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GAMES

Darum sind Videospiele im Jahr 2015 so beschissen

Eigentlich sind Videospiele ja schon eine tolle Sache, aber leider werden sie inzwischen durch das überflüssige Drumherum oft kaputt gemacht.
8.4.15

Videospiele sind vieles: ein quasi religiös verehrtes Hobby von Millionen Menschen aus der ganzen Welt, ein Mittel gegen Depressionen, eine Möglichkeit zum Ausblenden des täglichen Stresses, ein Weg zur sozialen Entfremdung und sogar eine lebensrettende Maßnahme. Hinter dem Ganzen steht eine milliardenschwere Industrie, die jährlich mehr Gewinn macht als das Musik- und Filmgeschäft zusammen. Die Gaming-Community ist ein kultureller Schmelztiegel aus passionierten Fans und engagierten Entwicklern mit viel Talent. Die Tausenden virtuellen Welten, Charaktere und Geschichten werden wunderschön auf dem Bildschirm verwirklicht und setzen sich dabei richtig in deinem Kopf fest.

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Jetzt ist aber Schluss mit dem zuckersüßen, witzigen und arschkriecherischen Scheiß, denn ich muss hier jetzt auch mal ein paar Sachen klarstellen. Folgende Dinge machen Videospiele im Jahr 2015 richtig scheiße.

BESCHISSENE ANLEITUNGEN

Letztens habe ich mir das Spiel Bloodborne zugelegt und erwartete natürlich nicht viel, als ich die Hülle öffnete. Aber ist das wirklich das Beste, was uns die Entwickler bieten konnten? Eine dünne, schlabberige Beilage mit einer aufgedruckten Tastenbelegung? Allerdings liegt die Schuld hier nicht beim letzten Geniestreich von Hidetaka Miyazaki. Im Jahr 2015 sind Videospiel-Anleitungen quasi nicht mehr existent. Heutzutage handelt es sich dabei einfach nur noch um lieblose „Lade unsere kostenpflichtigen Inhalte oder das neueste beschissene Outfit für deinen Charakter herunter"-Flyer, die in der Hülle herumfliegen und die Spieler so viel interessieren wie die Angebote von Entrümpelungsunternehmen, die irgendwie ständig im Hauseingang zu finden sind.

Ich weiß, wie Videospiel-Anleitungen damals noch richtige Texte beinhalteten und sich die Entwickler wirklich Mühe gaben, das Ganze zu einem Teil der Erfahrung werden zu lassen. Als ich noch mit meinem alten Sega Mega Drive spielte, las ich mir die Anleitungen immer und immer wieder durch, um mich schon vor dem Anschalten der Konsole richtig in die Spielewelt hineinversetzen zu können. Was ist denn aus den guten alten Zeiten geworden, liebe Spieleentwickler? Gebt euch bei den Anleitungen doch bitte wieder ein bisschen mehr Mühe! Und wenn ich schon mal dabei bin: Eure Cover-Artworks könnten auch mal wieder etwas mehr Abwechslung vertragen.

AMIIBO-FIGUREN

„Pass nur auf, wenn ich Papa erzähle, dass du jetzt Spielzeugfiguren sammelst", drohte mir mein charmanter jüngerer Brüder vor Kurzem. Mit 30 Jahren sollte es mir eigentlich sowas von egal sein, was meine Eltern von meinen Hobbys halten, aber ich musste trotzdem auch noch Stunden nach unserer Unterhaltung über seine Worte nachdenken.

Er hatte ja irgendwo Recht. Warum sammle ich diese kleinen, kitschigen, überflüssigen und kindischen Figuren überhaupt? Warum verbrate ich mein ständig weniger werdendes Gehalt für kleine Plastikmännchen, die mich dann vom Regal aus mit spöttischer Gleichgültigkeit anstarren? Wird das Ganze jemals vorbeigehen? Demnächst kommen die Figuren von Ness, Charivari und Pac-Man in den Handel. Die muss ich unbedingt vorbestellen. Meta Knight, Little Max und Rosalia sind für mich absolute Must-Haves. Für die ganzen Fire Emblem-Charaktere würde ich im Notfall auch nach Japan fliegen. Danach kann ich mich dann bei einer Tasse Tee hinsetzen und darüber nachdenken, wann genau ich die Kontrolle verloren habe. Oh Gott, jetzt gibt es bald auch noch Yoshis aus Wolle? Hört das denn niemals auf?

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Ach, Papa, falls du das hier lesen solltest: Ich bin nicht nur eine langhaarige Sport-Niete, ich sammle dazu auch noch seit ein paar Monaten systematisch zwölf Zentimeter große Plastikfiguren, die auf Nintendo-Charakteren basieren. Du wirst mir mit Sicherheit bald die Adoptionspapiere zuschicken.

LET'S PLAY-IDIOTEN

Letztens kam ich nicht mehr weiter und warf deshalb eine Spieleübertragung von Resident Evil - Revelations 2 auf der Xbox One an. Ein kleines, vorlautes Arschloch hüpfte in einer Ecke des Monitors hin und her und bat die Mitspieler mindestens alle zwei Minuten darum, seine Videos zu liken und seinen Kanal zu abonnieren.

Du kannst mich jetzt gerne als Miesepeter bezeichnen, aber ich sehe einfach keinen Reiz darin, diesen Trotteln dabei zuzusehen, wie sie vor der Kamera Videospiele zocken. Tut mir Leid.

ÜBERFLÜSSIGE NEUAUFLAGEN

Mal ehrlich: Resident Evil wurde jetzt schon viel zu häufig neu aufgelegt. The Last of Us wurde im letzten Sommer mit einer besseren Bildrate neu veröffentlicht—ein schlechter Witz. Für einige von uns trübte das HD-Remake von Shadow of the Colossus die schönen Erinnerungen an das ursprüngliche Spiel. Selbst das außergewöhnlich gute Dark Souls II wird uns jetzt einfach mit neuer Hülle verkauft und es befinden sich jetzt Drachen in Spielabschnitten, die vorher keine Drachen enthielten. Und obwohl du schon letzten März Hunderte Stunden Leid und Tod durchlebt hast, wirst du dir es wahrscheinlich trotzdem noch mal kaufen, oder? Ich weiß zumindest, dass das bei mir definitiv irgendwann der Fall sein wird. Mein Gott, wann ist damit endlich Schluss?

Oh, wo ich gerade schon jedem den Spaß vermiese: God of War III muss auch nicht unbedingt neu aufgelegt werden. Es hat doch schon das erste Mal gut ausgesehen und ist perfekt gelaufen—und war trotzdem allgemein gar nicht mal so toll. Weitere neun Stunden von Kratos' Gebrüll braucht kein Mensch. Auch nicht, wenn sie aufpoliert wurden.

UNSICHTBARE KABEL

Der DualShock 4-Controller der PlayStation 4 ist der Platzhirsch unter den Videospiel-Controllern. Vorne hat er ein riesiges, mehrfarbiges Licht, er vibriert stärker als das Sexspielzeug einer verbitterten, geschiedenen Frau mittleren Alters und er ist mit einem knackenden und weitestgehend sinnlosen Lautsprecher-System ausgestattet (eigentlich ist das nur dazu da, um die Anrufe in GTA V ein wenig realistischer erscheinen zu lassen). Infolgedessen ist der Akku oft schneller leer als meine bereitgestellte Schüssel voller fader Reispampe und ich muss mich dann auf den äußerten Rand des Sofas setzen, um den Controller mit einem USB-Kabel wieder aufzuladen, das gefühlte sieben Zentimeter lang ist.

Vor Kurzem machte mein Controller natürlich genau während eines total aufregenden Bloodborne-Kampfes mit Pater Gascoigne (siehe oberes Bild) schlapp und mir wurde sogar noch schneller als normal ordentlich auf die Fresse gegeben. Es gibt zwar auch Tricks, um die Akku-Laufzeit zu verlängern, oder ich könnte mir einfach ein längeres USB-Kabel kaufen, aber es geht mir hier um's Prinzip.

GRAFIKVERGLEICHE

Jede Minute, die du damit verbringst, total ernste Split-Screen-Grafikvergleichsvideos anzuschauen, ist verschwendete Zeit, die du nicht mehr wiederbekommst.

Sieh mal, dieses Wasser sieht ein bisschen weniger beschissen aus als das Wasser. Oh, und diese Disteln wiegen sich etwas überzeugender im Wind als jene Disteln. Dazu kommt noch, dass auf der linken Seite dieses Videos mehr Partikel herumfliegen als auf der rechten Seite. Ja, so oder so ähnlich läuft jedes verdammte Split-Screen-Grafikvergleichsvideo von Idioten für Idioten ab.

DER UNAUFHALTSAME SOMMERANFANG

Jeden Samstagmorgen bringe ich mich gerne in Stimmung, indem ich eine Stunde lang im Bett die „Wochenendtweets" anderer Leute durchlese, danach in Boxershorts in die Küche stolpere und mir dort eine Tasse beschissenen Kaffee einschenke sowie einen zähen Buttertoast zubereite. Anschließend fläze ich mich in besagten Boxershorts auf die Couch, schalte die PlayStation an und zocke dann ohne Unterbrechung die aktuellen Videospiele, bis am Montagmorgen das grauenvolle Schnattern meiner Alarm-„Ente" ertönt. Vor Kurzem musste ich jedoch die Vorhänge zuziehen.

In diesem Moment wurde mir auch klar, dass der verdammte Sommer vor der Tür steht. Männer fangen trotz der noch herrschenden Kälte an, Sandalen und kurze Hose zu tragen. Putzige kleine Gastronomien füllen sich wieder mit alternden, weißwein-trinkenden und steppjacken-tragenden Frauen, die ihre Yorkshire Terrier zur Schau stellen. Die wespenverseuchten Parks werden schon bald wieder von den herumschreienden Idioten mit ihren Frisbees überrannt sein. All das steht uns unweigerlich bevor. Das Zeitfenster, in dem man ohne schlechtes Gewissen den ganzen Tag in Unterhose Videospiele zocken kann, schließt sich langsam und man kann absolut nichts dagegen machen.

DIE FEHLENDE PRIVATSPHÄRE

Stell dir folgendes Szenario vor: Ich spiele gerade Rebirth und mir fallen ständig M&Ms in die Sofaritze. Eine Benachrichtigung erscheint auf meinem Bildschirm: Beliebiger_Trottel_1874 will mit dir Battlefield 4 spielen. Nein, danke. Etwas später folgt dann eine Whatsapp-Nachricht von Beliebiger_Trottel_1874: „Mach bei uns mit und lass diese beschissenen Indie-Spiele sein!" Er weiß, was du spielst und dass du seine Einladungen ignorierst. Er weiß auch, dass du eigentlich gar nicht so sehr auf Battlefield stehst—und es ist ihm scheißegal.

Sony, ich liebe euch. Die PlayStation 4 ist im Allgemeinen auch echt super. Aber bitte baut beim nächsten Firmware-Update verdammt noch mal eine „Unsichtbar"-Funktion mit ein.

DER TOD VON „SILENT HILLS"

Vor ein paar Wochen schrieb ich einen ausgiebigen Artikel darüber, wie sich P.T.—also Hideo Kojimas und Guillermo del Toros furchteinflößender Ausflug in die Welt des Videospiel-Horrors—zu einer meiner liebsten Spielerfahrungen des Jahres 2014 gemausert hat.

Als mir klar wurde, dass Kojimas Abschied von Konami das Spiel Silent Hills trotz des absolut gruseligen Konzepttrailers vom letzten Jahr wahrscheinlich in die Entwicklerhölle schicken würde, war ich (vorsichtig ausgedrückt) ziemlich enttäuscht.

Hey Konami, bitte gebt Silent Hills nicht in die Hände irgendwelcher Leute, die nicht verstehen, dass es im Horror-Genre um das Unheimliche, das Traurige, das Surreale und das Höllenhafte geht—also Leute, die das Bild von Norman Reedus sehen und sich dann denken, dass man so schnelles Geld verdient. Lasst Kojima und del Toro einfach nur mehr von dem machen, was sie auch schon letzten Sommer fabriziert haben. So habe ich hoffentlich auch irgendwann endlich mal wieder einen Grund, mir am Wochenende in die Hose zu kacken.

FEHLENDER SPEICHERPLATZ

Aus irgendeinem Grund muss ich die Rundmail verpasst haben, die mich darüber informieren sollte, dass allein die Installation aller neuen Spiele jetzt irgendwie zehn Terabyte Speicherplatz beansprucht. Deswegen durchsuche ich jetzt ständig Amazon nach passenden Festplatten, die natürlich alle einen Haufen Geld kosten. Dieses Geld könnte ich auch gut für andere Dinge ausgeben—zum Beispiel zusätzliche seltene Amiiboo-Figuren oder Spiele, die ich dann nach einer Stunde wieder ins Regal stelle. Oder weitere beschissene HD-Neuauflagen. Dazu hat mein PlayStation-Controller noch eine klebrige R1-Taste, Bloodborne ist zu schwer, Five Nights at Freddy's ist scheiße und Zelda wurde verschoben. Warum werden eigentlich immer wieder neue Zombie-Spiele rausgebracht, warum kostet der Download eines Spiels mehr als die richtige Version, warum brauchen Telltale Games so lange mit der Veröffentlichung neuer Episoden und … OK, ich sollte hier wohl mal besser aufhören.