Fußball

Der mächtigste Anführer der Partizan-Fans wurde erschossen

„Sale, der Totschweiger" war die bekannteste Figur in der Belgrader Fan-Szene. Früher stand er in der Kurve von Roter Stern, bei Partizan bildete er eine gefürchtete Einheit aus skrupellosen Exil-Fans.
14 Oktober 2016, 10:35am
Screenshot: Youtube

Das ein Foto von Aleksandar Stanković, wie er den Mittelfinger in die Überwachungskamera vor der Geschäftsstelle von Partizan Belgrad hält. Kurz davor hatten er und seine Anhänger die Leibwächter des Partizan-Präsidenten Miloš Vazura aufs Übelste verprügelt. Der 30-Jährige hatte sich in den letzten Jahren zum mächtigsten Fan in der Südkurve von Partizan aufgeschwungen.

Gestern wurde er per Drive-By in seinem Audi auf einer Kreuzung in Belgrad erschossen. Laut serbischen Medien soll ein montenegrinisches Kartell für die Tat verantwortlich sein.

Stanković ist einer der bekanntesten Fußball-Gewalttäter in Belgrad. In einer Zeit, in der die Partizan-Ultras „Grobari" in einer große Krise wegen Festnahmen und interner Konflikte der einzelnen Untergruppen steckten, konnte er sich zur mächtigsten Figur in der Kurve aufschwingen. Stanković war nur bekannt unter dem Namen „Sale Mutavi"—zu deutsch „Sale (Spitzname für Aleksandar), der Totschweiger". Er war rund zehn Jahre lang unantastbar in der Belgrader Fanszene.

Stanković war Anführer der „Janjičari", einer Ultra-Einheit, die besonders skrupellos agierte und sich aus Exil-Fans von anderen Vereinen zusammensetzte. Der Name ist angelehnt an die „Janitscharen". Zu Zeiten des Osmanischen Reichs waren sie eine Spezialeinheit des Sultans, die sich vor allem aus der Knabenlese von christlichen Kindern in Bosnien und Serbien zusammensetzten. Stanković selbst war früher Anhänger von Roter Stern Belgrad oder gab sich zumindest als solcher aus.

Die tödlichen Angriffe auf führende Köpfe bei den Partizan-Fans sind keine Ausnahme. Erst im August erschoss der Anführer der Grobari-Gruppe „Alcatraz" den Anführer der Zabranjeni Alen Kostić.