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Heulsuse der Woche: Pegida vs. philippinische Drogengegner (vs. One Direction)

Pegida hat sich ein neues Zählsystem ausgedacht, um der Lügenpresse ein Schnippchen zu schlagen, und die Philippinen haben keinen Bock auf die Kiffer von One Direction.
20.3.15

Und wieder ist es an der Zeit, sich über ein paar Menschen zu wundern, die mit der Welt nicht fertigwerden.

Heulsuse #1: Pegida

Der Vorfall: Die Presse veröffentlicht Teilnehmerzahlen der Pegida-Spaziergänge, die laut den Verantwortlichen eindeutig zu niedrig sind.

Die angemessene Reaktion: Sich nicht beirren lassen. Schließlich hat man ja „das Volk" auf seiner Seite.

Die tatsächliche Reaktion: Sich aus Protest ein komplett abstruses Zählsystem ausdenken.

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Wir haben in der Vergangenheit ziemlich viel über Pegida berichtet und dabei große Teile unserer Montagabende auf den Spaziergängen der besorgten Bürgerbewegung gegen Islamisierung, die Medien und sowieso alles verbracht. Dementsprechend waren wir auch ziemlich froh, als die Bewegung sich nach und nach wieder Richtung Bedeutungslosigkeit zusammenschrumpfte—doch halt! Gibt es wirklich kaum noch gute Deutsche da draußen, die sich zu patriotischen Spaziergängen zusammenfinden oder handelt es sich bei den veröffentlichten Zahlen um eine weitere Finte der Lügenpresse?

Ganz klar Letzteres, sagen die Pegidisten. Und weil man nicht ganz so doof ist, wie man sich bisher vor Kameras verkauft hat, hat sich der Dresdner Anwalt und Islamisierungsgegner Jens Lorek was ganz Besonderes ausgedacht. Pegida zählt seine Teilnehmer jetzt einfach selbst, um ein paar handfeste Zahlen vorweisen zu können, anstatt sich wie bisher auf eine grobe und subjektive Einschätzung der deutschtümelnden Massen verlassen zu müssen. Wie er gegenüber der Hamburger Morgenpost erklärt, soll dazu jeder patriotische Spaziergänger irgendetwas („eine Münze oder einen Knopf oder einen kleinen Goldbarren") in eine der bereitgestellten Tonnen werfen. „Aber jeder nur ein Stück", klar. Damit auch wirklich niemand schummelt, wird das Ganze von zwei Aufpassern kontrolliert.

Wer sich jetzt schon vorstellt, wie die Pegida-Verantwortlichen daraufhin die komplette Nacht lang Ramsch zusammenklauben und auszählen, der irrt. „Das wird relativ schnell gehen. Morgen früh gehe ich zu einer Bank, dort gebe ich die in den Geldzählautomaten und kriege eine Liste, wie viele Münzen von welchem Wert das waren. Die Knöpfe und die Goldbarren werden selber gezählt." Man darf gespannt sein, als wie erfolgreich sich dieses System herausstellen wird. Zumindest auf YouTube haben die Pegida-Anhänger schon einen neuen Schlachtruf gefunden: „Also Münzen werfen. Gegen Antifa, Grüne, Linke und Multi-Kulti-Wahnsinn."

Heulsuse #2: philippinische Drogengegner

Der Vorfall: Zwei Mitglieder von One Direction waren vor längerer Zeit in einem Video beim Kiffen zu sehen. Jetzt wollen sie ein Konzert auf den Philippinen spielen.

Die angemessene Reaktion: Den Töchtern die „Harry, ich will ein Kind von dir!"-Plakate wegnehmen und die Band einreisen lassen.

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Die tatsächliche Reaktion: Mehrere tausend Euro „Pfand" verlangen und einen Drogentest für alle Bandmitglieder fordern.

Ja, OK, wir geben es zu: Das ist jetzt natürlich keine dieser kruden Geschichten mit rein deutscher Beteiligung, die wir in dieser Kolumne sonst so breittreten. Diese Story hier ist aber einfach zu heulsusig, um sie nicht zu bringen.

One Direction gehören aktuell zu den erfolgreichsten Popbands, was eine ziemliche Leistung ist, bedenkt man, dass die Hochzeit der Boybands mit den 90ern schon eine Weile her ist. Die Pop-Gruppierung um den Mädchenschwarm und Ex-Freund von Taylor Swift, Harry Styles, machte im vergangenen Jahr unter anderem auch durch ein halbskandalöses Video von sich reden. Der Clip, der während einer Südamerika-Tour entstanden ist, zeigt die Goldkehlchen Louis Tomlinson und Zayn Malik beim Reden, Rumhängen und—Skandal, Skandal—Kiffen.

Man sagt, das Internet vergisst nicht. Die philippinische Einwanderungsbehörde hingegen kann nicht nur nicht vergessen, sondern auch nicht vergeben. An diesem Wochenende soll die Boyband insgesamt zwei Konzerte auf den Inseln spielen, im Vorfeld kam es allerdings zu einigen Komplikationen. Die Behörde verlangte von Zayn und Louis jeweils 5000 Dollar Pfand, um sich für den Fall abzusichern, dass die Beiden auf die Idee kämen, während ihres Aufenthalts ordentlich einen durchzuziehen.

Obwohl die Summen bereits hinterlegt worden sein sollen, regt sich weiterhin Unmut gegen die Auftritte der Band. Eine lokale Anti-Drogen-Gruppierung fordert per einstweiliger Verfügung einen Drogentest für alle Bandmitglieder. Ein Problem mit der Gruppe selbst habe man nicht, es ginge lediglich „um die Drogen" und den negativen Einfluss der britischen Teenie-Stars auf die philippinische Jugend, ließ die Organisation über ihre Anwältin verlauten.

Letzte Woche: Dynamo Dresden sperrt Journalisten aus, die kritisch über den Verein berichten, und ein Impfgegner weigert sich, seine verlorene Masern-Wette zu begleichen.

Der Gewinner: der knickrige Impfgegner!