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Musik

Musikreviews

9.10.10

Hier sind unsere Reviews zu DAMIEN JURADO, VENETIAN SNARES, THE HUNDRED IN THE HANDS und DAVID DONDERO.

DAMIEN JURADO
Saint Bartlet
Secretly Canadian

Beste Zeile, die aus diesen Melancholien heraus scheint: „I’ll check you in, if you check me out.“ Geschichten aus dem Leben einer Lufthansa-Service-Schubse, könnte man meinen. Aber nein, natürlich geht es wieder um die Tragik menschlicher Existenz, um vergangene Liebe und so weiter. Beginnt opulent. Endet verhalten. Dazwischen viel Jurado.

STEWART S.

VENETIAN SNARES
My So-Called Life
Timesig/Groove Attack

Es sind im Wesentlichen immer noch dieselben Drumloops und Plug-Ins, die den Eindruck erwecken, dass Aaron Funk einfach irgendwann mal einen komplizierten Algorithmus in eine dieser riesigen Rechenmaschinen aus dem kalten Krieg eingetippt hat und die Musik sich seitdem von selbst schreibt. Anschließend garniert er das Ganze dann noch mit ein paar Schimpfwort-Samples, die den geneigten Hörer alle paar Sekunden wahlweise als „Motherfucker“, „Shitface“ oder „Retard“ bezeichnen. So viel Respektlosigkeit gegenüber den Fans wird sich früher oder später rächen. Wenn sich die Leute schon die Mühe machen, den Kram illegal runterzuladen, dann sollte man ihnen wenigstens Qualität bieten.

CAPTAIN FUTURE

THE HUNDRED IN THE HANDS
The Hundred in the Hands
Warp/Rough Trade

Warps neuestes Dance-Pop-Duo (Überraschung: aus Brooklyn) hat vor einer Weile mit ihrer Debütsingle „Dressed in Dresden“ ja bereits die gesamte Indie-Blogszene in helle Aufregung versetzt. Das war zugegeben keine Kunst, weil Indie-Blogger bekanntlich sehr unruhige Menschen sind, die alle fünf Minuten durch irgendwas in Aufregung versetzt werden und dann jedes Mal über alle erdenklichen Kommunikationskanäle in die Welt hinausposaunen, dass sie gerade die neuen Bloc Party entdeckt haben. Ich habe stattdessen einfach die drei Jahre alte Chromatics-LP rausgekramt, auf 45 rpm abgespielt und plötzlich konnte ich an THITH nicht mehr viel entdecken, weswegen man nervös werden müsste.

JOLLY DODGER

DAVID DONDERO
# Zero with a Bullet
Affairs of the Heart

Diese Platte hier ist musikalisch nicht weltbewegend. Sie sieht ihre Aufgabe in anderen Dingen. Zum Beispiel in der Erinnerung daran, dass du in diesem Moment genau so gut mit einer Angelrute in der Hand, einem Strohhalm zwischen den Zähnen und einem fröhlichen Lied auf den Lippen an einem Teich sitzen könntest, statt mit irgendeinem Drecksjob deine mickrigen Kröten zu verdienen. Kapitalismus ist echt für’n Arsch, oder? So, welche CD ist die nächste?

ZOON BEKLOPPTIKON