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Sex

​Was deine Lieblings-Internetpornos über deine Persönlichkeit verraten

Es gibt keine Pornokultur—und es gibt sie doch.
4.12.14
Tribe. Zur Verfügung gestellt von Alpha Violet World Sales

Das Internet will, dass ich ficken will. Es will, dass ich die „Sau in mir" rauslasse. Dass ich komme, während Fuxy und Foxy, die monsterbrüstigen Mangamädchen, sich gegenseitig fertig machen. Es will mir die Arbeit abnehmen, mir Dinge vorzustellen. Und es will, dass ich so tue, als törne mich das sägende Gestöhne tatsächlich an.

Kurz: Was das Internet an Pornografie zu bieten hat, ist ziemlich langweilig. Lahme, illusionslose Transparenz. Die Täuschung ist nicht einfach nur grottenschlecht, sondern Teil des Storyboards. Pornos funktieren nur, weil sie zeigen, dass sie für die Kamera gemacht sind. Was das Internet also über Pornografie auszusagen hat, ist so trivial, wie die Aufnahmen, mit denen es das untermalt: Es geht nicht um Macht, sondern um Unterhaltung. Der Orgasmus ist die Währung. Alles andere ist austauschbar. Was zählt, ist das Ritual. Porno ist keine Kultur, sondern Kult.

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Foto: Screenshot von ​Streamcloud

Und wie bei jedem Kult moderner Kulturen zeigt sich das Begehren nach kultureller Identität dort am klarsten, wo es am billigsten zu haben ist: In der Werbung. Und mit Werbung meine ich die herzhaften GIF's, Montagen und Chat-Fenster, die auf den Streamingseiten deiner Wahl nach Liebe lechzen. Welches Männerbild die Pornowerbung unserer Zeit evoziert, sei hier in fünf Beispielen ausgeführt:

Der Milf-Hunter
Sein Herz schlägt für alle „Mamis von nebenan sind heiss auf Schwänze"-Banner. Seine ödipale Geilheit ist das Amen aller Freud-Fanatiker seit der Vorherrschaft der Neurowissenschaften. Er weiss, dass er die wirklich heissen Mamis nicht abkriegt. Und dass eine Mami so aussehen muss, wie seine eigene: Gefühlte 50 Jahre älter und ein Blick, der lechzt: „Du warst ein Böser Junge."

Der Schnäppchenjäger
​Slogans wie „Gratis fuckbook ist zurück" lassen seine Latte in die Höhe schnellen. Nicht unbedingt, weil es jemals weg war. Eher, weil er sich ausmalt, wie geil die geilen Schlampen bei der kostenpflichtigen Version sein müssen, wenn er bei der kostenlosen schon ganz kirre wird.

Der schwarze Araber
Er ist der Hengst unter den Hengsten. Sein Wiehern klingt heute noch als Echo in allen 0900er-Hotlines seiner Pubertät nach. Er ist schwer zu bändigen. Deshalb sucht er stets nach einer echten Herausforderung. Anzeigen wie „Suche ein Mädchen aus und frag sie, ob sie ficken will." nähren sich von der warmen Wichse von Stutenjägern seines Schlags. Aber hey, wenn das in meiner Lieblingsbar schon immer klappt, warum nicht auch im Internet?

​Foto: Screenshot von ​PlayPw.com

Die Müllpresse
Die Müllpresse ist der Recycler im Land der Prinzessinen in unterfickten Nöten. Seine einsamen Nächte verbringt er mit Surfen auf ästhetisch anspruchslosen Seiten, die mit „Ficke hässliche Frauen in deiner Nähe" oder „Fette Frauen machen alles" beworben werden.

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Der Nerd-Boner
Er ist ein zutiefst wiedersprüchliches Wesen. Einerseits braucht er selbst beim guten alten Mütze-Glatze-Spiel die Beständigkeit seines gewohnten Habitats: Eine Welt aus Comics und Videospielen. Andererseits ist er ein heimlicher Exot. Er liebt es, in der rechten Hand seinen unbefleckten Willi haltend, mit der Linken zügellos auf die Tasten hauend, der Alientussi auf seinem fleckigen Bildschirm alle fünfzehn Löcher auf einmal zu stopfen. Ja, das Universum der Online-Porn-Games führt in rätselhafte Tiefen.

Vielleicht ist das alles etwas an den Haaren herbei gezogen. Vielleicht sollte das Internet punkto Sex aber einfach mal die Klappe halten. Zugegeben, seit der Stüssihof zu einem Kinderkino säkularisiert worden ist, ist es schwierig, an eine Schweizer Pornokultur zu denken. Aber ihr irrt euch. Es gibt sie, die Porno-als-Kultur.

Foto: Filmstill von Love Battles. Zur Verfügung gestellt von Doc&Film World Sales.

Unter dem niedlichen Titel ​Porny Days gibt es (dieses Wochenende) ein ​Festival, das sich tatsächlich mit den kulturellen Verstrickungen, Praktiken, Betrachtungen und Empfindungen der Themenwelt Pornografie, Sexualität und Liebe befasst. Ohne Wichskabinen, dafür mit prallen 55 Filmen aus 25 Ländern, Diskussionen, Performances und Parties.

Heisshungrig erwarten wir eine laszive Bilderflut voller gebrochener Tabus, schräger Stellungen, politischer Zwänge, aufgeweichter Rollenbilder, dröhnender Ekstasen und intimer Exzesse. Liebe Porny Days, lasst uns bitte nicht(s) hängen.

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Stehende Ovationen gibt es dieses Wochenende auch für folgende Events:

Heute improvisiert Rap-Sternchen Kutti MC im ​Alten Zoll zusammen mit dem Schlagzeuger Florian Reichle. Eintritt frei. Das ​A;B;Contemporary eröffnet die Gruppenausstellung Blurred Lines. Und im Muesum Bärengasse startet A is for Albatross, eine spaceig-konzeptionelle Ausstellung im ​Museum Bärengasse.

Morgen tanzen die Asphalt Piloten im ​Südpol. Im ​Royal Baden spielt Sonic Jesus. Nachtklänge und schummrige Beats gibt's im ​Kauz, mit Swisstanbul. Und die Porny days fangen an!

Am Samstag feiern wir vier blitzend glitzernde Jahre Glitter Gwitter im ​Plaza. Im ​Helsinki gibt es das Album-Release von Bound und im ​Kraftfeld spielt der Osten wild: Balkan Beats, Gypsy Grooves und Russendisko.

Sonntags wagen wir einen Blick in die Wohnung im ​Xenix. Und an den Porny Brunch.

Und am Dienstag schauen wir den Film Darknet I: „​Freshbuzz" im ​Palace.