Die längste Wahl der Welt

"Faschisten für Hofer" ist die Satire, die dieses Wahlkampffinale verdient

In einem neuen Video erklären "echte Österreicher", warum sie Norbert Hofer wählen.
28 November 2016, 10:23am

Erinnert ihr euch noch an

Donald Trump

? Falls nicht, weil man 2016 schon gar nicht mehr weiß, über welche politische Entwicklung man sich den Kopf am meisten zerbrechen soll: Donald Trump war der Typ, der erst vor wenigen Wochen zum nächsten US-Präsidenten gewählt wurde, der behauptet hat, der Klimawandel wäre eine Erfindung von China, der es OK findet, Frauen einfach mal so

zwischen die Beine zu fassen

und dem der Ku-Klux-Klan eine

Wahlempfehlung

aussprach.

In Trumps Laufbahn gibt es außerdem einige Vorfälle, die den Eindruck vermitteln könnten, er wäre rassistisch—was ziemlich wahrscheinlich der Grund für Saturday Night Live war, ein Video namens "Racists for Trump" zu drehen. Das Video wirkt auf den ersten Blick wie eine weichgespülte Wahlempfehlung für Trump; auf den zweiten Blick sieht man aber, dass der Mann, der gerade noch seine sympathische Sympathiebekundung für Trump abgegeben hat, eine Hakenkreuz-Armbinde trägt oder die Frau, die Trump eben "authentisch" findet, gerade dabei ist, eine KKK-Kutte zu bügeln.

In einem Video, das am Sonntag von einem YouTube-User namens Faschisti Rassisti hochgeladen wurde, äußern sich "echte Österreicher" über Norbert Hofer—und zwar im Stil des Trump-Videos. Darin heißt es, Hofer bringe frischen Wind in die Politik, sei ein Gewinner, habe ein schönes Lächeln und sei einer, der sich für unsere Heimat einsetze und für unsere Werte einstehe.

Diese "echten Österreicher", die Norbert Hofer in dem Video mit abgedroschenen Phrasen loben, die in diesem ewigen Wahlkampf wohl alle schon in der einen oder anderen Form von irgendeinem Hofer-Plakat oder irgendeiner Bezirks-FPÖ auf Facebook wiederholt wurden, stellen sich am Ende als nicht ganz so saubere Rechtsradikale heraus.

Wie erst kurz vor dem Schluss via Einblendung geklärt wird, stammt das nette Video nämlich von der (natürlich fiktiven) Unterstützungsplattform "Faschisten für Hofer". Und die tragen Hitlerbart, Hakenkreuz-Binde, stecken ihrem Burschenschafter-Sohn eine Kornblume ans Sakko und bauen gerade einen Grenzzaun. "Warum ich Hofer unterstütze? Drei Worte: Wahrheit, Freiheit, Heimatliebe", meint zum Beispiel ein Mann im Video—und zitiert damit den Slogan der FPÖ. Als die Kamera ein paar Schritte zurückfährt, sehen wir, dass es sich um einen paramilitärisch aufgerüsteten Jäger handelt.

Das Video "Norbert Hofer Wahlempfehlung" ist natürlich als überspitzte Satire gedacht—und trifft dabei wie jede gute Satire einen Punkt, der zumindest für die Zielgruppe den Eindruck erweckt, dass das alles gar nicht so weit hergeholt sei, wie man vielleicht hoffen würde. Das ist natürlich übertrieben.

Tatsächlich gibt es aber zumindest Anknüpfungspunkte in Hofers bisheriger Karriere: Der Underdog, der die "österreichischen Werte" bewahrt—welche auch immer das sein mögen—, ist selbst Mitglied einer deutschnationalen Burschenschaft, trägt auch gelegentlich eine Kornblume (das ehemalige Erkennungszeichen der damals verbotenen Nazis) und hat sich in der rechtsextremen Zeitschrift Aula, in der auch KZ-Insassen als "Landplage" bezeichnet wurden, über die "deutsche Kultur" der Österreicher ausgelassen, die im Parteiprogramm der FPÖ "klar festgelegt" sei.

Screenshot via YouTube

Das alles macht Hofer nicht zum Nazi. Aber es zeigt in Form einer Karikatur, aus welchen Reihen Hofer nicht nur im Video, sondern auch in Wirklichkeit Unterstützung bekommt—zum Beispiel von den sogenannten Identitären, einer Vielzahl an rechten Publikationen und zahlreichen rechtsextremen Usern im sozialen Netz, die mit flüchtlingsfeindlichen Hasskommentaren gegen Van der Bellen mobilisieren wollen.

Natürlich könnte man argumentieren, dass ein Kandidat nichts für seine Unterstützer kann—aber da zumindest Norbert Hofer das anders sehen dürfte und erst am Sonntag in der Klartext_-Diskussionsrunde auf _ATV Alexander Van der Bellen für dessen kommunistische Unterstützer angegriffen hat, kommt das Satire-Video zumindest nicht zum unpassendsten Zeitpunkt.

Wie schmal der Grat zwischen Satire und Ernst dabei oft ist, zeigt auch ein User-Kommentar unter dem Video. Der Anfang klingt noch nach einer Aufforderung zu mehr Mäßigung, wenn dieser schreibt: "Das ist echt rücksichtslos und geschmacklos!" Aber gleich im nächsten Satz folgt darauf die Frage: "Und wenn Hofer Präsident ist, was wollt ihr 'Künstler' noch machen?" Falls Norbert Hofer am 4. Dezember zum Präsident gewählt werden sollte, machen diese Künstler hoffentlich genau das weiterhin—nämlich Satire, die auf überspitzte Art Gefahren aufzeigt. Auch in der Form von Kommentaren, die sich sonst vielleicht nicht so schnell selbst entlarven würden.

Verena auf Twitter: @verenabgnr