fans

Deutsche Hooligans singen auch in Frankreich „Mexico" von den Onkelz

Wie in Lille ertönt das Lied seit 30 Jahren im deutschen Block. Für die einen ist es Liedgut von rechten Hooligans. Für andere einer der besten Fansongs der Nationalmannschaft.

von VICE Sports
27 Juni 2016, 1:00pm

Foto: onkelzvinyl.de

„Señoritas im Arm, Tequila lauwarm. Vom Durchfall geplagt und von Fliegen gejagt. Im Land der Kakteen werden wir, du wirst seh'n, wieder Weltmeister, Weltmeister sein", grölten gestern einige Dutzend deutsche Fans durch die Innenstadt von Lille. Die Textzeilen gehören zum Gassenhauer „Mexico" von der deutschen Rockband „Böhse Onkelz". Das Lied begleitet seit Jahrzehnten die deutsche Nationalmannschaft und ist wegen seiner Geschichte genauso beliebt wie verrufen.


Der „Böhse Onkelz"-Song wurde 1985 für die im Jahr darauf stattfindende Weltmeisterschaft in Mexiko veröffentlicht. Der Inhalt von „Mexico" ist irgendwo zwischen klischeehafter feuchtfröhlicher Auswärtsfahrt nach Mexiko und Wir-Gefühl mit dem Ziel Weltmeistertitel anzusiedeln. Da eben diese Eigenschaften perfekt für das Gemüt einiger Fußballfans aufbereitet sind, wird der Song seit nunmehr 30 Jahren immer wieder bei Auswärts- und Heimspielen der deutschen Nationalmannschaft von einigen Fans gesungen. Der zweifelhafte Ruf der „Böhsen Onkelz" stand der Beliebtheit des Liedes jedoch immer im Weg.

Wegen Demoaufnahmen Anfang der 80er-Jahre von Songs wie „Türken raus" und „Deutschland den Deutschen" halten sich bis heute Vorwürfe, dass die Band rechtsradikal (gewesen) sei. Auch die Nähe der Band zur Hooligan-Szene ist ein Grund dafür, weswegen viele Fans den Song „Mexico" nicht mitgrölen. Die Onkelz veröffentlichten nur ein Jahr vor „Mexico" ihr indiziertes Album „Der nette Mann". Darauf befand sich unter anderem der EM-Song „Frankreich '84" mit nationalistischen Anspielungen wie „Ja, wir sehen uns in jedem Fall, im Sommer '84 beim Frankreichüberfall". Das Lied „Fußball + Gewalt" offenbarte vor allem die Nähe der Band zur Hooliganszene. Zwei der Bandmitglieder sollen sogar während der EM 1984 bei Ausschreitungen festgenommen worden sein. Die zahlreichen Onkelz-Fans und Teile der Hooligan-Bewegung wehren sich hingegen seit Jahren gegen die Kritik an der Band.

Die Onkelz-Fans halten den Kritikern vor, dass sich die Band immer wieder von ihren frühen Werken und auch Aussagen distanziert habe. Die Fußball- und „Mexico"-Fans erklären zudem, dass das Lied wesentlich mehr Inhalt biete als die üblichen „Deutschland, Deutschland"-Rufe oder Fanmeilen-Songs wie „Schwarz und Weiß" von Oliver Pocher. „Mit Sombrero auf und Doc Martens an, so geht die Reise los", heißt es in der ersten Textzeile. Lediglich diese Zeile des Liedes offenbart etwas über die Verbindung von Auswärtsfahrt und der Hoolszene der 80er-Jahre. Wie beliebt die Onkelz sind, zeigen die deutschen Albumcharts: Das Live-Album „Böhse für's Leben" ist momentan auf Platz eins—unter anderem mit dem Lied „Mexico". Den schmuddeligen Ruf wird das Lied jedoch vor allem wegen der Sänger in der Kurve nicht los.

In Lille beendeten die singenden Fans den Refrain mit den Rufen „Deutschland Hooligans". Das Lied soll immer wieder bei Auswärtsspielen der Nationalmannschaft vor allem von solchen Fans zu hören sein, die auch eindeutigere rechtsgesinnte Lieder und Parolen anstimmten. Egal, wie sehr sich die Onkelz, ihre Fans und auch Deutschland-Fans mit einem Faible für den Song „Mexico" noch von einer rechten Gesinnung distanzieren: So lange „Mexico" weiter von rechten Fans gesungen und gefeiert wird, wird er wohl nie von der Kurve angenommen werden.