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Sex

Die sieben Tinder-Todsünden für Frauen

Liebe Frauen, hört auf, Bilder von euren Brüsten auf euer Tinder-Profil zu stellen, und lest lieber diesen Guide.
04 April 2015, 7:00am
Der Tot hält Tinder hoch hinter einer Frau
Illustration von Luft Fabrik

Hier lest ihr den Tinder-Guide für Männer.

Wenn du eine Frau bist und das hier liest, weil du entweder wirklich nach Tinder-Tipps suchst, oder dich vom Titel bereits herrlich abgeschreckt fühlst und dich heute noch nicht genug über Dinge im Internet geärgert hast, dann gibt es drei Dinge, die ich jetzt schon weiß:

  • Ja, du bist auf Tinder
  • Nein, nicht nur zum Umschauen.
  • Während du diese Zeilen liest, wird mir bereits irgendjemand aufs Dach steigen oder eine hasserfüllte Facebook-Nachricht schreiben, weil wir Typen mindestens genauso doof sind.

Alle drei Dinge sind OK. Natürlich bist du auf Tinder (ich bin es ja auch), natürlich hat das einen praktischen Grund (wer würde so eine Chance nicht nutzen?) und natürlich sind Männer kein bisschen besser (weshalb es ja auch diesen Gegenartikel gibt, der Männern die Tinder-Welt erklärt).

Trotzdem: Das Problem mit euren Tinder-Profilen ist ganz einfach, dass ihr nicht gut ausseht. Das trifft nicht auf alle zu, aber wenn ich mir das Verhältnis von Matches und „Leider nein"-Kandidatinnen anschaue, doch auf viele. Und es hat nichts mit eurem Aussehen zu tun (das zu kritisieren, wäre idiotisch), sondern ganz einfach damit, dass ihr nicht wisst, wie ihr euch im Internet so präsentiert, dass ihr sozialmedial punktet. Das ist nicht nur schlecht, wenn man seine Triebe befriedigen will, sondern verhindert auch, dass ihr den nächsten traumhaften „Irgendwas-mit-Medien"-Job, für den ihr euch bewerbt, auch tatsächlich bekommt.

Ihr habt verpixelte Portraits mit Schieflage, verschwitzte Gruppenfotos, beschnittene Screenshots, auf denen eure BFFs raus montiert wurden, als wären es Ex-Geliebte, und rote Augen, die euch die Aura eines Poltergeists verleihen. Und ÜBERALL SIND KATZEN! Reden wir Klartext: Das geht so nicht. Hier sind also die 7 Tinder-Todsünden für euren Online-Auftritt

Pixel und Rotaugen

Es gibt ein paar einfache Regeln, um nicht sofort nach links gewischt zu werden: Keine verpixelten oder unscharfen Fotos—auch dann nicht, wenn ihr denkt, dieses eine Selfie wäre der perfekte Top-Shot eurer Schokoladenseite. Löscht es bitte einfach trotzdem. Die Wahrheit ist, dass eure Kamera jeden Tag eures Lebens nur eine (Hosen-)Tasche entfernt ist und ihr zirka Tausend andere Gelegenheiten für bessere Bilder haben werdet. Rote Augen sind das nächste Problem. Auch 2015 gibt es sie immer noch. Die Lösung: Rote Augen kann man mit absolut jedem halbprofessionellen Fotoprogramm wegzaubern. Ihr erkennt rote Augen daran, dass eure Augen auf dem Foto rot aussehen. Ihr behebt rote Augen, indem ihr googlet, wie ihr rote Augen behebt und dann die richtige App runterladet. So einfach ist es.

Abenteuer-Heimat-Bullshit und Dirndl

Es ist jedes Mal das Gleiche. Jedes verdammte Mal: Oh, eine Palme. Sag bloß, du warst mal im Urlaub! Oh, ein Ski-Selfie. Du magst Sonne und Schnee? Oder auch oh, ein Dirndl. Du bist nicht etwa so bodenständig und perfekt, dass du sogar ein Trachtenkleid hast? Nicht wahr! Und lebensfroh in den Sonnenuntergang springen kannst du auch noch? Wo kann man dich heiraten? Im Ernst: Das interessiert alles den Heizer. Es sagt genau nichts über dich aus—außer, dass du die abgedroschensten Foto-Klischees dieser Welt kennst und weißt, wie du sie auf die billigste denkbare Art nachahmst. Auf der anderen Seite bist du mit deinem Geschmack wenigstens nicht alleine, aber auf Tinder wird es dir trotzdem nichts bringen.

Einheitsbrei

Ich weiß, jeder versucht, irgendwie special zu sein, aber spätestens nach einer betrunkenen durch-tinderten Nacht merkt jeder Typ: Ihr seht auf den Fotos alle gleich aus. Duckface mit Drink, Hundeblick vor Laptop, süß-leger im Bett, Strähnen über den Schwachstellen im Gesicht. Ich kenne Bali inzwischen besser von Tinder, als wenn ich selbst dort gewesen wäre. Und ich kann das Hollywood-Schild nicht mehr sehen. Das Problem dabei ist, wie schon beim letzten Punkt, dass ihr ironischerweise das Gegenteil von dem erreicht, was ihr vermutlich wollt: Nämlich durch eine Darstellung auffallen, die wirklich zu dem Medium passt, auf dem ihr sie postet. Wenn ihr euch an Stereotypen orientiert, habt ihr Social Media falsch verstanden.

Beschreibungstext-Fettnäpfchen

Du bist 170? Interessant. Du suchst die große Liebe? Großartig. (Aber auch: tschüss, Tinder!) Du hast eine positive Sicht aufs Leben? Hallelujah. Du willst, dass ich dir zuerst schreibe? Alles klar. Aber: warum musst du mir mit so wenigen Buchstaben so viele Klischees und Unwahrheiten liefern—und noch dazu die alten Geschlechterrollen in den virtuellen Raum rüberziehen? Wie wär's, wenn du bei deinem Beschreibungstext stattdessen kurz so tun würdest, als wäre es eine Facebook-Nachricht und mal etwas Ehrliches über dich schreibst? Klar muss es nicht das intimste Detail der Welt sein, aber es schadet kein bisschen, wenn es nicht wie etwas klingt, das vom Cover des Seitenblicke-Magazins oder der Hörzu sein könnte. Die Band Kettcar sagt übrigens: Auf deinem Shirt steht nicht das, was du bist, sondern das, was du gern wärst.

Tiere

Spätestens damit macht ihr mich richtig fertig. Was ist es, das euch die armen Tiere auf Fotos schleppen lässt? Tinder mit euch ist wie Reddit oder YouTube—oder auch der ganze sexlose Rest des Internets: Alles voller Katzen! Und wenn ihr grade keine Katze liebevoll an euch zwangsquetscht, habt ihr einen Hund im Bett oder ein geleastes Pferd unter euch oder einen Zoo-Affen im Hintergrund. Auch der malayische Papagei macht diesen Faux-pas nicht besser. Je exotischer, umso mehr wirkt ihr, als wären Tiere euer Fetisch. Und je weniger exotisch, umso eher sehen eure Bilder aus, als ob ihr nicht auf Sex, sondern auf Matches von Leuten aus wärt, die noch Stofftiere im Bett haben. Wenn das allerdings nicht eure Zielgruppe ist, dann lasst die armen Viecher einfach generell aus unserem Balz-Spiel raus. Ihr seid auch ohne Pussy-Analogie auf eurem Schoß süß und begehrenswert. Oder hart und hassenswert oder mittellieb und eh ganz nett—also ganz einfach das, was ihr sein wollt.

Brüste, Tepf, Boobies

Mein Lieblingspunkt. Mit eurer Brust verhält es sich so: Ihr zeigt sie gern. Mal umgedreht auf dem Bett, mal seitlich am Strand. Mal von ganz weit oben. Ich finde das ja super. Hier wäre jedoch (und ich hasse mich dafür, dass ich das schreibe) etwas weniger angebracht. Ich sage nicht, dass ihr eure Haut nicht zeigen sollt, ich bin total PRO #freethenipple. Ich sage nur, dass es besser funktionieren wird, wenn ihr weniger zeigt. Es ist nämlich so, dass ihr ein bisschen Arbeit auch unserer Fantasie überlassen dürft. Das ist noch besser, als sie uns so ins Gesicht zu werfen. Bei mir gilt: Je betrunkener, desto mehr matche ich mit nackter Brust. Aber die lösche ich dann am nächsten Tag immer. Besonders irritierend finde ich MEGA-Ausschnitt in Kombi mit „Ich suche die große Liebe". Komischerweise verhält es sich mit Beinen anders: Beine gehen immer. Angezogen oder nackt.

Du sollst nicht lügen

Ich verstehe generell Menschen schwer, die lügen. Aber Tinder-Lügen verstehe ich noch weniger. Wem bringt das was, wenn ihr euer Alter verändert? Immer nur eure Schokoladenseite zu fotografieren führt beim ersten Date garantiert zu Enttäuschungen. Versprochen. Er wird gehen, sobald er kann. Wenn ihr ständig nur euer Gesicht ablichtet, weiß eh jeder, was Sache ist. Warum nicht von weiter weg? Gar kein Foto ist auch bescheuert, wir sind ja nicht beim Telefon-Tinder. Und das Schlimmste: Gruppenfotos! Erst mit vier, dann mit drei Freundinnen, dann mit der ganzen Erasmusparty und vierzehn betrunkenen Typen. Denkst du wirklich, dass wir erraten wollen, wer du bist, wenn die nächste einen Daumenwisch entfernt ist?

Ein Tipp noch zum Schluss: Was (wie alles im Internet) gut funktioniert, ist Humor! Ich musste einmal so lachen, als mir beim dritten Bild plötzlich ein David Hasselhoff in Windeln entgegen grinste. Es gibt also Hoffnung!