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Der Knigge für betrunkene Mädchen

Besoffene Mädchen können das Schönste und Schlimmste der Welt sein. Wir sagen euch, wie ihr immer zur ersteren Gruppe gehört, ohne auf gute Partys zu verzichten.
28.11.14

Es gibt Menschen, die meinen, es schickt sich für Mädchen nicht, betrunken zu sein. Menschen, die so etwas sagen, sind entweder alt oder ziemlich sexistisch, denn erstens ist jeder manchmal eklig, wenn er besoffen ist, und zweitens sollten auch Mädchen das Recht haben, sich daneben zu benehmen, wenn sie wollen—auch wenn sie dadurch auf ihren Mythos der Elfenhaftigkeit und der Fürze, die nach Rosen riechen, scheißen und Besoffene nüchtern betrachtet eigentlich immer ziemlich schlimm anzusehen sind. Obwohl Alkohol zu den starken Drogen gezählt wird, ist es für die meisten unter uns das Normalste der Welt, sich nach einer anstrengenden Woche einen gepflegten Spritzer-Rausch zu gönnen oder im Notfall mit Vodka und Mineralwasser—von realitätsfremden Menschen auch Vodka Wellness genannt—vorzuglühen.

Wenn man betrunken ist, fühlt man sich meistens ziemlich unbesiegbar, wunderschön und überhaupt gilt: je dichter, desto hemmungsloser. Spätestens, wenn man aber am nächsten Tag die Handyfotos durchforstet, holt einen das verschwitzte, zerzauste, stinkende Grauen ein, während man sich die Schminke vom Vorabend aus den Augen und vom Kopfpolster kratzt. Alle Regeln, die ich in diesem Knigge aufgeschrieben habe, musste ich unter schlimmen Qualen am eigenen Körper lernen—und sie gelten zwar nicht nur für Mädchen, sondern genauso für Männer, aber weil das hier ein Knigge von einem Mädchen für Mädchen ist, richte ich mich hier erst einmal hauptsächlich an meine weiblichen Kumpaninnen. Also haltet euch besser daran, Schwestern.

Löscht eure gesendeten Nachrichten

Wenn euch etwas an eurem Seelenheil liegt, solltet ihr diesen Rat befolgen. Betrunken neigt man ja bekanntermaßen dazu, Nachrichten zu verschicken, die man manchmal frühestens im Augenblick des Drücken des Senden-Buttons oder spätestens am nächsten Morgen bereut. Die Schmach, der man nach einer verschlüsselten und—natürlich dank Autocorrect—falsch geschriebenen „I miss you"-Nachricht ausgesetzt ist, ist nur schwer zu ertragen. Das ist der Punkt, an dem einer meiner Rausch-Instinkte zum Einsatz kommt, die ich mir hart antrainiert habe. Wenn ich jemandem schreibe, dass ich ihn vermisse/hasse/liebe/sofort mit ihm schmusen will, aktiviert sich das Unterbewusstsein meines nüchternen Ichs, das bereits weiß, dass ich in einigen Stunden im Erdboden versinken werde. Darum lösche ich die Nachrichten oft sofort nach dem Senden und kann mich dann entweder gar nicht oder nur verschwommen daran erinnern, wie an einen absurden Traum, der zum Glück nie Realität wird—zumindest, bis die Antwort kommt. Manchmal ist Verdrängung eben doch die Lösung.

Habt immer ein Notfall-Paket dabei

Da alle Männer hier wahrscheinlich schon längst ausgestiegen und wir unter uns sind—ihr Mädchen solltet eigentlich wissen, was jetzt kommt. Wer säuft, schwitzt unweigerlich, stolpert und heult im schlimmsten Fall auch ein bisschen. Darum sollte pro Freundeskreis mindestens ein Mädchen ein Notfall-Paket mit Puder, Haargummis, Kaugummi und anderen lebenswichtigen Utensilien dabei haben. Das Puder zum Abdecken der Stirn, damit sich die anderen Besoffenen nicht mehr darin spiegeln können, die Haargummis zum Bändigen deiner Haare, die mittlerweile aussehen, als würdest du gerade frisch von einem Festival kommen, und Kaugummi dafür, dass du bei eventuellem Kontakt zum anderen Geschlecht nicht riechst wie der Obdachlose, der neben seinem Tetrapak Wein in der U-Bahn schläft und schon mindestens fünf Mal von einer Endstation zur anderen gefahren ist. Diese Dinge sind definitiv der Schlüssel zum temporären Party-Glück.

Alle Fotos: VICE Media

Lasst andere Mädchen am Leben

Betrunkene Mädchen sind tickende Zeitbomben, gefüllt mit irrationalem Hass und östrogengeladenem Wahnsinn. Alkohol trägt erheblich dazu bei, dass Mädchen, die sich nicht einmal kennen, sich gegenseitig hassen. Lasst es einfach bleiben und versaut fremden Mädchen und euch selbst nicht den Abend, nur weil euch jemand unabsichtlich auf den Fuß gestiegen ist oder euch beim Tanzen aus Versehen angerempelt habt. Durchdrehen ist nicht die Lösung, und das seht ihr spätestens ein, wenn ihr dem Mädchen neben euch unabsichtlich euer volles Bier vor die Füße schmeißt.

Esst noch was, bevor ihr nach Hause geht

Obwohl jeder betrunkene Mensch, der gerade Fast Food in sich hinein stopft, aussieht wie David Hasselhoff, sollte euch das nicht davon abhalten, dass ihr noch etwas esst, bevor ihr nach Hause geht. Denn erstens schmeckt es ziemlich großartig und es sollte euch nicht interessieren, ob euch Männer dann für ekelhaft halten—ja, das ist tatsächlich so. Ein Typ hat mir einmal erklärt, dass er nicht einmal mit dem hübschesten Mädchen schmusen würde, wenn er sie zuvor gesehen hat, wie sie besoffen eine Käsekrainer isst. Aber das bedeutet nichts, denn der selbe Typ hat mir auch diese Weisheit beigebracht: „Ein Mann ohne Knast ist wie ein Baum ohne Ast". Und zweitens wird der triefende Kebab euren Kater zumindest ein bisschen weniger schlimm machen.

Streitet bloß nicht mit euren Freundinnen

Das Einzige, das noch schlimmer ist, als mit Fremden zu streiten, ist, im Rausch plötzlich seine Freundinnen zu hassen. Besoffene Streits mit den Freundinnen, die sich nur darum drehen, dass der eine Typ nicht zu euch, sondern zu eurer Freundin Hallo gesagt hat, euch aber trotzdem dazu bringen, betrunken ziemlich verletzende Dinge zu sagen und für eine Woche nicht miteinander zu reden, sind so ziemlich das Uncoolste, das sich euer besoffenes Hirn ausdenken kann. Die einzigen Verbündeten, die man im Rausch hat, sind die eigenen Freunde, die genauso betrunken wie man selbst sind und mit denen man im Chor zu „Wannabe" mitbrüllen oder die peinliche Choreografie zu „Total Eclipse Of The Heart" aufführen kann. Und weil mit Freundinnen streiten nüchtern schon schlimm genug ist, solltet ihr es erst recht nicht betrunken machen—ihr wisst, dass ihr es bereuen werdet.

Aktiviert eure Rausch-Instinkte

Es gibt Dinge, die vergisst man nicht—vorausgesetzt man hat die jahrelange Party-Erfahrung dazu genutzt, sich gewisse Dinge anzutrainieren. Ich will gar nicht daran denken, wie viele Lieblingsjacken meiner Jugend schon dem Alkohol zum Opfer gefallen sind und bis heute in einem Club in meinem Heimatkaff vor sich hin modern, weil ich ab einem gewissen Punkt nicht einmal mehr wusste, dass ich überhaupt eine Jacke besitze. Heute würde ich niemals, egal wer oder was passiert, meine Jacke im Club liegen lassen. Ich nenne diese Mechanismen liebevoll Koma-Konditionierung.

Lernt, welches Getränk euch ausschaltet

Jeder hat ein Getränk, das ihn vernichtet. Ich musste auf die harte (und sehr schmerzhafte, nach Magensäure schmeckende) Weise lernen, dass meines Vodka Schnee ist—diese Erkenntnis hat mich zwei meiner Geburtstagsfeiern und viele Gehirnzellen gekostet. Diese Regel gilt zwar nicht nur für Mädchen—trotzdem sollte man sie immer vor allem dann im Hinterkopf behalten, wenn man ein Kleid und/oder hohe Schuhe trägt, oder nicht nach einer Stunde vorglühen im Koma liegen möchte—und wenn man nicht wie dieser lustige Zeitgenosse auf dem Bild enden und/oder sich den Knöchel brechen möchte, während man sich in seine eigenen Haare kotzt. Wahrscheinlich werde ich bis an mein Lebensende Vodka und Staubzucker zu meinem Geburtstag geschenkt bekommen, trinken werde ich dieses Teufelszeug in diesem Leben jedenfalls nicht mehr.

Lasst euch die Laune nicht unnötig verderben

Irgendwann kommt unweigerlich der Punkt, an dem man einen Ex oder eine unerwiderte Liebe im Club trifft und sich wie Carrie Bradshaw fühlt, als sie von Mr. Big vor dem Altar stehen gelassen wurde. An zweiter Stelle der Rausch-Horrorszenarien steht der Moment, an dem man bemerkt, dass man etwas verloren hat—sei es Bargeld, Schmuck oder die Ehre. Bitte macht euch nichts draus. Ich habe einmal auf einer Elektro-Party einen Schuh verloren, trug keine Socken und habe trotzdem bis sechs Uhr Morgens weitergetanzt. Mein Fuß sah zwar danach aus, als wäre er mehrmals abgefroren und abgestorben, aber im Nachhinein und nach einer ausgiebigen Fuß-Desinfektion war ich erstens froh, dass ich überhaupt noch einen intakten Fuß hatte (etwas, worüber man sich sonst ja viel zu selten freut), und zweitens, dass ich mir meine Laune nicht verderben lassen hatte (was immerhin auch selten genug vorkommt). Von meinem damaligen Freund, der böse auf mich war, weil ich ohne Schuh und ohne ihn auf der Party geblieben bin, will ich gar nicht erst anfangen—denn auch das ist essenzieller Bestandteil dieser Regel.

Erzählt Verena auf Twitter eure schönsten Rausch-Geschichten: @verenabgnr