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Der amerikanische 'Bro': Ein Porträt des schlimmsten Wichsers aller Zeiten!

Nachdem wir schon die Psyche des deutschen „Atzen“ und des englischen „Gigolo“ analysiert haben, wenden wir uns nun einem weiteren Alpha-Arschloch zu.
31.3.14

Nachdem wir schon die Psyche des englischen „Gigolo“ analysiert haben, wenden wir uns nun einem weiteren Alpha-Arschloch zu.

Foto von Jamie Lee Curtis Taete

Es ist fast 9 Uhr morgens am St. Patrick’s Day, und er ist in der U-Bahn auf dem Weg nach Manhatten. Als er in den Zug stieg, trug er einen Kasten Lightbeer, doch jetzt liegt dieser Kasten auf dem Boden. Er trägt eine North-Face-Fleecejacke und eine Sonnenbrille aus neon-orangenem Plastik. Er pulsiert wie das Quecksilber in einem Thermometer; er ist bereit, durch die Decke zu gehen. Es scheint unmöglich, das einem menschlichen Wesen ein kleiner Feiertag so viel bedeutet, ihm so wichtig ist, doch genau das ist der Grund, weshalb er am Leben ist. Er will aus dem Fenster eines Taxis kotzen. Er ist der amerikanische Bro. Schamlos anstößig sein, Leute irritieren, Krach machen—das ist es, was ihn antreibt; das ist die Spannung, die er braucht. Er telefoniert mit jemandem namens Ryan oder Tyler oder Kyle; er sagt „cunt“, „nigger“ oder „slut“ laut, entschuldigt sich dann halbehrlich bei niemand bestimmten. „ICH HAB KEINEN FILTER, BRO.“ Er sagt mittlerweile keine Wörter mehr, grunzt nur noch und wirft „YOOOOO“ und „DUUUUUDE“ in verschiedenen Kadenzen um sich, fragt Ryan oder Tyler oder Kyle, wann sie ankommen, was sie mitgebracht haben, ob sie bereit sind.

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Er verlangt sich alles ab, lebt hart, schüttet sich Jägermeister in einen Becher, lässt den Schaffner warten. Alles, was er hören kann, ist sein laufender Gehirnmotor, die lose werdenden Schrauben, einen Sprachchor, der seinen Namen ruft. Er ist ein Rebell, er schaut Frauen mehr als intensiv in die Augen, aber vielleicht turnt sie das an, denkt er. Er ist so am Leben, wie du es nie sein können wirst, und er bringt alle Bewohner des Universums dazu, in Angst wieder nach Hause zu gehen.

Foto via Flickr User chadmagiera

Er existiert schon so lange, wie es gefräßige Männer gibt, die ihrer eigenen Existenz Zeremonien widmen. Jeder, der widerspricht, ist entweder eine Schlampe oder ein Hater oder eine Minderheit, und du musst AUF SEIN LEVEL KOMMEN, JUNGE. Die einzigen Sachen, die sich ändern, sind die Armbänder, die er trägt und die Marke Energy Drink oder das Promoshirt, das sie ihm gegeben haben. Er ist ein brusttrommelnder, kronleuchterschwingender, godzillaartiger Mutant, der keine Freunde braucht, sondern nur eine Hierarchie an anderen Männern, die einfach die Geräusche, die er macht, seine Unhaltbarkeit und seine Rage anerkennen.

Er will keine Beziehungen; er will Zeugen. Hör nicht zu, dreh einfach auf. Verstärke den Moment. Er idealisiert seine Vergangenheit sofort—Minuten, nachdem etwas geschehen ist, ist es durch einen mobilen Upload zur Geschichte geworden. Er grinst, während er an Clubschlangen vorbeiläuft, an denen er glaubt, vorbeizukommen. Und wenn dem Türsteher scheißegal ist, wer er ist, schreit er herum, dass der Club hier eh schwul ist, ihr Schlampen, und dann lacht er und lacht, und er und Ryan und Tyler und Kyle schubsen sich gegenseitig, bis sie am Zebrastreifen ankommen und WARTEWARTEWARTE, schau dir diese SMS an, Rachael will es, sie will es so was von, Bro. Sie braucht diesen Schwanz, um zu überleben. Sein Hemd ist aus der Hose gerutscht, es hat ihm eh nie gepasst; er denkt über Rachel nach, darüber, in Rachels Mund zu wichsen, und sie dann für den Rest ihres Lebens zu ignorieren. Aber er denkt auch darüber nach, wo zur Hölle er etwas zu essen kriegen kann. Er isst immer. Nichts Bestimmtes, einfach nur ESSEN. Dinge. Kondensierte Materie. Es geht ihm um KONSUM. Jede seiner Entscheidungen verfolgt dieses Ziel. Er konsumiert Frauen, nutzt Schwächen aus. Für ihn ist alles ein Schwanzfoto, ein Muskelzeigen, ein Schau-wie-hart-ich-bin, ein Schau-zu-wie-ich-das-Universum-ficke.  Nicht, weil er es will, sondern weil niemand anderes es haben soll, weil er will, dass die Welt weiß, dass er es kriegen kann, wenn er will. Alles ist eine Demonstration der Dominanz; er erobert Dinge. Er ist beim Bankdrücken, bei der Kalorienarithmetik, beim Thunfischdosen runterwürgend, seinen Körper verdrehend vor dem Spiegel, damit er den einen, bestimmten Muskel sehen kann.

Foto von Jamie Lee Curtis Taete

Er feiert nicht einfach seine Existenz; er feiert, wie viel besser seine Existenz als die aller anderen ist. Keiner geht so hart wie er; keiner hat es so gekillt wie er. Er kriegt nie einen Kater, akzeptiert nie ein Nein und fickt nie die hässliche Freundin. Er vernichtet die Next-Level-Pussy. Er ist eine laufende Politik der verbrannten Erde. Er nimmt, was er will, um seine hedonistischen Impulse zu befriedigen, und dann lässt er sie weinend auf dem Flur liegen. Er presst aus jedem Moment alle Neuheit aus. Er trinkt Kurze immer pur, denn Moderation und Zurückhaltung sind für Frauen und Schwuchteln und Kinder. Der einzige Weg, ein echter Mann zu sein, ist, so sehr wie nur menschlich möglich ein echter Mann zu sein. Er geht all-in; er ist durchtrainiert und muskelbepackt und definiert sein Leben durch Aggression und Wettbewerb. Er kauft den Hamburger, der mit zwei weiteren Hamburgern und Hähnchenschnitzel extra kommt. Wieso? Weil das drei Burger plus extra Hähnchenschnitzel sind!

Foto von Vito Fun

Er ist komfortabel. Dies muss verstanden werden. Er sitzt mit einem Drink mit Schirmchen in der Bar, denn ironische Homoerotik ist die Höhe der Maskulinität. So denkt er. Es gibt keinen Stress in seinem Leben, keine Hindernisse, nichts, das seinen Weg zu Pussy und Alkohol und frittierten Kohlenhydraten stört. In Gegenwart entblößter Frauenhaut ist er animalisch, er ist ein Jäger und wird nur schlafen, wenn er gefuttert hat. Diese Bros bewohnen eine Welt, die zweidimensional ist, ein primitives Arcadespiel, etwas, in dem sie ihre Initialen verewigen können, wenn es vorbei ist. Er geht entweder vor oder zurück, nie seitwärts. Er zertrümmert Dinge mit seinem Kopf, zerstampft schwächere Gegner, besiegt ENDBOSSE, rennt mit der blonden Prinzessin auf seiner Schulter davon. All die Härte ist eine Spiel, das EINSCHÜCHTERUNG und AUTHENTIZITÄT kreiert, mit Tribal-Tattoos, künstlich abgenutzten Jeans, Timberland-Schuhen, Hundemarken, Schweißflecken.

Foto von Flickr User nym

Er will erkannt werden, an einem Ritual teilnehmen. Das ist die einzige Art Erfolg, die er versteht. Er trägt einen Rosenkranz, liebt seine Großmutter, hat immer eine Gebetskarte irgendwo in seinem Zimmer, wird irre auf Jet-Skis, hat irgendeinen komischen Job bei einer Firma, die VERITAS FINANCIAL oder CENTURION heißt. Er fährt nach Cancun, besucht Themenpartys außerhalb vom Campus, zitiert Will-Ferell-Filme, trinkt beschissenes Lightbeer, das er dafür verachtet, dass es beschissen ist, ist aber trotzdem stolz drauf, es getrunken zu haben.

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Er ist auf der St. Patrick’s Day-Parade, bei der Happy Hour am Cinco de Mayo, in New Orleans beim Mardi Gras. Er besitzt mehr Hoodies als Bücher, mehr Hoodies als es Brustkörbe auf dem ganzen verdammten Planeten gibt. Er bereitet sich im Hotelzimmer aufs Zocken vor, glaubt überhaupt, er muss sich vorbereiten, stellt dann im Casino seinen Kragen auf und öffnet sein Hemd. Er schreit durch ein Megaphon, dass ihn nichts aufhalten kann, wandert aber gleichzeitig auf einem schmalen Grad seines Standards dessen, was COOL ist. Sein Facebook-Profilfoto ist das eines Autos. Nicht unbedingt eines Autos, das er besitzt, nur eines Autos—ein Ding, das fährt, ein Ding, das hell und laut ist, eine WRUM-WRUM-Kiste mit Motor, sie macht Krach und ist SCHNELL. Er fährt weite Kurven, wirft Müll aus dem Fenster, macht die Usain-Bolt-Pose und trägt in Gebäuden Sonnenbrille. Er macht es explizit klar, dass er ein Arschloch ist, trägt dieses Arschlochsein wie eine Krone, feiert sein Arschlochsein, und dann macht er neben seinem Freund das universelle Blas-mir-einen-Zeichen

Foto von Flickr User Rochelle, just rochelle

Er tut so, als müsste er etwas an seinem Bizeps untersuchen, nur damit er sich in jeder Kurve und Linie verlieren kann, in der Qualität seiner Bräunung, damit er darüber nachdenken kann, wie perfekt er ist. Er hängt in Swimmingpools rum, hängt in halbbetrunkenen Überlegungen in Klokabinen, ob seine Muskeln definiert genug sind und ober er aufgepumpt genug ist, ob sein Haaransatz zurückgegangen ist, ob er sie verliert, ob er noch ein Tattoo braucht.

Er ruft sie nie zurück, schreibt seinen Freunden, dass er sie nie zurückgerufen hat, er hat Momente der Einsamkeit, in denen er sich verzweifelt wünscht, er hätte sie zurückgerufen, aber dann macht er 75 Liegestütze, denn KEINE REUE. Er versaut es beim Brunch, wird laut und gebeten, zu gehen und nie wieder beim Brunch aufzutauchen. Er ist etwas, das man fürchten sollte, etwas, das bemerkt wurde, zum Guten oder zum Schlechten. Er lädt Tausende Bilder hoch: Keine Tags, keine Kommentare, einfach nur da, um seinen Zwang, immer DA zu sein, zu erfüllen. Er macht vulgäre Dinge mit Statuen, tut so, als würde er sie in den Arsch ficken, als würde er sie zwingen, ihm einen zu blasen. Hält sie im Schwitzkasten. Die Welt hat zweierlei Zweck für ihn: Er fickt Dinge, und er zerfickt Dinge. Er bringt Dinge in den Ruin. Er kann Dinge nur durch deine Antwort einschätzen, durch die Größe des Schrotthaufens. Er muss dich zum Keuchen bringen. Er muss irgendwo rausgeworfen werden. Er muss gesperrt werden. Einen Warnsticker auf seiner Stirn tragen. Er will hören: „Wir geben auf, du bist unkontrollierbar, du bist zu viel für uns.“ Er hat unsere Toleranz überschritten. Er fliegt die Interstate runter, bis die Tachonadel abfällt, bis die Polizei hinter ihm ist, bis er die Greatest Hits von Journey so laut hört, wie die Anlage es schafft. Das ist sein Traum. Das ist sein Leben. Er ist die beschissenste Person auf der Welt und er ahnt es nicht.