Ernst wird’s noch früh genug ...

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DIE „CHANCENGLEICHHEIT, MY ASS“-AUSGABE

Ernst wird’s noch früh genug ...

Als Ende Mai Deutschland bei der Unicef-Studie zum Thema Kinderarmut nicht gerade gut abschnitt, haben wir uns gefragt, wie es Kindern in sogenannten Brennpunktvierteln eigentlich geht.
25.10.12

Koordination: Svenja Gelfert

Als Ende Mai Deutschland bei der Unicef-Studie zum Thema Kinderarmut nicht gerade gut abschnitt, haben wir uns gefragt, wie es Kindern in sogenannten Brennpunktvierteln eigentlich geht. Wir baten Albrecht Fuchs, bei sozialen Einrichtungen im Rhein-Ruhr-Gebiet anzuklopfen und zu fragen, ob er die Kinder dort treffen und fotografieren darf. Als er uns seine Fotos schickte, waren wir so beeindruckt von den selbstbewussten Posen und dem Humor der Kinder, die so gar nicht dem traurigen Klischeebild entsprachen, dass wir Albrecht anriefen, damit er uns selbst erzählt, was er dort erlebt hat:

„Chorweiler und Düsseldorf-Holthausen wirken auf den ersten Blick schon etwas depri­mierend und heruntergekommen, aber die Kinder im Kindertreff Holthausen und der Arche Düsseldorf hatten eine Menge Spaß daran, von mir fotografiert zu werden. Ein paar Mädchen aus Marokko fingen sofort an zu posieren, weil die alle Germany’s Next Topmodel kucken. Ich mag es nicht, wenn Bilder so voyeuristisch werden, wie das aktuell gerade in den Medien aufgrund des Armutsberichts der Fall ist. Ich weiß natürlich auch nicht, wie repräsentativ meine Fotos sind, aber die Bilder in Stern TV und RTL sind auch nicht repräsentativ. Eine Sorge, die mir von Erwachsenen oft entgegenschlug, war, dass sie Angst haben, sie werden als „Asis“ oder Bodensatz der Gesellschaft abgestempelt. Diese Kinder hier sind in wirklich tollen Einrichtungen, wo sie zu Essen bekommen, Hausaufgaben machen und von wirklich engagierten Leuten betreut werden. Was mit den Kindern ist, die dort nicht betreut werden ist natürlich ein ganz anderes Thema. Aber wirklich interessant ist wohl eher die Frage, was passiert, wenn diese Kinder hier ein bisschen älter werden und mit 13 oder 14 keine Lust mehr haben mit den „Kleinen“ in einen Topf geschmissen zu werden. In Chorweiler gibt es sehr viel Drogenhandel, in den Treppenhäusern der Wohnsiedlungen, und wenn die Angebote für Kinder dann auslaufen, könnte so eine Szene für Kinder in diesen Vierteln dann doch ziemlich attraktiv sein.“