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Mode

Henrik Silvius lebt im Hier und Jetzt

Der 21 Jahre alte Modeblogger Henrik Silvius ist an den Rollstuhl gefesselt und der absolute Star der dänischen Modeszene.
4.2.12

Wie man unschwer erkennen kann, ist der 21 Jahre alte Blogger Henrik Silvius behindert und sitzt im Rollstuhl. Er hat zirka 70 Jacken und entwirft nebenbei seine eigenen Schuhe. Seinen Modeblog updatet er mehrmals am Tag und liebt Mode im Allgemeinen.

VICE: Wie bist du auf Mode gekommen?
Henrik Silvius: Seit meiner Kindheit finde ich es spannend, etwas Anderes zu tragen und ich liebe es, meine eigenen Klamotten zu kaufen. Ich weiß, dass ich mich durch den Rollstuhl abhebe, ich es also gewöhnt herausstechen. Es ist mir egal, was andere Leute sagen oder denken. Mode ist ein Weg, du selbst zu sein und auf kreative Art und Weise auszudrücken, wie du dich fühlst. Für mich ist es eine Möglichkeit zu zeigen, wer ich bin und die Grenzen zwischen mir und meiner Behinderung aufzuheben. Ich folge aber keinen Trends. Man kannt sich von Trends inspirieren lassen aber man sollte immer seinen eigenen Style haben.

Cool. Wann hast du angefangen, über Mode zu bloggen? 
Ich habe damit vor zwei Jahren angefangen. Ich habe gedacht, es sei schwierig, in der Modewelt Fuß zu fassen und ich kannte damals niemanden, der in dieser Branche gearbeitet hat. Allerdings hatte ich einen Freund, der über Musik geschrieben hat und deshalb habe ich gedacht, ich könnte das Gleiche mit Mode machen. Zuerst war es ein normaler Modeblog und sehr an den neusten Designerkolletionen orientiert, aber jetzt hat er sich eher zu einer Inspirationsquelle gewandelt. Es gibt zu viele Modeblogger, deshalb ist es besser, etwas Außergewöhnliches zu machen. Ich habe viele Fotos von mir in merkwürdigen Klamotten selbst gemacht, weil ich denke, dass es für die Leute interessant ist zu sehen, was mich interessiert.

Und auf welche Weise inspirierst du die exzentrische Modewelt?
Oh, das ist schwer. Einerseits breche ich Missverständnisse und Vorurteile, die gegenüber mir und meiner Behinderung bestehen, auf. Zum Beispiel zeige ich, dass auch ich in der Modebranche tätig sein und Shows gestalten kann. Das ist ja nicht normal für Leute, die im Rollstuhl sitzen. Außerdem glaube ich, dass es egal ist, wie du aussiehst oder wer du bist. Ich versuche immer, ich selbst zu bleiben, da ich finde, dass die Leute, die sich selbst treu bleiben, auch diejenigen sind, die am inspirierensten sind.

Nach welchen Kriterien entscheidest du, was du anziehst? 
Ich wähle meine Klamotten immer am Abend aus. Ich kombiniere Sachen miteinander, probiere etwas Neues und stimme es auf mein Befinden ab. Wenn sich meine Stimmung am Morgen ändert, ändere ich auch mein Outfit. Für mich ist es sehr wichtig, dass meine Kleidung dazu beiträgt, dass ich mich besser fühle. Für die Fashion Week suche ich meine Outfits aber bereits schon zwei Wochen im Voraus aus.

Wow, zwei ganze Wochen davor? Mit welchem Outfit wärst du zufrieden, wenn du es für den Rest deines Lebens tragen müsstest?
Hmm, diese Frage mag ich. Etwas Verrücktes. Etwas mit vielen Farben, Goldschmuck, hoch geknöpfte Shirts und Pullover. Ich liebe Jacken, ich habe 70 Stück. Deshalb wäre es ein auf die Jacke abgestimmtes Outfit. Und weil es hier in Dänemark so kalt ist, ist eine gute Jacke wichtig.

Kaufst du viele Klamotten?
Fast täglich—Ich gebe eine Menge Geld aus, haha. Ungefähr 80% meiner Klamotten sind second-hand oder Vintage-Stücke und vieles von Online-Shops, die aus irgendwelchen Gründen ihren Sitz in Paris haben. Aber ich kaufe auch Basics von H&M. Second-Hand funktioniert, weil du dadurch mehr Spielraum hast, du hast eine größere Auswahl und die Chancen, dass jemand dasselbe trägt wie du, ist geringer.

Auf was stehst du modemäßig gerade? 
Gerade stehe ich darauf, Trash, wie Goldketten, mit etwas Raffiniertem wie einer eleganten Jacke zu kombinieren. Im Moment liebe ich Versace und Gold mag ich auch sehr, genau so wie Prints und Farben. Frauen haben ein ganzes Spektrum, dessen sie sich bedienen können—Kleider, High Heels, flache Schuhe, Schmuck—aber Männer haben wirklich nichts. Vielleicht bin ich gerade eher an einem androgynen Style interessiert. Du musst Kleidung tragen, die dir gut passt und du brauchst ein gutes Paar Schuhe. Schuhe sind so wichtig. Ich habe zwei Paar Schuhe für mich entworfen, weil ich finde, dass Männerschuhe so langweilig sind.

Schön. Welche Designer und Labels bringen es für dich gerade? 
Es gibt eine Menge dänischer Designer, die Sachen machen, die du noch nie zuvor gesehen hast—Henrik Vibskov, Stine Goya, Wakerhaus, Asger Juel Larsen und Barbara I Gongini.

Das Tattoo auf deinem Zeigefinder, IMPULS, was hat das zu bedeuten? 
Es bedeutet im Hier und Jetzt zu leben. Und das ist sehr, sehr wichtig für mich.