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Homos jagen Tibeter und Jesus schaut blasend zu

Die guten Christen von gloria.tv haben die guten Christen von der Anti-Regenbogenparade gefilmt und das Ergebnis ist so schwul, dass wir eigentlich alle stolz sein sollten.
20.6.12

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Unsere heutige Gesellschaft ist geprägt von Doppelmoral. Woran liegt es zum Beispiel, dass eine Frau gleich als Schlampe gilt, wenn sie mit hundert Männern schläft, aber ein Mann, der dasselbe tut, nur als Homosexueller? Das ist ungerecht und gegen Gleichstellung und weil es uns im weltoffenen Wien um genau diese Werte seit jeher am meisten geht, hatten wir hier nicht nur kürzlich den Schwulen-Aufmarsch der Regenbogenparade, sondern veranstalteten gleichzeitig auch die Christen-Fundi-Gegendemo, wegen der Balance und dem Karma und der Homöostase (was wohlgemerkt nichts mit Homos zu tun hat, außer es geht um das Gleichgewicht beim Slacklining).

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Bevor wir uns aber dem Video zuwenden, das die Helden von gloria.tv über die Störenfriede und -friedas bei der Catholic Pride Parade rund um den Stephansdom gedreht haben, möchten wir euch noch ein paar ästhetische Impressionen und Implosionen von der Regenbogenparade liefern, damit wir alle ein Stück weit verstehen lernen, worüber sich die Anhänger des bayrischen DJ Ötzi-Verschnitts eigentlich aufregen und wofür beziehungsweise wogegen sie am Tag der Parade jetzt ganz genau demonstrierten.

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Für alle, die das Fest nur aus den Medien (Gay Pride ohne Grenzen) oder dem Verkehrsfunk (Sperre am Wiener Ring) kennen, mag es in erster Linie überraschend sein, dass die Regenbogenparade nicht nur aus sechzigjährigen Überbleibseln der ostdeutschen Freikörperkultur besteht, sondern auch jüngere Menschen mit weniger ostdeutschem Einschlag und, ähm, weniger natürlicher Malfläche fürs Bodypainting anzieht.

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Dabei sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass im Zuge der Regenbogenparade auch nicht alles erlaubt ist, aber einfach eher über solche Bagatellen wie Nacktheit in der Öffentlichkeit hinweggesehen wird. Ich wollte gerade eine Aufzählung starten, aber zu meiner eigenen Verwunderung fiel mir auf Anhieb nicht mal ein zweites, geschweige denn ein drittes Beispiel für Vorgänge oder Aktionen ein, die zwar bei der Parade stattfinden, aber abseits derer doch eher als sittenwidrig gelten könnten.

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Ganz im Ernst, was außer bunt bemalte Pipimänner und gut ausgelüftete Mumus gibt es hier schon zu befürchten? Schlimmstenfalls doch nur gähnende Langeweile, falls man weder mit dem Exhibitionismus anderer etwas anfangen, noch wesentlich zur Repräsentation der Bewegung beitragen kann und darüber hinaus selbst auch keinen sonderlich großen Bedarf an "Nona"-Aufklärung über Toleranz, Akzeptanz und Respekt gegenüber anderen hat.

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Wie auch immer, "sechzig bis siebzig" Harcore-Heilande aus dem katholischen Fundi-Lager sehen das anders und bekommen von gloria.tv – dem Sender mit der Tagline "The more catholic the better", was man im Hinblick auf seinen (All-)Machtsanspruch wohl am besten gar nicht erst zu Ende denkt und ganz schnell wieder als flapsige Worthülse beiseiteschiebt – prompt eine Bühne gestellt. Ursprünglich wollte ich euch ja eine Liste der besten Sager aus dem Clip zusammenstellen, aber eigentlich sind das so viele, dass ich am Ende wohl einfach die gesamte 5-minütige Tonspur hierhin transkribieren könnte, weshalb ich es lieber bleiben lasse und einfach nur erwähne, dass die Sprecherin unglaublich oft "die Beter" sagt, was sich unglaublich stark nach "Tibeter" anhört. Bitte:

Das Video haben inzwischen wohl schon einige von euch gesehen, aber ich fordere euch heraus, es euch noch mal anzuschauen und euch diesmal John Cleese als Sprecherstimme aus dem Off vorzustellen. Wie ein Freund von mir meinte: "Cleese ist das einzige, das hier noch fehlt. Sonst ist es schon perfekt." Auch seine Synchronstimme würde ich mir durchaus einreden lassen: Statt "Wetten wie die Briten" könnte es "Beten mit Leviten" heißen und ich bin mir sicher, dass das Ergebnis mindestens genauso viel Auswirkung auf die europäischen Wettbüros hätte, auch wenn die Leute dann nicht so sehr an den Quoten für Sportwetten, sondern eher an der Quote für "Wetten, ich finde bei der nächsten Parade einen blasenden Jesus?" oder "Wie hoch stehen die Chancen, dass das H. in Jesus H. Christ für Homo steht?" interessiert wären. Mahalo!

Fotos: Armin Obersteiner