Dieser Wrestler benutzt seinen Penis, um Gegner zu besiegen

Wir haben mit Joey Ryan, dem Erfinder des lächerlichsten Wrestling-Moves aller Zeiten, gesprochen.

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05 Januar 2016, 11:40am

2015 hat sich in der Wrestling-Welt einiges getan. Roddy „I'm all out of bubble gum" Piper ist gestorben, Hulk Hogan hörte auf eine etwas andere Art auf zu existieren und John Cena sorgte im Finale von Parks and Recreation und in Trainwreck für die verstörendste Schauspielleistung eines Wrestlers gleich nach Dwayne „The Rock" Johnsons Augenbraue.

Aber keines dieser Ereignisse sorgte für soviel Aufmerksamkeit außerhalb von Fan-Kreisen wie ein Video, das im Dezember das Netz überschwemmte. Als Wrestling-Fan merkt man das schnell am Verhalten seiner Freunde: Wenn normale Menschen in meinem Umfeld mehr Wrestling-Sachen posten als ich, ist das immer ein guter Indikator dafür, dass etwas Großes im Anmarsch ist. In diesem Fall war das Joey Ryans Penis.

Der Move, der laut Joey Ryan eine „Verteidigungsaktion" ist und noch keinen offiziellen Namen trägt, hat sich bereits einen Monat nach seiner Erfindung einen Fixplatz in der Hall of Fame der ewigen WTF-Moves gesichert—gemeinsam mit der spannungsgeladenen „Wie lange kann ich so tun, als würde ich gleich umfallen?"-Einlage von Triple H, der Schlangenbeschwörung von Santinos „Cobra" und natürlich dieser Hypnose-Aktion.

Wrestling hat eben mehr mit Ballett als mit Kampfsport zu tun (falls es euch noch nicht aufgefallen ist:Black Swan und The Wrestler sind im Wesentlichen derselbe Film) und jede Aktion erzählt immer auch eine Geschichte. Im Fall von Joey Ryan klingt diese Geschichte in etwa so: Übler Bösewicht greift Ryans Penis; Penis dreht den Spieß (hehe); Bösewicht macht einen Salto; keiner weiß, was eigentlich abgeht; Ende.

Inzwischen ist der Move auf dem Weg zum Meme und Joey Ryan mit ihm auf so etwas wie einer Tournee durch die Wrestling-Arenen dieser Welt. Zuletzt hat er den Penisplex sogar an fünf Wrestlern gleichzeitig durchgeführt—wie eine Art „Human Centipenis". Fragt nicht, schaut einfach:

Wenn ihr euch jetzt fragt, wie um alles in der Welt Menschen wie ich immer noch bekennende Fans sein können, wo doch alles so eindeutig Fake ist, denkt einfach nur an Der Bachelor, Die Geissens, so ziemlich alle Formate im Nachmittagsfernsehen und sogar den Profi-Fußball, bei dem sich immer wieder Spiele als manipuliert erweisen. Die Welt ist voll mit Scripted Reality; Wrestling macht den Fake zumindest transparent.

Dass es Wrestling außerdem immer nur dann in den Mainstream schafft, wenn es eine Gelegenheit gibt, sich darüber lustig zu machen, hat lange Tradition. Als Wrestlemania III 1987 mit 93.173 Besuchern den ungebrochenen Hallenrekord für Sportveranstaltungen in Nordamerika aufstellte, war das der New York Times keine Erwähnung wert; als Firmenboss Vince McMahon zwei Jahre später vor dem Senat zugab, dass Wrestling „Fake" war, schaffte es die Meldung auf die Titelseite.

Für Joey Ryan ist das alles kein Problem, wie er uns erzählt. Wir haben uns mit ihm über die Rolle des männlichen Schritts im Fernsehen und emotionales Penis-Storytelling unterhalten.

VICE: Zuerst mal: Was ist der richtige Name für den „Penisplex"? Oder ist Penisplex OK für dich?
Joey Ryan: Bis jetzt hat der Move noch keinen Namen. Ich überlasse das der Interpretation meiner Fans. Zumindest, bis ich einen Vorschlag höre, in den ich mich sofort verliebe.

Wie bist du auf den Move gekommen?
Es ist ein Verteidigungsmove. Wie man anhand des Videos sieht, setze ich ihn als Reaktion auf den Angriff von Danshoku Dino ein.

Alles klar. Hast du ihn zuvor schon mal benutzt?
Ich bin davor noch nie in eine Situation gekommen, in der ich ihn nutzen müssen hätte.

Früher waren Aktionen wie der „Low Blow" oder die „Testicular Claw" beliebte Signature-Moves. In Zeiten von kindergerechtem TV-Wrestling wird der männliche Schritt immer seltener eingesetzt. Ist der Penisplex ein Versuch, den Penis im Wrestling wieder populärer zu machen?
Den Reaktionen auf das Video nach zu urteilen, glaube ich nicht, dass der Schritt oder der Penis heute weniger populär sind als früher. Weniger im Einsatz vielleicht, vor allem in kindergerechten Wrestling-Ligen, ja. Ich finde es schon ein bisschen lustig, dass diese Unternehmen jahrelang versucht haben, den Mainstream davon zu überzeugen, wie familienfreundlich Wrestling doch ist—und ich habe diese Idee in zirka 27 Sekunden ruiniert.

Im Wrestling gibt es so viele unterschiedliche Stilrichtungen, wie es Kulturen gibt. Ist der Penisplex etwas, das in Osaka zum Beispiel besser funktioniert als in New York oder ist der Ort hier egal?
Die Menschen im Publikum sind definitiv wichtiger als der Ort, wo ein Move ausgeführt wird. Es gibt einiges an Comedy und charakterbasiertem Zeug, das in der gesamten Wrestling-Welt beliebt ist.

Stört es dich, dass Wrestling aktuell nur dann viral geht, wenn Leute eine Möglichkeit sehen, sich darüber lustig zu machen?
Ich sehe mich als Unterhalter und das ist ein unterhaltsames Video. Wenn diese Aufnahme der Grund ist, warum Leute glauben, dass Wrestling Fake ist, dann haben sie offenbar noch eine Irish Whip gesehen, die in fast jedem Wrestling-Match eingesetzt wird.

Der Internet-Ruhm, den du durch das Penis-Video auch bei Nicht-Wrestling-Fans hast, nervt dich also nicht?
Ich bin ein Geschichtenerzähler und kein Typ, der auf harter Hund macht. Wenn ich ein Publikum emotional erreichen kann, egal ob mit meinem Penis oder irgendwie anders, dann habe ich mein Ziel erreicht.

Du hast keine Berührungsängste mit übertriebenen Kämpfen wie zum Beispiel deinem gemischt-geschlechtlichen Match gegen Karlee Catrina Perez. Gleichzeitig performst du auch in technisch soliden Matches in Ligen wie TNA oder Ring of Honor. Gibt es einen Stil, den du bevorzugst?
Ich habe eigentlich keine Präferenz, aber ich muss sagen, dass die Fähigkeit, alle diese unterschiedlichen Stile zu bedienen und in jede Show zu passen, meinen Terminkalender ziemlich gut füllen.

Mick Foley hat den People's Elbow [Anm.: Finisher von Dwayne „The Rock" Johnson] mal den lächerlichsten Move im Wrestling genannt—und es als Kompliment gemeint, weil The Rock ihn trotzdem so hinbekommen hat, dass er für die Fans funktioniert. Ist der Penisplex der neue People's Elbow?
Das Publikum bestimmt, was funktioniert und was nicht. Wenn Wrestling versucht, sein Publikum zu kontrollieren, geht das nur selten gut. Ich bin nicht der Grund, warum mein Penis gut ankommt, das Publikum und seine Reaktion sind der Grund. Insofern ist es wie der People's Elbow, ja.

Letzte Frage: Denken wir zu viel über die Sache nach?
Nicht solange es mir hilft, Geld zu machen, nein.

Markus auf Twitter: @wurstzombie