Bei Trump-Veranstaltung: Secret Service macht bei Journalist ‚Chokeslam‘

„Ich befand mich gut einen halben Meter außerhalb des Pressebereichs und dann packte mich der Typ gleich am Hals, würgte mich und warf mich zu Boden."

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02 März 2016, 11:34am

Foto: Twitter/Gabby Morrongiello

Ein Secret-Service-Agent einen Journalisten attackiert, der während einer Wahlkampfveranstaltung von Donald Trump im US-Bundesstaat Virginia den ausgewiesenen Pressebereich verlassen hatte, um Demonstranten zu fotografieren, die der Veranstaltung verwiesen wurden.

„Ich befand mich gut einen halben Meter außerhalb des Bereichs und dann packte mich der Typ gleich am Hals, würgte mich und riss mich zu Boden", erzählte der Time-Fotograf Christopher Morris gegenüber anderen Journalisten, nachdem er vergangenen Montag von der Wahlkampfveranstaltung entfernt worden war.

Auf Twitter hochgeladene Aufnahmen zeigen Morris, wie er auf dem Rücken liegend nach dem besagten Secret-Service-Mitarbeiter tritt und wütende Gesten macht, als hätte man ihn am Hals gepackt. Ein Journalist, der ebenfalls ein Video des Zwischenfalls gepostet hat, beschrieb den Angriff als „Chokeslam". In einem anderen, auf Instagram hochgeladenen Video ist deutlich zu sehen, wir Morris am Hals gepackt und anschließend zu Boden geworfen wird.

Gabby Morrongiello, eine Wahlkampf-Berichterstatterin für den Washington Examiner, war ebenfalls bei der Veranstaltung anwesend und wurde Zeugin, wie die Agenten Morris fortbrachten. Ihr zufolge begann die Auseinandersetzung, als Morris versuchte, den ausgewiesenen Pressebereich zu verlassen, um Fotos von den anwesenden Demonstranten zu machen.

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Es tauchte außerdem noch ein anderes Video auf, in dem Morris den Secret-Service-Mitarbeiter kurz vor dem Angriff „Fuck You" ins Gesicht sagt.

Morris gab bekannt, den Agenten nicht anzeigen zu wollen.

Weitere Aufnahmen zeigen, wie Morris selbst kurz handgreiflich wird, nachdem er sich wieder aufgerichtet hat.

Dieser Vorfall könnte die sowieso schon schwierige und gar feindselig anmutende Beziehung zwischen Donald Trump und der Presse nun noch weiter verkomplizieren. Der mögliche Präsidentschaftskandidat der Republikaner hat Journalisten bei vergangenen Wahlkampfveranstaltungen schon des Öfteren als „Abschaum" bezeichnet und Pressevertreter wurden wiederholt dafür bestraft, den ihnen zugewiesenen Bereich verlassen zu haben.

Im November filmte der CNN-Journalist Noah Grey Trumps Wahlkampfleiter dabei, wie der damit drohte, jedem Journalisten, der bei Wahlkampfveranstaltungen den zugewiesenen Bereich verlässt, den Presseausweis zu entziehen.

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Außerdem wurden diverse Journalisten schon von jeglichen Trump-Wahlkampfveranstaltungen ausgeschlossen. Vor Kurzem twitterte die NBC-Mitarbeiterin Katy Tur über ihrer Erfahrungen: „Trump redet schlecht über die Presse. Die Menge jubelt. Ein Typ neben dem Journalistenbereich schaut uns an und schreit ‚Du Schlampe!'. Ein anderer Gentleman zeigt den Kameras seine beiden Mittelfinger."

Der Angriff auf Morris ereignete sich nur einen Tag nach Trumps Ankündigung, die Verleumdungsgesetze für Medienvertreter verschärfen zu wollen, um die Leute besser verklagen zu können, die negativ über ihn berichten.

Trumps Wahlkampfbüro hat auf unsere Bitte um eine Stellungnahme zum Vorfall mit Morris noch nicht reagiert, aber inzwischen wurde ein allgemeines Statement veröffentlicht: „Während der Wahlkampfveranstaltung an der Radford University kam es zu einem Zwischenfall, bei dem ein Fotograf und ein Mitarbeiter des Secret Service involviert waren. Uns sind noch nicht alle Details zu besagtem Zwischenfall bekannt und jegliche weiteren Anfragen sollten direkt an die örtlichen Polizeibehörden geschickt werden."

Der Secret Service bestätigte in einer eigenen Stellungnahme, dass ein Agent in die Auseinandersetzung involviert war. Außerdem wurde gesagt, dass man daran arbeiten würde, die genauen Umstände zu ermitteln, die zu dem Zwischenfall geführt haben.

Und auch die Time veröffentlichte ein Statement, in dem es unter Anderem heißt: „Wir sind froh, dass es Chris gut geht und er bald wieder arbeiten kann." Das Magazin fügte außerdem noch hinzu, dass man den Kontakt zum Secret Service aufgenommen hätte, um den dortigen Verantwortlichen mitzuteilen, dass der Zwischenfall sowie die Reaktion des Agenten nicht in Ordnung waren.

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