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Reisen

Die Insel der gruseligen Puppen

Wenn man einem der Gondoliere, die die Kanäle von Xochimilco am Rande von Mexiko City befahren, genug Geld gibt, nehmen sie einen mit zu Don Julians Isla de las Muñecas, einer Insel, die von einem Wald aus Kinderpuppen bedeckt ist, deren Plastikfleisch...

von ALEX HOBAN
07 Mai 2011, 9:42am

Wenn sich Leute zu sehr mit Religion beschäftigen, passieren solche Dinge wie das sie Flugzeuge in Gebäude fliegen oder ihren Kinder die Sonntagskleider anziehen und sie in Bleichmittel ertränken. Im Kontext dieses theologischen Aufmerksamkeitsdefizits war es sogar noch recht plausibel von Don Julian, eine abgelegene Insel über und über mit gruseligen Puppen auszustaffieren um Christus zu huldigen.

Wenn man einem der Gondoliere, die die Kanäle von Xochimilco am Rande von Mexiko City befahren, genug Geld in die Hand drückt, dann nehmen sie einen mit auf eine vier Stunden-Tour zu Don Julians Isla de las Muñecas, einer Insel die von einem Wald aus Kinderpuppen bedeckt ist, deren Plastikfleisch vor sich hinmodert und in der Sonne kocht.

In den 50er Jahren predigte Don Julian das Wort Jesu Christi zu einer Zeit, als kein Mexikaner zuhören wollte, da sie meinten, dass nur ein ordinierter Priester das Recht hätte von Gott in all seiner Herrlichkeit zu sprechen. Die Leute waren so angepisst von Don Julian, dass sie ihn in schönster Regelmäßigkeit für seine Sünden verprügelten. Etwa zu dieser Zeit entstand dann auch seine seltsame Angewohnheit Mülleimer nach alten Puppen zu durchsuchen, die er liebevoll sammelte um, ganz klar, böse Geister abzuwehren.

Er verlies schließlich Frau und Kinder und zog auf die einsame Insel, die für die kommenden 50 Jahre, bis zu seinem mysteriösen Tod im Jahr 2001 seine Heimat werden sollte.

Es gibt eine Geschichte, die besagt, dass ein Mädchen vor der Insel ertrunken ist und Julian fest daran glaubte, dass er mit all seinen Puppen die bösen Geister des Totenreiches davon abhalten könnte irgendwas mit ihrer Seele anzustellen. Die Existenz des Mädchens wurde jedoch niemals bewiesen.

Jahrzehntelang wurde Don Julian einfach ignoriert. Man beobachtete ihn ab und an, wie er in den Kanälen von Xochimilco nach weiteren, weggeworfenen Puppen für seine Sammlung auf der gruseligen Insel angelte. Die wenigen, die von Don Julios seltsamer Tätigkeit auf der Insel wussten, brachten ihm von Zeit zu Zeit neue Puppen im Tausch gegen Gemüse, das er auf der Insel anbaute. Er erschuf somit also eine Art vollkommen durchgeknallte Mikro-Wirtschaft, die auf unterdrückter religiöser Wut, phallischen Rüben und kaputten Puppen als Währung basierte.

Trotz seiner makaberen Berufung, war Don Julian als ein netter und freundlicher Mann bekannt, der jederzeit Besuchergruppen über seinen Insel-Schrein aus verrottenden Kinderabbildern führte.

Don Julians Sohn und Monec

Seine Lieblingspuppe hieß Monec und am Ende seines Lebens saß Don Julian mit Monec in einer kleinen Hütte, deren Wände mit Kollagen aus Zeitungsberichten über ihn bedeckt waren, die in zudem zu einem kleinen Promi in Mexiko gemacht haben.

Don Julians Geschichte fand 2001 mit 80 Jahren ein jähes Ende, als er ertrunken aufgefunden wurde. Man fand seinen Körper an exakt der Stelle, von der er immer behauptete, dass dort das kleine Mädchen ertrunken sei. Alles was er hinterlassen hat, sind seine Plastik-Babys, die noch immer in der unbarmherzigen Hitze vor sich hinschmoren. Sein Sohn kümmert sich um die Instandhaltung der gruseligen Insel und führt Touristen, die die lange Reise auf sich nehmen durch die degenerierte Sammlung, die Don Julian angehäuft hat.

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