
Jennifer McCreight: Als ich erstmalig an Atheismuskonferenzen teilnahm, riet man mir, bestimmte Referenten zu meiden, da sie dafür bekannt waren, jüngeren Frauen nachzustellen. Ich wurde nach meinen Vorträgen häufig angemacht. Die Männer machten dann wirklich widerliche, anzügliche Bemerkungen oder unterhielten sich hauptsächlich mit meinen Brüsten. Dann hast du den Beitrag verfasst, der zur Gründung von Atheism+ führte.
Ich habe eigentlich nur gesagt, dass wir uns dagegen wehren müssen. Wir müssen uns einen eigenen Raum schaffen, in dem wir derartige Diskussionen nicht tolerieren, genauso wenig wie Menschen, die versuchen, uns mit niederträchtigen Mitteln zum Schweigen zu bringen. Ich muss sagen, dass es mich ziemlich überrascht hat, dass die Leute sich darüber so aufgeregt haben. Atheism+ polarisiert stark—ich habe Blogs gelesen, die das Konzept von Atheism+ und das Forum, das du eingerichtet hast, überhaupt nicht gutheißen.
Alle, die sich schon vorher als wirklich hasserfüllt gezeigt haben, sind offensichtlich ziemlich sauer darüber. Sie betrachten das als ausgrenzend gegenüber Weißen bzw. Männern, aber darum geht es überhaupt nicht. Bei uns bringen sich viele weiße Männer gerne ein. Hier können wir über Feminismus, Rassenfragen oder soziale Gerechtigkeit sprechen, ohne dabei von anderen verleumdet oder bedroht zu werden. Ich glaube, einige Menschen empfinden das als Bedrohung. Ist es fair zu behaupten, dass Atheisten sich generell nicht für Feminismus interessieren?
Ich denke, für einige Menschen ist der Atheismus ihre einzige Minoritätenidentität. Sie sind nicht schwul, nicht schwarz, sie leben in den USA und viele von ihnen gehören zur Mittel- bzw. Oberschicht. „Atheist“ zu sein, ist die einzige Sache, für die sie sich engagieren können, daher sind sie davon überzeugt, dass es sich um die wichtigste Sache überhaupt handelt; es ist schließlich die einzige, die sie betrifft. Dadurch geraten ihre Prioritäten etwas durcheinander. Du hast erkannt, dass Gott nicht existiert, super! Aber es gibt noch einiges Irrationales, an das Menschen glauben können, wie etwa Sexismus.
