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Veganer schlüpfen in die Haut der Kühe und verbrennen sich die nackte Haut

Veganer schockieren mit einer neuen weltweiten Aktion, bei der sich halbnackte Menschen die Zahl 269 in die Haut brennen lassen. Wir wollten wissen, was es damit auf sich hat und ob die deutschen Veganer da auch mitmachen.

von Niklas Binder
04 April 2013, 4:39pm

Veganer ziehen jüngst Aufmerksamkeit mit einer provozierenden neuen Aktion: Halbnackte Frauen in spanischen Bauernhütten, die die Zahl 269 von Menschen mit goldenen Gummistiefeln in den Oberschenkel eingebrannt bekommen. 

Motivation dieser Aktion ist, die Öffentlichkeit für Veganismus und Tierbefreiung zu sensibilisieren. Wie der Titel des Videos verrät, ist es das dritte weltweite Event von 269life, das am 21. März, dem internationalen Tag gegen Rassismus, in verschiedenen Ländern stattfand. 269 ist nämlich DER neue Trend unter Veganern, die damit die kompromisslose Freilassung aller gefangenen Tiere verlangen.

Angefangen hat alles mit einer armen, israelischen Kuh, die die Industrienummer 269 trug, und deren traurige Augen ein paar Aktivisten in Israel im Oktober dazu gebracht haben, in Tel Avivs Innenstadt diesen Branding-Trend einzuführen

Danach waren Veganer überall auf der Welt Feuer und Flamme, sich ebenfalls branden zu lassen, was das Zeug hielt. 

Diese Aktivisten in Leeds in England, beispielsweise, setzten dabei vor Allem auf eine wackelige Bildführung (um die Polizei zu verwirren?) und Bilder von leidenden Tieren. 

Die Aktionskünstlerin Emily Moran Barwick in Iowa hingegen erweiterte die Idee stattdessen noch, um ein Set Taucheranzüge, eine neue Kurzhaarfrisur und eine Handvoll interessanter KZ-Vergleiche.

Womit wir dann auch in Deutschland wären, wo man von diesem Selbstverstümmlungshype ja bislang noch nicht so richtig viel mitbekommen hat. Ob das jetzt an den Nazi-Vergleichen oder der deutschen Gemütlichkeit liegt, weiß ich nicht, unser Aktivismusversuch im Rahmen dieser weltweiten Aktion ist trotzdem eine Nummer kleiner ausgefallen. 

Nach verbranntem Fleisch roch es auf dem Potsdamer Platz nämlich nicht, eher nach frierenden Aktivisten in langen (hoffentlich Kunst-)Ledermänteln. Mit Ketten, aufgemalten Blutspritzern und frischen Tattoos wollten sie die Berliner Passanten von ihrer Vorstellung einer eierfreien Welt überzeugen.  

Die Aktivistin Sandra Roszkiewicz (die mit den den blutigen Tränen) erzählt uns, woher sie die Idee für die Aktion bekommen hat. „Ich stehe in Kontakt mit dem Sascha, dem ersten Aktivisten, der die Aktion in Tel Aviv ins Leben gerufen hat.“ Nachdem die Brandingaktion in Israel weltweite Aufmerksamkeit bekommen hatte, entschied man sich, geballt an einem Tag ein globales Event durchzuführen. „Und daraufhin entstand ja diese Bewegung daraus, dass man das am 21. März eben weltweit macht. Knapp 50 Städte waren es, die da mitgemacht haben, unter anderem wieder in Tel Aviv, aber auch in der Türkei.“ 

Die deutschen Gesundheitsrestriktionen hätten sie allerdings davon abgehalten, sich dann tatsächlich öffentlich zu branden. „Wir wollten hier in Berlin auch branden, aber in Deutschland gibt es da ganz strenge Gesundheitsbedingungen. Wir durften auch noch nichtmal öffentlich tätowieren, da gibts echt keine Chance, deswegen haben wir das anders gemacht und haben uns vorher tätowiert“, erklärt Sandra.

Tatsächlich wäre hierzulande ein öffentliches Branding aber auch weit weniger spektakulär, als die Vorgängeraktionen vermuten lassen. „In Deutschland auch nicht so gemacht, wie man sich das so vorstellt als Laie“, erzählt Sandra. „Das wird nicht mehr mit so einem Brandeisen gemacht, sondern mit einer Art Laser. Ähnlich einer Tätowiernadel wird dieses Muster in die Haut gebrannt, da ist dieser Effekt auf die Öffentlichkeit natürlich nicht annähernd so groß, wie wenn du da wirklich mit einem Brandeisen gestempelt wirst.“

Unter anderen Bedingungen aber wäre das kein Thema für sie. „Ich hätte allerdings auch kein Problem damit, mich auch wirklich mit so einem Brandeisen brennen zu lassen, wenn es halt irgendwie Aufmerksamkeit erregt, da würde ich das definitiv machen, und ich denke, da bin ich nicht die Einzige.“

Im Moment sei von ihrer Seite und der der anderen Aktivisten aus dem Video aber nichts geplant in der Richtung. Vielleicht auch besser so, und sicher angenehmer, aber an die Dramatik des echten Branding kommt es so halt nicht dran. 

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