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News

Hey Presse! Fickt euch!

9.11.10

Vor drei Wochen unterhielt ich mich mit Zahra Ramdan, der Präsidentin der NGO „Vereinigung für Frauen aus dem Westen der Sahara in Spanien“, über die größte und friedlichste Demonstration, die in Nordafrika seit 35 Jahren stattgefunden hat.

Vielleicht lag es daran, dass ich gerade die Autobiografie von Angela Davis las, aber die Tatsache, dass 10.000 Westsaharis einen Sitzstreik in der Wüste unternahmen um dagegen zu protestieren, wie sie vom marokkanischen Staat behandelt werden, schien mir ziemlich erwähnenswert.

Soeben habe ich den Marathon der Langeweile in Form der Rettung der chilenischen Mienenarbeiter in voller Länge auf BBC World gesehen. Und ich habe eigentlich geglaubt, dass die Quelle an unerschrockenen Journalisten, die den nächsten Tian’anmen oder eine neue orangene Revolution suchen, um den Leuten "auf geht's!" auf Arabisch zuzuschreien, nie versiegen wird.

Offenbar nicht. Als darüber mit Zahra sprach, war sie ziemlich sicher, dass das an der kompletten Mediensperre der marokkanischen Behörden lag. Zu der Zeit dachte ich, sie wäre einfach paranoid, doch diesen Morgen hörte ich in den News, dass marokkanische Truppen den Zeltplatz stürmten und zwei Polizisten und 13 Saharis tot der Wüste hinterließen. Über 70 Verletzte beim Einmarsch, hauptsächlich durch Gewaltausbrüche, hat die Nachbarstadt Al Aaiun zu beklagen. Und es gibt keine verdammte Spur auf irgendeinem der Kanäle außerhalb Spaniens. Okay, vielleicht tendiere ich in Richtung der paranoiden Seite der Persönlichkeitsskala, doch würdest du tatsächlich sagen, dass das weniger interessant ist, als Jenson Button? Hier ist ein Interview, dass ich mit Zahra vor drei Wochen führte.

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Vice: Hi Zahra, kannst du mir etwas über deine Organisation erzählen?

Zahra: Wir sind eine anerkannte Nichtregierungsorganisation die beim spanischen Innenministerium registriert ist und die sich aus Frauen aus dem Westen der Sahara zusammensetzt – aus der Besatzungszone und den Flüchtlingslagern. Unsere Hauptarbeit ist es, den Leuten vom Kampf der Einwohner des Westen der Sahara zu berichten, in dem wir die wichtige Rolle der Frauen des Westens der Sahara in der Gesellschaft als Beispiel der Emanzipation fokussieren. Obwohl wir eine islamische Gesellschaft sind, werden Frauen sehr respektiert. Dies unterscheidet sich zu ihrer Rolle in der marokkanischen Gesellschaft. Das ist etwas, was uns unterscheidet und unseren Kampf für Unabhängigkeit legitimiert.

Kannst du die grundlegenden Ziele des Protestes in Gdeim Izik darlegen?
Es herrscht eine Massenflucht in die Wüste, die 15 km außerhalb der Hauptstadt der besetzten Sahara liegt, namens Ajun, um gegen die unmenschlichen Bedingungen zu protestieren, denen die Einwohner der Sahara ausgesetzt sind, und die auf ihrem eigenen Grund und Boden unterdrückt werden.

Bedauerlicherweise leiden ein Drittel meines Landes, also der Westsahara, unter marokkanischer Besetzung. Es sind mehr als 300.000 Soldaten hier stationiert, während die eigentlichen Bewohner der Westsahara weniger als 20% der gesamten Population ausmachen. Es gibt Parallelen zur israelischen Strategie in Palästina – sie wollen die Urbevölkerung mithilfe von Kolonien ausgrenzen. Wir kämpfen friedlich, sodass das internationale Gesetz und der UN-Beschluss angewandt werden. Wie wollen einen freie, durchschaubare und demokratische Abstimmung, damit die Bewohner der Sahara die Möglichkeit haben, ihr eigenes Schicksal zu bestimmen – Ob das nun Unabhängigkeit ist oder ein Teil von Marokko zu sein.

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Ich denke das Camp ist die größte Mobilisierung in der Geschichte Marokkos. Ich bekam eben einen Anruf aus Al Aaiun, es sind mehr als 10.000 Leute dort. Stell dir das mal vor!

Wow. Das sind viele Menschen. Wie begann das?

Es begann mit 100 Leuten und immer mehr Familien nahmen in den folgenden zehn Tagen daran teil. Sie werden dort bleiben, bis die Probleme bewältigt sind. Wir hoffen nur, dass Marokko nicht grausam wird und sie eine Katastrophe auslösen. Sie sind zu allem fähig. Das erinnert mich an die Sitzstreiks der 60er. Sind das bewusste Parallelen? Absolut. Die Einwohner der Westsahara verlangen ihr Recht, in ihrem eigenen Wasser zu fischen, das Recht zu arbeiten und das Recht in Würde zu leben. Wir werden in unserem eigenen Land als zweitklassige Einwohner behandelt, während die Besetzer Nutzen aus den natürlichen Ressourcen ziehen.

Inwiefern hat der marokkanische Staat bisher reagiert?

Soweit wir wissen, haben sie jeden Kommentar abgelehnt. Die marokkanischen Medien arbeiten natürlich mit dem Staat zusammen, und so kam nur die eine Seite der Story an die Öffentlichkeit. Ich habe mich online darüber informiert und es war nicht möglich, etwas über den Zeltplatz in der internationalen Presse zu finden. Marokko organisiert eine sorgfältig Nachrichtensperre. Sie tun alles, was ihnen möglich ist, dass die Geschehnisse nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Das läuft wie in jeder anderen Diktatur, genauso wie in Südafrika.

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Gibt es eine ausgeprägte Polizeipräsenz um den Zeltplatz?

Ja. Die Stimmung ist sehr angespannt. Sie versuchen, die ankommenden Leute aufzuhalten und es ist schwierig, den Platz zu verlassen.

Wie lange werden sie bleiben?

So lange, wie es eben sein muss.

Es könnte also Monate dauern?

Das kann ich nicht sagen…