FYI.

This story is over 5 years old.

GAMES

Wir haben mit Kollegah 'Battlefield Hardline' gespielt

Eigentlich wollten wir mit dem Boss einfach nur EAs neuesten Shooter spielen. Dann landeten wir aber doch irgendwie bei Zombie-Cyborgs—und gefreestylt hat er auch noch.
23.3.15

Wenn es einen deutschen Rapper gibt, dessen absurd-überinszenierte Gewaltszenarien noch nicht einmal mehr nach außen hin den Anspruch erheben, sonderlich viel mit der Realität gemein zu haben, dann ist es wahrscheinlich Kollegah. Eigentlich ließe sich behaupten, dass der Boss der Bosse eine Art menschgewordener Ego-Shooter ist. Somit ist es dann auch eigentlich fast ein bisschen überraschend, dass es so lange gedauert hat, bis ein deutscher Spieleentwickler auf die Idee gekommen ist, ihn für die Rolle eines Videospiele-Antagonisten zu besetzen.

In Battlefield Hardline leiht er mehreren Figuren im Story- als auch dem Bankräuber-Boss im Multiplayer-Modus seine Stimme—deswegen dachten wir uns: Warum sich nicht einfach mal mit Kollegah für ein, zwei Runden vor der Playstation zusammensetzen? Statt Bier, Chips, Joints und was man sich unter einem entspannten Zockerabend sonst noch so vorstellt, gab es bei der EA-Releaseparty in Hamburg allerdings Zombie-Talk zwischen The Walking Dead und The Last Of Us (Spoiler!) und überkochende Emotionen. Ein bisschen wie in einer schlechten Ehe. Mit Waffen.

[Wir entscheiden uns für den Multiplayer-Modus "Blood Money", Kollegah—immerhin schon vergleichsweise versiert mit dem Spiel—übernimmt den Controller.]

Alle Fotos: Tim Bruening

Kollegah: Bist du eigentlich eine Zockerin?

Schon so ein bisschen. In letzter Zeit habe ich nicht mehr so viel Zeit, aber schießen finde ich schon gut. Das beruhigt mich unfassbar. Du kamst mir aber tatsächlich nie wie ein arger Zocker vor.
Ich bin tatsächlich nie Zocker gewesen und habe in den letzten zehn Jahren wirklich nichts gezockt—außer in Casinos um viel Geld Poker gespielt. In Las Vegas zum Beispiel, da habe ich am World Series Pokertisch ordentlich abgeräumt. Aber Computerspiele sind echt lange her gewesen.

Also hattest du nie so diese typischen Jugenderfahrungen, wo man sich zum Spielen mit Freunden trifft?
Doch, klar, das schon. Ich sage mal, so im Alter von 12 bis 16 habe ich natürlich auch gezockt. Damals, was haben wir gezockt, Lisa? Was soll ich dir da erzählen? Mit Super Nintendo fing es an bei mir. International Superstar Soccer habe ich gerne gespielt.

Warst du nicht auch zu deiner Schulzeit als „der Fußballspieler" bekannt, wenn ich mich richtig erinnere?
Als „der Brasilianer"!

Ach ja. Es ist hart, bei deinen mannigfaltigen Talenten die Übersicht zu bewahren.
Da vergeht einem schnell mal Hören und Sehen.

[Hektisches Tastengeklappere. Der Boss nähert sich von hinten einer bewaffneten Person. Freund oder Feind? Im Einsatz bleiben für diese Entscheidung oft nur Sekunden.]

Ich glaube, wenn sie dieses blaue Ding über dem Kopf haben, sind sie deine Freunde.
Genau deswegen schieße ich den ja ab. Freunde sind deine größten Feinde. Man muss den Freunden immer in den Rücken schießen. Das ist die oberste Regel im Straßengesetz.

Ich finde, man kann bei so Shootern immer ganz gut abschätzen, ob man mit der Person, mit der man das gerade spielt, in der Zombie-Apokalypse irgendwo ausgesetzt werden wollen würde. Und von dem, was ich hier bisher gesehen habe, würde ich ganz klar sagen: Nein.
Mit mir nicht oder was?!

Auf gar keinen Fall.
Ich lebe doch noch! Ich bin nicht einmal gestorben! Was ist denn los mit dir?

Du schießt deinen Verbündeten in den Rücken!
Na klar, sonst schießt der mich doch ab in der Zombie-Apokalypse. Apropos Zombie-Apokalypse: Guckst du denn eigentlich die Serie The Walking Dead?

[Der Boss flaniert nun eher über die Map und hält sich den Feuergefechten etwas fern. Man bekommt einen guten Überblick über Grünanlagen und die Qualität des animierten Wassers. Wir scheinen uns in einem Villen-Gebiet zu befinden. Das natürliche Umfeld von Kollegah, quasi.]

Ja, aber nicht mehr so intensiv. Ich finde es schade, dass Shane so früh gestorben ist, weil er mein Lieblingscharakter war.
Ja, der war tatsächlich auch mein Lieblingscharakter. Er war der Bad Boy. Er war auch einfach im Recht! Deswegen habe ich auch die ersten zwei Staffeln durchgeflucht und Rick Grimes als Hurensohn bezeichnet, weil das einfach die übelste Fotze war.

Es gibt ja auch Walking Dead-Computerspiele. Hast du davon mal eins gespielt?
Nee, aber es gibt mittlerweile ziemlich viele geile Zombie-Spiele. The Last of Us habe ich gespielt, Dying Light habe ich zuletzt durchgezockt, The Last of Us habe ich gespielt—bestes Spiel. Hast du das auch gespielt?

Klar. Ist am Ende ganz heimlich und verstohlen eine einsame Träne über dein versteinertes Gesicht gelaufen?
Nee, ich habe mich totgelacht einfach nur. Weil dieser Mensch tatsächlich das Leben eines einzelnen kleinen Mädchens über das der gesamten Menschheit stellt. Da dachte ich mir: „Das kann doch jetzt nicht sein Ernst sein!"

Das sagst du, während du einem Verbündeten in den Rücken schießt!
Aber nur, weil hier keine Feinde sind! Die verstecken sich alle. Irgendjemand muss hier ja mal Action machen. Was hättest du denn gemacht in der Situation? Als der Typ von The Last of Us.

Es ist schwierig. Sie war schon ein ziemlich guter Character und die anderen Menschen waren kranke Hurensöhne. Mir hat das Spiel gezeigt, dass man niemandem trauen kann und sich nur auf die Leute verlassen sollte, die einem wirklich nahe sind.
Definitiv. Ich finde es cool, dass wir hier über alle möglichen Spiele reden außer über Battlefield Hardline.

Wie bist du überhaupt dazu gekommen, für Battlefield einen Gangsterboss zu sprechen? Es gibt ja Leute wie Rockstah, die sich offen dazu bekennen, dass sie gerne mal zocken, bei dir hatte man aber immer eher den Eindruck, dass du deine Freizeit flanierend und trainierend verbringst.
Flanierend und planierend! Ich fahre mit einer Raupe über andere Rapper. Ja, das stimmt schon, aber ich habe in den letzten vier, fünf Monaten ein bisschen was aufgeholt an Zockerwissen. Was auch daran liegt, dass ich mich so ein bisschen zurückgezogen habe aus der Öffentlichkeit. Ich war einfach viel zu beschäftigt damit, mein Geld zu zählen, welches ich mit King eigenommen habe, und deswegen habe ich abends auch ab und an mal ein Stündchen gezockt.

Ich glaube, die Leute von EA waren einfach sehr fasziniert von meiner Stimme und fanden die sehr passend für diese Rolle. Da ich ein sehr dominantes Gebaren an den Tag lege, hat das einfach wie die Faust aufs Auge gepasst mit der Gangsterboss-Rolle. Wo ich dann Kommandos gebe wie: Knallt die Hurensöhne ab! Hebt das Geld auf! Giuseppe, heb das Geld auf!

[Wir sind am gegnerischen Tresor angekommen. Der Boss räumt ihn nicht ganz aus. „Wozu auch?", scheint er sich zu denken, „Geld habe ich genug."]

Leider haben wir kein Motion-Capturing gemacht. Ich hätte da total Lust drauf gehabt. Ich würde gerne mein eigenes Computerspiel selbst mitentwickeln und dann das Ganze mit Motion-Capturing-Verfahren wirklich realistisch machen.

GTA Düsseldorf.
(lacht) Genau! Auf der Königsallee wird rumgeballert, Drive-By in Oberkassel! Es wird die übelsten Waffen geben. So getunte Bagger und Panzer, die von Zombie-Cyborgs gesteuert werden. Das wird das übelste Splatter-Spiel, das die Welt je gesehen hat. FSK 30 wird das sein. Wobei die Jugend heutzutage auch wieder ordentlich Cash am Start hat. Zumindest meine Fanbase, habe ich gemerkt. Wenn ich mir ansehe, wie irgendwelche 13-Jährige 200 Euro für die Bosstransformation locker machen—was sich auch lohnt—heißt das für mich auf jeden Fall, dass die Geld haben. Das sind Rich Kids, würde ich sagen, wenn ich Kay One wäre.

Was für Charaktere sprichst du sonst noch, außer dem Gangsterboss?
Direkt am Anfang des Spiels, wenn du in so eine Seitengasse gehst, bist du an einer Hantelbank. Das ist der erste Character, den du im Spiel triffst, und der ist da am Pumpen, macht Bankdrücken. Mit dem kannst du auch labern, aber der sagt nur Sachen wie „Bulle, was los mit dir? Verpiss dich!" Und dann kommt später noch einer, der ein Gangster ist und vor mir abhaut—also, man ist ja ein Polizist in dem Spiel. Zwar ein korrupter, aber ein Bulle. Die dritte Rolle will ich noch nicht verraten, die ist was ganz Besonderes. Da muss man vielleicht auch ein bisschen suchen, bis man das findet und da möchte ich noch nicht spoilern. Wenn ich mit Spoilern zu tun habe, dann höchstens an meinem Ferrari Coupé, Kid, aber nicht bei Spielen.

Warst du nicht eben schon bei diesem Tresor? Da kamen wir doch eben her.
Du bist heute aber besserwisserisch drauf. Dann zock du doch weiter!

[Der Controller wird übergeben. Zielsicher drückt die Autorin L1, die Taste, in der man in ziemlich vielen Shootern zielt. Zum Beispiel in Far Cry 4, Crysis 2, Battlefield 3 … nicht aber in Battlefield Hardline.]

Da wirft sie sich erst mal eine Handgranate vor die Füße und ist fast tot! Das ist die Lisa, wie man sie kennt. Wie sie leibt und lebt. Da wirft sie eine Granate auf die Treppenstufe vor sich, damit die ihr fast noch auf den Kopf zurückgesprungen kommt.

Alter, ich wollte jetzt gerade einfach schauen, wie die Tastenbelegung ist.
Ja, ja. Ist klar. Hauptsache, andere kritisieren: „Warst du nicht eben schon bei dem Tresor? Hm? Geh doch mal zu dem anderen Tresor!"

Ich bin ein sehr guter Videospieler! Das lasse ich mir hier jetzt so nicht sagen.
Das sei jetzt mal so dahingestellt—wie Palisanderholzmobiliar in meiner Villa.

[Ein Kumpel von Kollegah taucht aus dem Nichts auf und ruft: „Ey Bruder, geh mal auf PC zocken. Das ist viel ärger!" Kollegah nickt wissend.]

Es ist doch aber auch so: Um richtig präzise zu sein, um die Leute hier wegzusnipern, musst du mit der Maus spielen. An der Playstation ist es immer so eine Gewöhnungssache. Mit einem Joypad bist du nie so agil.

Aber ich bin schon extrem froh, dass …
Du gerade über diese Brücke läufst und nicht runterfällst?

Weißt du was, das ist jetzt echt sexistisch.

[Die Autorin ist kurz davor, einen triumphalen Durchbruch in der Mission zu erzielen, bewegt sich siegesgewiss auf den gegnerischen Tresor zu und … stirbt. Kollegahs Kumpel wirft ein, dass es ziemlich offensichtlich war, dass da jemand campt.]

Aber da war niemand!
Doch, die campen da nämlich.

Du kannst nicht einfach alles wiederholen, was er sagt, und so tun, als wärst du der Beste in diesem Spiel!
Also, Entschuldigung, es ist ja wohl ganz klar, dass die da gecampt haben.

[Kollegahs Kumpel weist darauf hin, dass er übrigens auch auf Twitch TV streamt.]

Ja genau, er streamt auf Twitch! Whatever that is! (lacht)

Ich wusste, dass die Fassade des sympathischen Nerds irgendwann Risse bekommen würde und jetzt ist es soweit.
Das ist auch ein total aufgesetztes Image, damit ich mir ein paar Zocker abgreifen kann, die sich dann meine Platte kaufen, weil ich so toll synchronisiert habe. Das geht jetzt hier voll in die Hose. Fuck! Wir müssen da auf jeden Fall noch mal drüber reden. Wir können dieses Interview so nicht rausbringen.

Folgt Lisa bei Twitter.