschluss meiner internationalen Karriere", erzählte Dirkules bei der Bekanntgabe seiner Teilnahme im Juni. Auch Olympia wäre für ihn ein großer Traum, den er sich zum Ende seiner Karriere gerne ein zweites Mal erfüllen würde. „Olympia ist schon irgendwie im Hinterkopf. Peking 2008 war zusammen mit der Meisterschaft mit Dallas der sportliche Höhepunkt meines Lebens. Das nochmal zu erleben, wäre toll", sagte der Würzburger in einem Interview mit der Welt am Sonntag.

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Doch beim diesjährigen Turnier ist die deutsche Mannschaft nicht mehr alleine darauf angewiesen, dass sie wie in der Vergangenheit auf den Schultern des NBA-Stars getragen wird, wenn es brenzlig wird. Seit Längerem bereitet sich der Deutsche Basketball Bund auf eine Post-Nowitzki-Ära vor. Und zwar mit der stetigen Integration neuer junger Spieler. Dieser Umschwung scheint geglückt. Gecoacht von Chris Fleming, zeigt sich das deutsche Team in neuem Gewandt. Mit dem eingedeutschten Anton Gavel und den jungen Talenten Paul Zipser, Maodo Lo, Maxi Kleber und Johannes Voigtmann offenbart sich eine neue Generation von Spielern, die ein enormes Potenzial in sich trägt. Potenzial, das den deutschen Basketball in die Zukunft tragen kann und auch soll. Das zeigen schon alleine die Vorbereitungsspiele, die, trotz manch unzufriedenstellendem Endergebnis auf dem Papier, wie dem 52:76 Debakel im ersten Spiel gegen Frankreich, eine stetige Steigerung des Teams boten—auch ohne Nowitzki. In Dennis Schröder hat das deutsche Team ein Führungsspieler gefunden, der einen immensen Einfluss auf das Spielgeschehen nehmen kann, was er in vielen dieser Vorbereitungspartien eindrucksvoll unter Beweis stellte.

Foto: imago/Camera 4; Paul Zipser beim Korbleger im Spiel gegen Frankreich

Natürlich, das verletzungsbedingte Ausscheiden von Daniel Theis, Elias Harris, Maxi Kleber und Center Maik Zirbes ein herber Verlust für das Team und es limitiert sie in Hinsicht auf das anstehende Turnier deutlich auf den großen Positionen, doch trotz dieses personellen Rückschlags kündigte Nowitzki an, keine 30 min pro Spiel zu spielen. „Wir haben fünf Spiele in sechs Tagen, da muss der Robin Benzing auf meiner Position spielen, der Alex King ist noch dabei, der sehr, sehr athletisch ist", so Nowitzki. Er ist sich seines Limits bewusst und die nächste Generation springt in die Bresche.

Zu dieser jungen Generation gehört auch Neu-NBA-Spieler Tibor Pleiss, der mit dem Mangel an Großen Spielern eine Schippe drauf zu legen muss, um seinen Beitrag zum Erfolg der Mannschaft zu leisten. Für den Youngster Johannes Voigtmann bietet diese Situation wohl die größte Chance. Vor den Verletzungen seiner Mannschaftskameraden galt er als Wackelkandidat, doch nun hat er die Möglichkeit sein Können auf dem Parkett der Mercedes-Benz-Arena zu zeigen.

Schon Anfang August war für Nowitzki klar, dass Dennis eine wichtige Rolle im Team spielen soll, und erteilte ihm seinen Segen. „Dennis soll vorangehen", hieß es vom alternden Star. Eine Zustimmung, die aus seinem Mund eine klare Richtung für die Mannschaft vorgab.

Schröder selbst gibt sich selbstbewusst. „Natürlich ist es eine Ehre, dass Nowitzki sagt, es sei mein Team, aber ich habe die Jungs schon im vergangenen Jahr in der EM-Qualifikation angeführt." Keine leeren Worte, wie der 21-Jährige im letzten Test vor der EM gegen Frankreich zeigte. Seine 16 Punkte reichten zwar auch nicht zum Sieg, doch mit seiner Leistung bewies wieder einmal die Wichtigkeit als Führungsperson im deutschen Team.

Mit dem ersten Gegner Island steht Deutschland wohl vor seiner „leichtesten" Aufgabe dieser EM. Wobei es leichte Spiele bei einer solchen Veranstaltung eigentlich nicht gibt. So stehen mit ihnen neben Island, Spanien, Serbien, Italien und die Türkei in der Gruppe B. Teams, die Deutschland zu einem Außenseiter werden lassen. Doch selbst als dieser Außenseiter stehen die Chancen der Olympiaqualifikation einen Schritt näher zu rücken ziemlich gut. So würde Rang sieben ausreichen, um sich einen Platz in einem der insgesamt drei Qualifikationsturnieren zu sichern. Lediglich die beiden Finalisten lösen ein direktes Ticket nach Rio. Man würde es dem deutschen Basketball mit seinem scheidenden Star und den vielen aufstrebenden Talenten wünschen.

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