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Sex

Im Gespräch mit einem Privatdetektiv, der Seitensprünge aufdeckt

Jack Roberts beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit untreuen Ehepartnern. Wir haben uns mit ihm über eindeutige Anzeichen, die Beschattung sowie das Überbringen von schlechten Nachrichten unterhalten.

von Francesca Specter
28 November 2015, 5:00am

In seinem Roman Das Ende einer Affäre schrieb Graham Green, dass Ehebruch ein Teil des modernen Lebens sei – und das vor fast 65 Jahren. Aber diese Aussage ist auch heute noch aktuell: Inzwischen gib es viele TV-Sendungen, die unsere Obsession mit den Vorgängen hinter verschlossenen Hoteltüren befriedigen, und im Sommer machte das Seitensprung-Portal Ashley Madison auf der ganzen Welt Schlagzeilen, als Hacker die Website knackten und so Daten von Millionen Usern öffentlich gemacht wurden.

Jack Roberts ist beim britischen Unternehmen Global Investigations als Privatdetektiv angestellt und hat dort die Aufgabe, Seitensprünge und Affären aufzudecken. Seine Arbeit hat ihn schon um den ganzen Globus reisen lassen und dabei ist er oft im Flugzeug unterwegs, muss Autos verfolgen oder in schäbigen Hotels ausharren, um die (manchmal hässliche) Wahrheit über die Beziehung seiner Klienten aufzudecken. Eine fünfstündige Überwachung kostet bei Jack stolze 225 britische Pfund, aber dafür kann er auch eine zwanzigjährige Erfahrung im Entlarven von fremdgehenden Beziehungspartnern vorweisen. Ich habe mich mit ihm über seinen Beruf unterhalten.

VICE: Hey Jack! Warum hast du dich dazu entschieden, Privatdetektiv zu werden?
Jack Roberts: Wegen James Bond. Als ich elf Jahre alt war, hat mich mein Vater in Der Spion, der mich liebte mitgenommen. Dieser Kinobesuch hat mich inspiriert. Vor 23 Jahren habe ich damit angefangen, Schuldner aufzuspüren. 1994 wechselte ich dann zu rüber zu den ehelichen Fällen.

Was passiert, wenn jemand mit dem Verdacht des Ehebruchs zu dir kommt?
Dann gehe ich als Erstes alle möglichen Anzeichen durch und frage nach der Hintergrundgeschichte. Ich will dann zum Beispiel wissen, wie viel Zeit der verdächtige Ehepartner außer Haus verbringt. Manche Leute erzählen mir beispielsweise, dass ihr Partner zwar jeden Tag zur Arbeit fährt, der Kilometerstand des Autos aber etwas Anderes sagt. Oder es kommt zu keinen Intimitäten mehr oder der Partner nimmt das Handy immer mit ins Bad und so weiter.


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Liegen deine Klienten im Allgemeinen richtig, wenn sie denken, dass ihre Partner fremdgehen?
Wenn man so ein gewisses Gefühl hat, dann sollte auch etwas genauer hingeschaut werden. Oftmals haben vor allem Frauen Recht. Sie haben für solche Sachen einfach ein besseres Gespür als Männer. Viele Männer sind nur paranoid. Außerdem ist es so, dass Frauen mich erst als eine Art letzten Ausweg kontaktieren, während Männer sofort bei mir aufkreuzen, wenn auch nur die kleinste Sache nicht in Ordnung ist. Wir gehen jedoch unbefangen an die Sache ran und ziehen keinen vorschnellen Schlüsse. Machmal stellt sich nämlich auch "nur" raus, dass die in Frage gestellte Person ein Drogenproblem hat oder an Spielsucht leidet.

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Was zählt dann letztendlich als Beweis für Untreue?
Ich kann da natürlich nicht für alle Kunden sprechen. Oftmals müssen wir nur beweisen, dass Intimitäten mit einer anderen Personen stattfinden – zum Beispiel Händchenhalten oder Küssen. Manchmal geht es aber auch soweit, dass wir ganze Doppelleben aufdecken. Einmal hatten wir eine Kundin, deren Ehemann von Montag bis Freitag zu Hause lebte, am Wochenende dann aber immer außer Haus war. Erst nach seinem Tod fand sie schließlich heraus, dass er eine Affäre hatte. Bei der Beerdigung fiel ihr auf dem Grab nämlich ein Kranz von "Jane* und Familie" auf, auf dem stand, dass ihre Liebe unendlich sei. Daraufhin kam die Klientin zu uns und fragte, was zur Hölle da los sei. Also haben wir alle möglichen Nachforschungen zu dem Typen angestellt, die Route seines Autos nachverfolgt und mit seinen alten Freunden gesprochen, um hier und da an Informationen zu kommen. Nach einem Monat haben wir dann herausgefunden, dass er von Freitagabend bis Montagmorgen bei einer anderen Frau lebte – und das 16 Jahre lang. Sie hatten sogar schon ein gemeinsames Kind.

Wow. Du musst also bestimmt oft schlechte Nachrichten überbringen?
Richtig. Ich habe aber inzwischen gelernt, als eine Art Vermittler zu agieren und die Informationen so behutsam wie möglich zu offenbaren. Gleichzeitig verschönern wir hier nichts, denn die Klienten sollen ja wissen, was Sache ist. Im Allgemeinen kommen die Leute zu uns, wenn sie den Eindruck haben, dass der schlimmste Fall eingetreten ist, und sie demnach Klarheit wollen.

Wie weit gehst du bei der Beschattung?
Ich bin mir nie ganz sicher, wie das Ganze ablaufen wird. Manchmal gehe ich um acht Uhr morgens aus dem Haus und komme dann erst am nächsten Tag wieder in meine Wohnung zurück. Man muss auf alle Eventualitäten vorbereitet sein, denn fremdgehende Partner leben oft nach dem Motto ‚Aus den Augen, aus dem Sinn'. Meistens habe ich meinen Pass, etwas Kleingeld und ein Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel dabei. Vor ein paar Wochen arbeiteten meine Kollege und ich an einem Fall, bei dem uns die Klientin damit beauftragte, ein Auge auf ihren Mann in London zu werfen, während sie auf Dienstreise in den USA war. Besagter Ehemann ist dann mit dem Zug nach Paris gefahren – und wir natürlich hinterher. Er hat dort in ein Hotel eingecheckt, um sich mit einer Frau zu treffen. In diesem Hotel sind wir dann auch abgestiegen und haben ihn bei seinem Seitensprung gefilmt. Wir mussten zwar eine Nacht in Paris verbringen, aber wir haben auch das bekommen, was wir wollten.

Gab es auch schon mal Leute, die ihr nicht aufspüren konntet?
Manchmal dauert es ein wenig, aber Geduld wird oft belohnt. Es gab zum Beispiel mal einen Fall, in dem der Ehemann unserer 84-jährigen Klientin zu ihr gesagt hatte, dass er nur schnell ein Laib Brot besorgen wollte, und dann plötzlich wie vom Erdboden verschluckt war. Auch seine ganzen Klamotten waren weg. Zwei Monate lang konnten wir ihn nicht aufspüren. Es handelte sich aber auch um einen cleveren Ex-Soldaten, der wirklich an alles gedacht hatte – sogar seine Post wurde an eine andere Adresse weitergeleitet. Er hat niemandem erzählt, wo er hinwollte. Schließlich fanden wir ihn dann bei einem Wiedersehen der Armee und folgten ihm bis zu einem Haus, das sich ganz in der Nähe seines alten Wohnsitzes befand. Dort lebte er mit einer neuen Frau. Das muss man sich mal vorstellen, der Typ hat 28 Jahre lang mit unserer Klientin zusammengewohnt und ist dann eines Tages einfach so abgehauen.

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Beschäftigt ihr euch ausschließlich mit Ehepaaren?
Nicht zwangsläufig. Viele Männer – vor allem amerikanische oder russischen Geschäftsmänner –halten sich hier in London gerne eine Escort-Dame als Freundin und wollen dann wissen, was die während ihrer Abwesenheit so treibt. Einmal hatten wir einen Klienten aus den USA, der mehr Geld als Verstand besaß und junge Frauen mit Geschenken überhäufte. Er war damals Anfang 40 und kam mit einer Escort-Dame Anfang 20 zusammen. Er überredete sie, ihren Job aufzugeben, und versprach ihr, die Miete zu bezahlen. Gleichzeitig wandte er sich aber auch an uns und wir sollten für ihn ihr Online-Escort-Profil im Auge behalten, denn ihn interessierte, ob sie da noch tätig war. Daraufhin hat sich mein Kollege als einer ihrer Kunden ausgegeben.

Und hat die Freundin eures Klienten dann angebissen?
Die Frau, die sich mit meinem Kollegen traf, war eine andere Escort-Dame. Wir haben schließlich aber herausgefunden, dass die junge Frau, die wir eigentlich überwachen sollten, drei Mal die Woche in einem Bordell arbeitete. Und schon hatten wir unseren Beweis.

Ist die Zahl der Ehebruch-Fälle während deiner 20-jährigen Karriere nach oben gegangen?
Eigentlich ist alles gleich geblieben. Ehebruch wird auch in Zukunft immer wieder vorkommen, weil Menschen immer lügen und sich gegenseitig betrügen werden. Als professioneller Privatdetektiv helfe ich meinen Klienten dabei, diese Lügen aufzudecken, damit sie inneren Frieden finden und nach vorne schauen können.

Vielen Dank, Jack.

*Name geändert

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