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Popkultur

​Fragen, die ,Magic Mike XXL’ aufwirft

In ,Magic Mike XXL' geht es um die wirklich wesentlichen Dinge des Lebens. Wir hätten trotzdem noch ein paar Fragen.

von Verena Bogner
31 Juli 2015, 7:05am

Wie immer voller Emotionen: Magic Mike | Screenshot via YouTube

Letzte Woche ist Magic Mike XXL in unseren Kinos gestartet. Der Film ist die Fortsetzung von Magic Mike, dem Film, in dem Channing Tatum den ziemlich beweglichen Stripper Mike mimt. An unwichtige Dinge wie eine konkrete Story erinnere ich mich nur noch vage, aber wahrscheinlich fange ich die Essenz des Filmes mit der Reduktion aufs Körperliche ohnehin ziemlich gut ein. Worauf sich das „XXL" im Filmtitel der Fortsetzung bezieht, kann man nur mutmaßen. Im Idealfall sind es die Penisse der Darsteller—Channing Tatums Hirn oder die Ausgereiftheit der Story sind es definitiv nicht. Aber darauf kommt es hier auch schließlich nicht an.

Ich schließe hier lediglich von mir auf andere, aber dieser Schundstreifen kombiniert all das, was Frauen von Zeit zu Zeit brauchen—zumindest, wenn es um Filme geht: Nackte, heiße Körper und abartig gute Tänzer. Ich habe mir dieses filmgewordene Guilty Pleasure in einem Saal voller kichernder Frauen angesehen und auch wenn der Film nicht gut ist, ist er eine Wohltat für Auge und die Libido. Trotzdem wären da noch ein paar Fragen offen.

Achtung, dieser Artikel enthält Spoiler!

Was ist mit Channing Tatums Gesicht los?

Ich habe mich den ganzen Film über gefragt, was mit Channing Tatums Gesicht passiert ist. Hatte er einen Schlaganfall? Verträgt er kein Botox? Verspürt er keine Emotionen? Ist er einfach ein schlechter Schauspieler?

Sein Gesicht hat 115 Minuten lang keine wirkliche Regung gezeigt, nicht einmal dann, als er seinen Freunden gestanden hat, dass seine große Liebe ihn verlassen hat, oder dann, als er sich zwei Wochen später schon wieder verliebt hat. In diesem Film geht es schlicht und einfach um nichts außer die Körper der Typen. Damit hat sich wohl auch Channing abgefunden und darum versucht er gar nicht erst, eine schauspielerische Leistung abzuliefern. Man will sehen, wie sie mit den Frauen, für die sie tanzen, in allen erdenklichen Stellungen Trockensex haben, sich auf ihr Gesicht setzen und umgekehrt, während im Hintergrund ein Song mit dem Text „Let me Penetrate you, Let me Violate You" läuft. Genau genommen tut uns Channing mit seiner Ausdruckslosigkeit also nur einen Gefallen, denn seine Gefühle würden uns nur vom Wesentlichen ablenken.

Wozu die vielen Sperma-Metaphern?

Magic Mike schweißt so lange, bis die Funken spritzen. Screenshot aus dem offiziellen Trailer via YouTube

In den 115 Minuten, über die Magic Mike XXL dahin plätschert, sieht man so viele Sperma-Metaphern, dass man nicht einmal bei eigentlicher Abneigung gegen den Film trocken bleiben kann. Gleich zu Beginn des Filmes sieht man Mike in seiner Werkstatt, wie er plötzlich beginnt, zu seinem Track aus dem ersten Teil—dem ultimativen Sex-Lied „Pony"—zu tanzen. Und mit tanzen meine ich, dass er an einem Stahlrohr zu schweißen beginnt, das er zufällig vor seine Leistengegend hält—so lange, bis die Funken fliegen, oder vielmehr spritzen.

Zum Schluss des Filmes, als die Stripper nach einem erschreckend langweiligen Roadtrip ihren großen Auftritt auf der hiesigen Stripper Convention (LOL) antreten, besteht die Show von einem der gestählten Typen daraus, dass er zwei Frauen aus seiner Leistengegend einen riesigen Haufen Schlagsahne ins Gesicht spritzt. Und sie lieben es. Wer Sperma vorher nicht mochte, tut es spätestens nach dieser Szene, in der danach zu allem Überfluss auch noch ein Lollipop in Penisform aus der Hose des Strippers auftaucht. Eigentlich macht Magic Mike XXL die männliche Ejakulation also nur kino- und somit salonfähig und hat sich dafür ein großes Danke verdient.

Warum tragen männliche Stripper immer noch Tangas?

Tangas sehen an Männern einfach nur beschissen und nicht einmal annähernd sexy aus. Selbst wenn sich Magic Mike, der bei all dem irrationalen Hass, den ich für Channing Tatum hege, leider nun mal einfach geil ist, die Hose schneller runter reißt, als ich „Hausfrauenporno" sagen kann, will ich in seiner Arschritze keinen Tanga klemmen sehen. Ich will seinen Schwanz nicht in einem winzigen Stoffteil auf und ab baumeln sehen, weil es einfach nicht heiß ist.

Nichts turnt weniger an als ein Mann, der das Gesicht einer auserwählten Frau auf der Bühne durch einen kleinen Tanga bumst. Tangas an Männern sind lächerlich, auch wenn wie in diesem Fall ihr Körper ihr Kapital ist und sie so viel wie möglich davon zeigen wollen und müssen. Meine Vagina verschließt sich jedenfalls auf der Stelle, wenn ich einen Mann im Tanga sehe—scheißegal, wie gut und sexuell er sich bewegt.

Sind Stripper wirklich Heiler?

Screenshot aus dem offiziellen Trailer via YouTube

Im Film führen die Stripper-Freunde irgendwann ein Gespräch über Strippen. Diese Tatsache ist an sich nicht spannend. Spannend ist eher ihre Schlussfolgerung, dass alle Stripper verdammt nochmal Heiler sind. Was ist hier passiert? Warum versuchen sie, aus Strippen etwas Tiefgründiges zu machen?

Magic Mike und seine Freunde strippen, um Frauen anzumachen. Sie sind die Verkörperung ihrer sexuellen Fantasien und der Großteil der Frauen, die diesen Film gesehen haben, werden beim Masturbieren daran denken, wie Magic Mike bei einem Auftritt zwei Frauen gleichzeitig durch die Luft und direkt zu seinem Penis wirbelt. Natürlich erfüllen die Stripper geheime Wünsche der Frauen und schenken ihnen Aufmerksamkeit. Die Zuschauerinnen der Strip-Shows werden im Film permanent als „Queens" angesprochen und sie werden von den Strippern auch so behandelt. Vielleicht haben die strippenden Dumpfbacken hier gar nicht so Unrecht, wie ich dachte, und „Sexual Healing" ist doch keine Lüge.

Warum dauert der Film länger als 15 Minuten?

Jeder, der an diesem Film beteiligt war, und auch jeder, der ihn sich angesehen hat, weiß, dass es nur um den großen Auftritt am Ende des Filmes und die paar kurzen Tanzszenen während des Filmes geht. Niemand interessiert sich für die innerlichen Struggles und Sehnsüchte von aufgepumpten, geilen Typen. Jeder will nur sehen, wie sie Schokoladensauce von Brüsten lecken und sich nackt an kreischenden Frauen reiben.

Warum also überhaupt so tun, als ginge es in Magic Mike XXL um irgendetwas anderes? Die Story ist in diesem Film so unwichtig, dass man sich zwischen den einzelnen Strip-Szenen eigentlich nur Mikes Beckenbewegungen in Nahaufnahme vorstellt, um die Wartezeit, den langweiligen Roadtrip und Mikes kleine Liebelei mit der schönen Amber Heard zu überbrücken. In Magic Mike XXL geht es um Sex, objektifizierte Männer und Frauen, die endlich das bekommen, was sie wollen: Männer, die 115 Minuten lang nur dazu da sind, ihre Bedürfnisse und Fantasien zu erfüllen. Richtige Heiler eben.

Verena auf Twitter: @verenabgnr